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für den 08.12.2019

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Service

Ehrenamtliches Engagement in der Notfallseelsorge

Daniela Zimmer bleibt, wenn andere gehen

Daniela Zimmer ist eine von 17 Ehrenamtlichen, die sich in Solingen für die Notfallseelsorge einsetzen. Gemeinsam mit den Pfarrerinnen und Pfarrern des Kirchenkreises leisten sie „Erste Hilfe für die Seele“, wenn Menschen in Not geraten.

Auch ein wenig Papierkram gehört zur Nachbereitung eines Einsatzes: Notfallseelsorgerin Daniela Zimmer. LupeAuch ein wenig Papierkram gehört zur Nachbereitung eines Einsatzes: Notfallseelsorgerin Daniela Zimmer.

Kurz bevor Daniela Zimmer aus dem Auto aussteigt und sich der Kriminalpolizei anschließt, faltet sie die Hände und betet. „Dieser Moment ist mir wichtig“, sagt die 30-Jährige. Dann bittet sie darum, helfen zu können. „Und ich vergewissere mich selbst, dass ich nicht allein bin, dass Gott bei mir ist“, sagt Daniela Zimmer. Wenn sie dann die Autotür öffnet, ihre lila Weste schließt und die Beamten der Kriminalpolizei begrüßt, dann ist sie meistens ganz ruhig. Es sei nicht an ihr, die Nachricht zu überbringen, sagt sie. Das übernimmt die Polizei, wenn sie Ehefrauen über den Unfalltod des Mannes oder Familienangehörige über einen Suizid informiert. Die Notfallseelsorgerin ist oft auch als erste nach dem Krankenwagen am Einsatzort, wenn Menschen in ihren eigenen vier Wänden gestorben sind. Dann gehe es häufig erstmal um ganz praktische Fragen, weiß Daniela Zimmer, die dann meistens irgendwo in der zweiten Reihe auf einem Stuhl Platz genommen hat. Und dann kommt jener Augenblick, in dem sich Rettungssanitäter und Polizei verabschieden. „Wenn die anderen gehen, dann bleibe ich“, sagt Daniela Zimmer.

2018 gab es 124 Einsätze
Die junge Solingerin gehört zum Team der Notfallseelsorge, das sich 2015 neben Hauptamtlichen, vor allem Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Mitarbeitende der Evangelischen Beratungsstelle, für Ehrenamtliche geöffnet hat - auch weil die Zahlen der Pfarrer sinken, die Einsatzahlen aber eher steigen. Zwei- bis dreimal in der Woche klingelt das Notfalltelefon, im vergangenen Jahr 2018 waren es 124 Einsätze: Insgesamt 70 Mal fuhren Diensthabende der Notfallseelsorge zu häuslichen Todesfällen raus, zwölf Mal zu Suiziden oder Suizidversuchen, zu sechs Verkehrsunfällen. Fünf Mal starben Kinder und es bestand der Verdacht auf Missbrauch oder Misshandlung. Neun Todesnachrichten überbrachte die Notfallseelsorge gemeinsam mit der Polizei, dazu kamen fünf Brände und acht andere Einsätze.

Gründliche Ausbildung
Daniela Zimmer kennt die Not der Menschen und so zögerte sie nicht, als sie von der Ausbildung zur  ehrenamtlichen Notfallseelsorgerin erfuhr: Sie hatte eine Zeit lang für die Malteser gearbeitet, sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich. Sie kannte jene dramatischen Einsätze von der anderen Seite, hatte miterlebt wie Familien zurückbleiben, wenn der Notarztwagen und die Polizei wieder fahren. Und weil sie seit jeher in der Gemeinde aktiv ist, ihr Andachten und Gebete vertraut sind und sie das Team der Notfallseelsorge kannte, bewarb sie sich für die Ausbildung. Ein Jahr lang wurde sie auf ihren Einsatz vorbereitet – theoretisch und praktisch. Für die Koordination der Ausbildung und der einzelnen Ausbildungsthemen ist im Evangelischen Kirchenkreis Solingen Simone Henn-Pausch verantwortlich. Sie trainierte Kommunikationstechniken, übte in Rollenspielen auch das Schweigen und verhalf den Ehrenamtlichen zu Sicherheit im Einsatz. Schon während der Ausbildung hospitieren die Ehrenamtlichen bei den geübten Notfallseelsorgern.

