Losung

für den 28.07.2021

In Gottes Hand ist die Seele von allem, was lebt.

Hiob 12,10

Gottesdienste
Gottesdienste

Jede Woche einen frischen Gottesdienst oder eine Andacht aus dem Evangelischen Kirchenkreis Solingen finden Sie auf unserem YouTube-Kanal "Klingenkirche".

Suchen Sie einen Gottesdienst in Ihrer Nähe?

Hier finden Sie Termine, Orte und Zeiten der Gottesdienste in den Gemeinden.

mehr
Newsletter

Sie möchten regelmäßig mit Informationen und Meinungen aus der Evangelischen Kirche in Solingen versorgt werden? Hier können Sie unseren 14-tägigen Newsletter abonnieren.

mehr
Kontakt

Möchten Sie wissen, zu welcher Gemeinde Sie gehören? Wer als Pfarrerin oder Pfarrer für Sie zuständig ist? Dann schicken Sie uns doch einfach eine Nachricht.

mehr
Diakonie
Diakonie

Konkrete Beratung, praktische Hilfe und menschliche Zuwendung - mit diesem Angebot setzt sich das Diakonische Werk des Kirchenkreises für die Menschen der Stadt Solingen ein.

mehr
Gemeinden
Gemeinden mehr
Service

Superintendentin Dr. Ilka Werner zum neuen Schutzkonzept gegen sexuelle Übergriffe

„Damit bei uns in der Kirche niemand übergriffiges Verhalten befürchten muss“

Mit konkreten Maßnahmen will die Evangelische Kirche verhindern, dass Menschen zu Opfern sexueller Übergriffe werden. Auch Aufarbeitung unserer Geschichte sei wichtig, findet Superintendentin Ilka Werner. In einem Video bittet sie Opfer um Verzeihung.

: „Ich schäme mich dafür, dass auch in Solingen die Kirche für manche nicht Schutzort, sondern Tatort war“: Superintendentin Dr. Ilka Werner : „Ich schäme mich dafür, dass auch in Solingen die Kirche für manche nicht Schutzort, sondern Tatort war“: Superintendentin Dr. Ilka Werner

„Gott wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter Gottes Flügeln.“ (Psalm 91,4)

Schutzort Kirche

In allen Häusern des Evangelischen Kirchenkreises Solingen hängt ein blaues Plakat mit der Überschrift „Schutzort Kirche“. Darauf steht: „Wir möchten, dass dieses Haus und diese Gemeinde ein guter und sicherer Ort für alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen ist. Und ein Schutzort für diejenigen, die Hilfe brauchen.“

Es ist uns im Kirchenkreis Solingen sehr wichtig, dass die Kirchengemeinden und ihre Häuser ein guter, sicherer Ort für alle sind, ein Ort, an dem niemand übergriffiges Verhalten befürchten muss. Dann ist unsere Botschaft von Gottes Liebe glaubwürdig und dann bleiben die kirchlichen Mitarbeitenden vertrauenswürdig.
Aber Kirche war nicht immer und nicht für alle so ein sicherer Ort. Kirchenleute sind nachlässig gewesen, und manche haben Unrecht getan, das nicht wieder gut zu machen ist.
Dafür schäme ich mich.

Darum wollen wir tun, was wir können: für eine Kultur der Aufmerksamkeit, gegen Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung und gegen sexualisierte Gewalt, und für Versöhnung mit denen, die durch Mitarbeitende unserer Kirche Missbrauch erlitten haben und zu Opfern gemacht wurden.
Dazu gehören ein Schutzkonzept und Schulungen, das offene Ansprechen und ehrliche Aufarbeiten von sexuellem Missbrauch auch im Evangelischen Kirchenkreis Solingen und die Bitte um Verzeihung gegenüber denen, denen in unseren Häusern Leid angetan wurde.

Schutzkonzept des Evangelischen Kirchenkreises Solingen

Im Evangelischen Kirchenkreis Solingen haben wir unser Schutzkonzept gegen Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung und sexualisierte Gewalt in diesem Frühjahr überarbeitet. Dabei wurden auch die genannten blauen Plakate aufgehängt, die ihre grünen Vorgänger ersetzen. Das Konzept umfasst Risikoanalysen, Schulungen und Selbstverpflichtungen sowie Interventionspläne. Die Zusammenarbeit mit externen Stellen gewährleistet, dass nichts vertuscht wird. Wir wissen aber: Das beste Konzept ist nur so gut, wie die Kultur, die Haltung, die es trägt. Darum ist es uns wichtig, in Gemeinden und Einrichtungen immer wieder zu sensibilisieren und zu ermutigen, über Dinge zu sprechen, die „komisch“ wirken und befremden.

