Losung

für den 20.10.2020

Freu dich, wenn du einen Glückstag hast. Und wenn du einen Unglückstag hast, dann denke daran: Gott schickt dir beide, und du weißt nicht, was als Nächstes kommt.

Prediger 7,14

Gottesdienste

Suchen Sie einen Gottesdienst in Ihrer Nähe? Hier finden Sie Termine, Orte und Zeiten.

mehr
Newsletter

Sie möchten regelmäßig mit Informationen und Meinungen aus der Evangelischen Kirche in Solingen versorgt werden? Hier können Sie unseren 14-tägigen Newsletter abonnieren.

mehr
Kontakt

Möchten Sie wissen, zu welcher Gemeinde Sie gehören? Wer als Pfarrerin oder Pfarrer für Sie zuständig ist? Dann schicken Sie uns doch einfach eine Nachricht.

mehr
Diakonie
Diakonie

Konkrete Beratung, praktische Hilfe und menschliche Zuwendung - mit diesem Angebot setzt sich das Diakonische Werk des Kirchenkreises für die Menschen der Stadt Solingen ein.

mehr
Gemeinden
Gemeinden mehr
Service

Pfarrer Hartmut Schneider verabschiedet sich aus Wald

Damit sich Kirche wie ein Zuhause anfühlt

Nach fast 33 Jahren verlässt Hartmut Schneider die Gemeinde Wald. In einem Gottesdienst am 2. Advent verabschiedet er sich in der Walder Kirche. Zum Abschied erinnert sich der dienstälteste Solinger Pfarrer an Begegnungen, Entwicklungen und die Anfänge.

Gerne mit Menschen auf Augenhöhe: Pfarrer Hartmut Schneider Gerne mit Menschen auf Augenhöhe: Pfarrer Hartmut Schneider

Manchmal nannten ihn die Menschen in der Gemeinde „Herr Pfarrer“. Dann lächelte Hartmut Schneider freundlich und erklärte: „Sagt wenigstens Herr Pastor, das hat ein bisschen Seele.“ Er wollte nicht nur ein Amtsträger mit funktionalem Namen sein, sondern ein Wegbegleiter. Ein Mit-Christ. Einer, der die Menschen auf Augenhöhe ernst nimmt. Das hatte Konsequenzen für seinen Blick auf ehrenamtliches Engagement. „Mir geht es darum, mit Ehrenamtlichen gemeinsam Projekte zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen“, sagt er. „Es ging nicht nur ums Kaffeeausschenken und Kuchenverteilen.“ Die Menschen in Wald nahmen das Angebot an und brachten sich ein. Es entstanden Teams, die verlässlich und engagiert Gemeindeleben mitgestalten – ob in der Offenen Kirche, im Kirchencafé, bei Kultur in der Kirche oder im Weltladen. „Diese Teams können nun auch ohne mich weitermachen“, sagt Schneider.

Nach 33 Jahren in der Evangelischen Kirchengemeinde in Wald nimmt er am 2. Advent Abschied. Dann zieht er mit seiner Frau nach Barmen, um von dort aus im landeskirchlichen Dienst zu arbeiten. „Das ist auch ein Abschied mit Tränen“, sagt der Pfarrer, „wir verlassen hier die Menschen, mit denen wir lange zusammen gelebt haben.“ Dann macht er eine kleine Pause und erinnert sich. „Puh, da war so vieles Schönes!“

Pfarrehepaar Hartmut Schneider und Martina Köster-Schneider beim Corinthstraßenfest 2007. LupePfarrehepaar Hartmut Schneider und Martina Köster-Schneider beim Corinthstraßenfest 2007.

Begeisterung für Theologie und Philosophie

Hartmut Schneider hatte gerade sein Zweites Theologisches Examen bestanden, als er zum ersten Mal von Solingen-Wald hörte. Eigentlich hatte er sich eher an der Universität gesehen, um zu forschen und zu entwickeln. „Schon in der Schule habe ich die Begeisterung für Theologie entdeckt“, erinnert er sich. Ein Religionslehrer hatte ihn begeistert, sich mit philosophischen und theologischen Fragen auseinander zu setzen. Also hatte der Pfarrerssohn Theologie studiert, um diesen großen Fragen des Lebens und des Menschenseins auf die Spur zu kommen – in Wuppertal, Bonn und Tübingen. Und dann war er im Vikariat in Dinslaken gelandet und war auf ein lebendiges Gemeindeleben, auf Musik und viele junge Leute getroffen. Damals entschied er, doch Pfarrer werden zu wollen. Nach einer kurzen Station in Siegburg-Kaldauen kam er im Februar 1987 nach Wald, um die Vakanz der Pfarrstelle zu überbrücken. Vier Monate später wählte das Presbyterium ihn zusammen mit seiner Ehefrau Martina Köster-Schneider auf die vierte Pfarrstelle der Kirchengemeinde. „Es war  ungeheuer bereichernd, uns die Stelle zu teilen“, sagt Hartmut Schneider heute. Sie seien ständig im Gespräch gewesen, haben intensiv diskutiert und gestritten über Gott und die Welt. Und die Gemeinde gewöhnte sich daran, dass sich ihr Pfarrerehepaar jeweils zur Hälfte um die Gemeinde und um die Familie und die drei Töchter kümmerte. „Die Menschen erlebten, dass ein Pfarrer auch beim Einkaufen auf dem Markt ansprechbar war – während vorne und hinten auf dem Fahrrad ein Kind saß und die Gepäcktaschen von Gemüse überquellten“, erzählt Schneider.