Hilfreich da sein
Und dort fand sich Daniela Zimmer dann in ihrem ersten Einsatz. „Das war im Winter, um vier Uhr morgens“, erinnert sie sich. Eine Frau hatte ihren toten Mann im Schlafzimmer gefunden. „Und die Dame zeigte keinerlei Emotionen“, erzählt die Notfallseelsorgerin. Die Nachricht sei nicht zu ihr durchgedrungen. Erst als sich die Notfallseelsorgerin, bevor die Rettungskräfte den leblosen Körper mitnahmen, mit der Dame an das Bett ihres Mannes setzte, brachen sich die Emotionen Bahn. Ein knappes Jahr später fuhr Daniela Zimmer dann zum ersten Mal alleine zu einem Einsatz: Die Feuerwehr-Leitstelle hatte sie zu einer Ehefrau geschickt. Der Mann hatte sich auf Bahngleisen das Leben genommen. Ein Familienvater mit drei Kindern. Depressionen. Und dann taucht auch die Frage nach dem Warum auf. „Manchmal schweigen wir mit den Menschen, weil es einfach nichts zu sagen gibt“, sagt Daniela Zimmer, „manchmal möchten die Angehörigen mit uns beten oder sie haben Fragen zu Abläufen, zur Bestattung. Sie wissen dann einfach nicht, wie es weitergeht.“ Die Notfallseelsorgerin will da sein, dem Nächsten eine Stütze – egal welcher Religion, welcher Nationalität oder Konfession. Sie initiiere nichts, dränge sich nicht auf, das gelte auch für Themen rund um Glauben und Religion. Jeder Mensch bestimme selbst, was er brauche. Ablehnung hat sie noch nie erfahren in diesen Fällen. Und erst, wenn sie den Eindruck hat, dass Familie oder Freunde eine Perspektive für die nächsten Tagen schaffen, wenn für die Trauernden die ersten Schutzmechanismen errichtet sind, verabschiedet sich die Notfallseelsorgerin.

Mit Belastungen umgehen
Bevor die Autotür zufällt, legt sie die Weste ab. „Ich bete, spreche mit Gott und dann ist der Einsatz vorbei“, sagt sie. Wenn sie Hilfe brauche, können sie sich an das Team wenden, das sich einmal im Monat trifft. Oder das Angebot der regelmäßigen Supervision nutzen. Aber auch den Umgang mit dem Leid haben die Notfallseelsorger gelernt. Daniela Zimmer fährt dann nachhause und legt das Notfallhandy, über das sie die Leitstelle während ihrer Schichten erreichen kann, auf ihren Nachttisch. Das sei ihr keine Last, sagt sie. Ganz im Gegenteil. Ihr eigener Glaube motiviere sie und der Wunsch zu helfen. „Ich habe schon viel Hilfe in meinem Leben erfahren“, erzählt sie, „jetzt möchte ich sie weitergeben.“

Infoabend für Interessierte
Der nächste Ausbildungsgang für Ehrenamtliche in der Notfallseelsorge beginnt im kommenden Herbst. Bei einem Infoabend am Dienstag, 10. September 2019, ab 19.00 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum Mangenberg, Sandstr. 30, können Interessierte erfahren, ob diese Ausbildung etwas für sie ist. Anmeldung unter Tel. 0212 / 28 72 26 oder hier per Mail.

 

Theresa Demski / 10.07.2019



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