Die Zeit heilt keineswegs alle Wunden. Landeskirchliche Leitlinien

Das Schutzkonzept des Solinger Kirchenkreises setzt die Leitlinien zum Umgang mit sexualisierter Gewalt der Evangelischen Kirche im Rheinland um. Diese Leitlinien erschienen 2002, in Überarbeitung erneut 2012. 2017 erschien ein Handlungsleitfaden zur Erstellung von Schutzkonzepten, der laufend überarbeitet und ergänzt wird. 2020 wurde das Kirchengesetz zum Schutz vor sexualisierter Gewalt durch die Landessynode verabschiedet. Die landeskirchliche Melde- und Ansprechstelle als selbstständige, dem Schutz Betroffener verpflichtete Stelle sorgt für die Anerkennung erlittenen Unrechts. Sie vernetzt die landeskirchlichen Anstrengungen zur Prävention und Aufarbeitung mit der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Wo Schutzorte zu Tatorten wurden. Aufarbeitung in Solingen

Im Zusammenhang mit den Bemühungen um wirksame Prävention werde ich manchmal gefragt, was denn in der Vergangenheit gewesen sei. Dann sage ich: Ich weiß nur wenig. Aber ich weiß, dass Solingen keine Insel der Unschuld war. Hier sind Kinder missbraucht worden, ich weiß von zwei Mädchen, die zu Opfern gemacht worden sind, vor langer Zeit, von Tätern, die lange tot sind. Ich weiß, dass beide als längst erwachsene Frauen bei der Melde- und Ansprechstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland als Opfer von sexuellem Missbrauch anerkannt worden sind.
Ich sage auch: Da gab es vor Jahren eine Anzeige gegen eine Pfarrperson. Die Pfarrperson wurde suspendiert, die Staatsanwaltschaft ermittelte. Eine Anklageerhebung ergaben die Ermittlungen nicht und die Pfarrperson konnte in ihren Dienst zurückkehren. Damals war ich noch nicht hier, aber ich weiß, dass Opferschutz und Transparenz das Handeln des Kirchenkreises ebenso bestimmten wie die Unschuldsvermutung für die betroffene Pfarrperson.
Und ich sage: Ich weiß mit Sicherheit nicht alles. Vielleicht, hoffentlich gibt es nicht mehr zu wissen. Aber dabei will ich es nicht einfach bewenden lassen. Und so telefoniere ich mit pensionierten Kollegen und Kolleginnen und frage sie nach alten Geschichten, Gerüchten, Hörensagen. Ich habe angefangen, mir alte Akten, soweit sie bei unserer früher dezentral organisierten Verwaltung vorhanden sind, anzusehen. Ich bitte alle, die sich an etwas erinnern, sich bei den Vertrauenspersonen in der Beratungsstelle zu melden.

„Zuflucht wirst du haben unter Gottes Flügeln“. Persönliche Bemerkung

Ich schäme mich dafür, dass auch in Solingen die Kirche für manche nicht Schutzort, sondern Tatort war. Es tut mir weh, zu wissen, dass wir zu wenig getan haben, um sexuellen Missbrauch zu verhindern oder wenigstens zu erkennen und zu begrenzen. Es tut mir weh, zu wissen, dass oft genug auch die Evangelische Kirche den Opfern nicht geglaubt und Täter oder Täterinnen geschützt hat. Dafür möchte ich alle Betroffenen um Verzeihung bitten.
Es belastet mich, dass sexuelle Übergriffe Einzelner das Vertrauen in viele andere kirchliche Mitarbeitende und ihre gute Arbeit erschüttert haben. Auch sie möchte ich um Verzeihung dafür bitten, dass ihre Kirche ihnen das zumutet.

Mir fällt es nicht leicht, mit dem Superintendentinnenamt auch für diesen Teil unserer Geschichte Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht liegt das daran, dass ich mich als kirchliche Leitungsfrau seit vielen Jahren mit Sexismus auch in unserer Kirche auseinandersetze. Ich weiß, dass Sexismus und sexueller Missbrauch nicht dasselbe sind. Aber sie haben Berührungspunkte und sie erwachsen aus demselben strukturellen Machtgefälle, in dem ich mich auf beiden Seiten wiederfinde.
Gleichzeitig weiß ich nicht wirklich, ob ich bei Verdacht auf Missbrauch immer richtig reagiert hätte oder reagieren würde. Darum fühle auch ich mich durch das Schutzkonzept und seinen Handlungsleitfaden geschützt vor meiner eigenen Fehleranfälligkeit.

Unser Glaube lebt davon, dass Gott die Sünder und Sünderinnen zur Rechenschaft zieht. Schuld und Unrecht werden beim Namen genannt und offengelegt. Darum ist es richtig, wenn wir einander die sorgfältige Aufarbeitung unserer Geschichte zumuten, und damit denjenigen, die in der Kirche zu Opfern gemacht und missbraucht worden sind, wenigstens im Nachhinein den Respekt erweisen, ihnen zu glauben und sie beim Wort zu nehmen.
Ich hoffe, dass die Opfer in Gott nicht nur den verlängerten Arm der Täter und Täterinnen zu sehen vermögen – und ich bete dafür, dass sie eine Zuflucht finden unter Gottes Flügeln.

Hier können Sie das Statement von Superintendentin Dr. Ilka Werner in einem Video sehen.

ACHTUNG: Mit dem Aufruf des Videos erklären Sie sich einverstanden, dass Inhalte von YouTube nachgeladen werden. Damit werden Daten zwischen Ihnen und YouTube ausgetauscht.

 

24.06.2021



© 2021, Evangelische Kirche in Solingen
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung