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für den 27.09.2021

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Fastenzeit beginnt

Der Weg zur Freiheit

Am Aschermittwoch sei alles vorbei, empfinden manche Karnevalisten. Falsch!, meint Pfarrer Thomas Förster. Es beginne vielmehr ein wichtiger Weg zu mehr Freiheit.

Kirchen rufen in diesem Jahr zum Klimafasten auf. LupeKirchen rufen in diesem Jahr zum Klimafasten auf.

Eigentlich müsste ich abends mal häufiger den Fernseher auslassen und stattdessen ein gutes Buch lesen! Eigentlich sollte ich regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und dafür das Auto stehen lassen. Eigentlich müsste ich mir mal die Zeit nehmen, mich bei alten Freunden zu melden, bevor der Kontakt ganz abreißt! Eigentlich! Wer solche oder ähnliche Vorsätze kennt, könnte die am Aschermittwoch beginnende Fastenzeit nutzen, einmal „eigentlich“ in „tatsächlich“ zu verwandeln.

Anders als oft vermutet, steht in der Fastenzeit gar nicht nur der Verzicht im Mittelpunkt. Wer sich auf das Experiment „Fasten“ einlässt, kann vielmehr spannende Erfahrungen von Freiheit machen. Die eigene Bequemlichkeit, vermeintliche Sachzwänge, empfundene Zeitknappheit, selbstgemachte Abhängigkeit – all das sind Fesseln, die uns davon abhalten, gute Einsichten und nötige Absichten tatsächlich umzusetzen. Fesseln, die uns daran hindern, in unserem Leben jene kleinen oder großen Veränderungen auszuprobieren, die wir uns eigentlich wünschen.

Die vorösterliche Fastenzeit gibt uns die Chance, unsere Freiheit wiederzuentdecken. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“, beschwört der Apostel Paulus (Galaterbrief, 5,1) und warnt davor, sich wieder Fesseln anlegen zu lassen. Fasten bedeutet darum nicht, sich fremden Regeln des Verzichts zu unterwerfen, sondern eigene Erfahrungen mit dem Kampf um die Freiheit zu machen.

Vor mehr als 35 Jahren wollten Menschen aus Journalismus und Theologie die Fastenzeit in diesem evangelischen Sinne neu beleben. Schnell war klar, dass fremdbestimmte Regeln dazu nicht passen würden. Fasten bedeutete für sie: Jeder und jede soll sich selber fragen, welche Fesseln er lösen, welche Erfahrungen der Freiheit sie machen möchte. Mehr als 2 Millionen Menschen lassen sich Jahr für Jahr auf dieses Experiment ein. Die eine möchte ausprobieren, wie leicht oder schwer es ihr fällt, sieben Wochen lang die Abende ohne das Glas Rotwein zu gestalten. Der andere möchte nicht mehr abends mit Heißhunger über die Chipstüte herfallen. Und wieder andere möchten versuchen, unnötige Autofahrten zu vermeiden, und stattdessen aufs Fahrrad oder den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Und fast alle wollten diese guten Vorsätze eigentlich schon längst einmal umgesetzt haben, sind aber im Alltag immer wieder an den selbst gebundenen Fesseln gescheitert.

Nicht alle, die die Fastenzeit in dieser Weise nutzen, sind Christinnen und Christen. Aber viele verstehen das Experiment „Fasten“ als Vorbereitung auf Karfreitag und Ostern. Sie erinnern sich in der Fastenzeit daran, dass Jesus Christus mit seinem Leben konsequent den Weg der Freiheit gegangen ist. Weil er sich in besonderer Weise mit Gott verbunden fühlte, konnte er die Fesseln gesellschaftlicher Zwänge, religiöser Bevormundung und persönlicher Engstirnigkeit radikal in Frage stellen. Unfreiheit sah er überall dort, wo Menschen es einfach nicht schaffen konnten, sich auf Gott zu verlassen, und darum nach selbstgebauten Sicherheiten suchten. Wenn es sein musste, auch auf Kosten anderer.

Der Weg zur Freiheit ist immer mit Zweifeln und Rückschlägen verbunden. Auch darum ist der Weg Jesu auch eine Leidensgeschichte. Jesus hat aber genau darin erlebt, von Gott begleitet und getragen zu werden. Bis Gott am Ostermorgen schließlich auch die letzten Fesseln gesprengt hat. Christinnen und Christen tut es gut, sich in jedem Jahr wieder an die Leidensgeschichte Jesu zu erinnern. Auch wenn sie zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag eigene Fastenerfahrungen machen: mit ihrem Kampf um die Freiheit. Und der schwierigen Verwandlung von „eigentlich“ in „tatsächlich“.

Thomas Förster, Pressepfarrer im Evangelischen Kirchenkreis solingen

 

19.02.2020



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