Es war diese Lebendigkeit, der Mut, auch mal was Neues auszuprobieren, den sich das Pfarrerehepaar auch für die Gemeinde wünschte. Zur Kinderbibelwoche schlüpfte der Pfarrer kurzerhand in die Rolle des Musikers, gründete eine kleine Band und erlebte wie Kinder und Erwachsene lauthals mitsangen, die Begeisterung überschwappte. „Damals bebten die Säulen der Kirche“, sagt er lachend. Musik jenseits traditioneller Kirchenmelodien zog in die Walder Kirche ein – nicht nur zu Gottesdiensten und Kinderbibelwochen, sondern auch mit dem Programm „Kultur in der Kirche“. Menschen fanden den Weg in den „Walder Dom“, um moderne Musik zu hören. Und nicht selten begannen sie zu ahnen, dass auch in diesen Melodien eine geistliche Dimension mitklingt.

Als Moderator des Abrahamitischen Gastmahls in der Walder Kirche: Hartmut Schneider (links) mit Team und jüdischen und muslimischen Gästen. LupeAls Moderator des Abrahamitischen Gastmahls in der Walder Kirche: Hartmut Schneider (links) mit Team und jüdischen und muslimischen Gästen.

Einsatz für Frieden, Diakonie und die Bewahrung der Schöpfung

„Es gibt es ein paar Momente, die aufblitzen in all den Jahren“, sagt Pfarrer Schneider, „auch wenn ich es eigentlich vermeiden möchte, etwas hervorzuheben.“ Aber dann muss er doch an den Golfkrieg 1992 denken und an jenen Augenblick, als er sich zum ersten Mal mit einer Kerze auf die Kirchenstufen setzte. Die Mahnwache entwickelte eine eigene Dynamik, jeden Tag in den Abendstunden kamen Menschen aus ganz Solingen, um gegen den Angriffskrieg der USA und für den Frieden zu demonstrieren. „Da entstanden Kontakte, die zu Freundschaften wurden“, sagt Schneider, „und es kamen Menschen in die Kirche, die nie zuvor dort gewesen waren.“ Ähnliche Allianzen entstanden später, als die Umweltgruppe den Auftrag der Umweltkonferenz in Rio ernst nahm und lokales Handeln einforderte. „Wir brachten vielen Akteure an einen Tisch, beantragten ein Agendabüro, formulierten gemeinsam die 13 Solinger Thesen für eine lokale Agenda 21“, erzählt Schneider. Ohnehin sei das immer sein Wunsch gewesen: eine Kirche, die in die Kommune hineinwirkt und Impulse setzt. Aus dem Wissen um die Soziale Verantwortung der Gemeinde entstand Ende der 1980er Jahr das Sozial-diakonische Zentrum – das Wohnungslose in den Blick nahm, bis heute Mittagstisch, Beratung und Kleiderkammer anbietet. „Ich sehe heute noch die Obdachlosen, die wir in einem sehr strengen Winter nachts in der Kirche beherbergten. Das ist die Kehrseite des Gottesdienstes“, sagt der Pfarrer, „das Handeln der Gemeinde aus dem Glauben heraus.“ Dazu gehörte in den letzten Jahren auch die Verständigung mit anderen Religionen: als Teil eines Teams der Walder Gemeinde, das jüdische, christliche und muslimische Menschen jährlich zum „Abrahamitischen Gastmahl“ in die Walder Kirche einlud.

Am zweiten Advent verabschiedet sich Pfarrer Hartmut Schneider nun von seiner Gemeinde in Wald. In den letzten Jahren seines Berufslebens wird er sich in einem landeskirchlichen Projekt einbringen. Pfarrerinnen und Pfarrer mit beraterischer Zusatzqualifikation begleiten Gemeinden in Umbruchsituationen (PDÜ).  Hier stehe er für die pastorale Grundversorgung und die beratende Begleitung, zum Beispiel wenn Gemeinden eine Pfarrstelle neu besetzen wollen und dabei Umstrukturierungsmaßnahmen vornehmen müssen. Und dort will er auch seinen Wunsch weiterleben – Gemeinden ermutigen, den Menschen ein Zuhause zu sein, in dem sie der Liebe Gottes begegnen. Seinen Abschied in Wald feiert Pfarrer Schneider während draußen der Weihnachtsmarkt stattfindet. „Mittendrin“, sagt er, „so wie es immer war“.

INFO
Der Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Hartmut Schneider beginnt am zweiten Advent um 14 Uhr in der Walder Kirche. Am Sonntagmorgen findet dort darum kein Gottesdienst statt.

 

Theresa Demski / 26.11.2019



© 2020, Evangelische Kirche in Solingen
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung