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für den 25.08.2019

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Evangelische Kirche zum Thema „Sterbehilfe“

An der Seite der Menschen bis zuletzt

Am heutigen Donnerstag (13.11.2014) debattiert der Deutsche Bundestag über das Thema "Sterbehilfe". Im Vorfeld haben Superintendentin Dr. Ilka Werner und Klinikpfarrer Karl-Heinz Leppelmann das schwierige Thema aus ihrer Sicht beleuchtet.

Begleiten bis zuletzt: Klinikpfarrer Karl-Heinz Leppelmann an einem Krankenbett im Solinger Klinikum. Begleiten bis zuletzt: Klinikpfarrer Karl-Heinz Leppelmann an einem Krankenbett im Solinger Klinikum.


Die Evangelische Kirche kann aus grundsätzlichen Erwägungen die Selbsttötung nicht gutheißen. Das betonten angesichts der gegenwärtigen Debatte um die Sterbehilfe die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises, Dr. Ilka Werner, und der Klinikseelsorger und Ethikberater Pfarrer Karl-Heinz Leppelmann vor der Presse. Das dürfe aber nicht ausschließen, dass die Kirche sich sterbenskranken Menschen, die in einer verzweifelten Situation an Suizid dächten, trotzdem bedingungslos zuwende. Werner: „Weil Gott ,Ja‘ zum Leben sagt, kann für uns der Suizid keine Option sein. Aber gleichermaßen gilt: Weil wir glauben, dass Gott sich besonders den verzweifelten Menschen zuwendet, bleibt unser Platz an der Seite eben dieser Menschen.“ Sie hätten das Recht auf seelsorgliche Begleitung selbst dann noch, wenn alle Gespräche sie nicht davon abhalten könnten, mit ihrem Todeswunsch ernstzumachen, ergänzte Leppelmann: „Die Erfahrung zeigt uns, dass gerade das Gespräch über den Todeswunsch viele Menschen vor dem Suizid bewahren kann.“ Die Äußerung dieses Wunsches sei oft eine Art „Hilfeschrei“. Danach lasse sich noch viel Gutes für den betroffenen kranken Menschen tun, was diesem zu einer gewissen Linderung seiner Not verhelfen könne. Manchmal, so der langjährige Klinikpfarrer, helfe es schon, wenn ein Mensch endlich einen Platz auf einer Palliativstation bekomme. Leppelmann wünscht sich darum ausdrücklich, dass leidende Menschen auch mit evangelischen Seelsorgern möglichst tabufrei über eigene Suizidgedanken sprechen können. In Solingen seien Seelsorger nicht nur in den Krankenhäusern präsent, sondern auch in das neue System der ambulanten Palliativpflege eingebunden.

"Recht auf Leben muss unbedingt gewahrt bleiben": Superintendentin Dr. Ilka Werner. "Recht auf Leben muss unbedingt gewahrt bleiben": Superintendentin Dr. Ilka Werner.

Superintendentin Dr. Werner, die auch Vorsitzende des Ständigen Theologischen Ausschusses der Evangelischen Kirche im Rheinland ist, erklärte, dass die Evangelische Kirche heute eine ethische Position vertrete, die sich deutlich von früheren Verurteilungen distanziere. Während die Kirche in früheren Zeiten Suizid generell als Sünde angesehen habe, betrachte sie heute den Suizid differenzierter und berücksichtige dabei die individuellen Umstände. „Niemand nimmt sich gern das Leben“, betonte die Theologin und verwies auf ein Positionspapier (unten zum Download), das die rheinische Landeskirche unter genau diesem Titel veröffentlicht hat und deren Mitverfasserin Werner ist. Darin werden Seelsorgende ausdrücklich ermutigt, auch bei solchen Menschen auszuhalten, deren Sterbewunsch sie dazu bringt, ihr Lebensende selbst herbeizuführen. Wörtlich heißt es in dem Papier: „Eine Begleitung bis zum Lebensende, auch zum selbst herbeigeführten, bei der ein Mensch nicht alleine gelassen wird in seiner für ihn nicht mehr auszuhaltenden Situation, ist dann ebenfalls ein lebensdienlicher Dienst.“ Dabei dürfe ein Seelsorger dem Patienten aber durchaus sagen, wenn er diesen Schritt nicht gutheißt, so die Superintendentin.

Auch zur am Donnerstag im Bundestag geplanten Debatte um eine mögliche gesetzliche Neuregelung in der Frage des ärztlich assistierten Suizids äußerten sich die beiden Theologen. Superintendentin Dr. Werner plädierte „für einen rechtlichen Korridor, der einerseits der Gewissensfreiheit des behandelnden Arztes den nötigen Raum gibt und andererseits gewährleistet, dass das Recht auf Leben unbedingt gewahrt bleibt“. Eine Legalisierung von Sterbehilfeorganisationen, die Sterbehilfe kommerziell anbieten und auch bewerben, lehnten Werner und Leppelmann ebenso ab wie jede Legalisierung der aktiven Sterbehilfe. „Ich halte den Weg der Schweiz und der Beneluxländer für falsch“, betont die Superintendentin. Solche Regelungen könnten allzu leicht dahin führen, dass sich Menschen aus äußerem Druck genötigt fühlen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Stattdessen sprach sie sich dafür aus, die Fragen nach Leben und Sterben gesellschaftlich noch einmal neu zu diskutieren: „Wir sollten uns fragen, welche Sterbe- und welche Lebenskultur wir wollen. Wenn nur das als gutes Leben gilt, was vital und selbstbestimmt ist, wäre das zu wenig. Wir sollten auch das Sterben als eine notwendige Lebensphase akzeptieren.“ Um das Gespräch über diese Fragen anzuregen, wird die Evangelische in Solingen auch Veranstaltungen anbieten.

 

Thomas Förster/Almut Hammerstaedt-Löhr / 13.11.2014



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