Losung

für den 17.09.2019

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Jeremia 2,28

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Glaube.Grund.Gesetz

Ein Bekenntnis zur Freiheit

Einen Tag vor einer Kundgebung von Rechtspopulisten eröffneten Vertreter Solinger Religionsgemeinschaften in der Stadtkirche Mitte eine Ausstellung zur Religionsfreiheit. Gemeinsam stellten sie sich auf den Boden des Grundgesetzes.

Stele mit einem Auszug aus Artikel 4 des Grundgesetzes (alle Fotos: Jörg Schmidt, zum Vergrößern ins Bild klicken) LupeStele mit einem Auszug aus Artikel 4 des Grundgesetzes (alle Fotos: Jörg Schmidt, zum Vergrößern ins Bild klicken)

Wer den Blick über die Buchstaben streifen lässt, dem Schwung der deutschen, arabischen, türkischen, griechischen und hebräischen Schriftzeichen folgt, der kann gar nicht anders, als auch den tiefen Kirchraum wahrzunehmen, die Menschen, das Licht. „Die schwarzen Schriften stehen uns vor Augen, erlauben dennoch freie Sicht auf die anderen Texte“, sagt Jürgen Jaissle. Er hat die menschenhohen Stelen gestaltet, die am 30. August in der Stadtkirche Mitte am Fronhof stehen – und noch bis zum 20. September zum Erkunden und Bekennen einladen. Die erste gläserne Stele begegnet den Besuchern bereits am Eingang. Sie erinnert an Artikel 4 des Grundgesetztes, der die „Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses“ versichert. Wer dann weitergeht, entdeckt die Stelen mit den Zitaten aus den heiligen Schriften der Christen, der Moslems, der Bahá’i.

Freiheit des Bekenntnisses
Zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung „Glaube.Grund.Gesetz“ 70 Jahre nach der Verabschiedung des Grundgesetzes lohnte der Blick durch die gläsernen Stelen einmal mehr. Vertreter aller mitwirkenden Religionsgemeinschaften waren am Abend des 30. August in die Stadtkirche gekommen um zu erklären, zu bekennen und zu besprechen. „Für die Kirche war es ein langer Weg, ein vom Glauben unabhängiges Recht anzuerkennen“, erinnerte in einer Ansprache Superintendentin Dr. Ilka Werner, „heute kann sie dankbar dafür sein, dass eine weltliche Begründung von Menschen- und Grundrechten ihr geholfen hat, die eigene Gewaltgeschichte zu überwinden und die Freiheit des Bekenntnisses, von der sie selbst lebt, auch für andere Religionsgemeinschaften gelten lassen zu wollen.“

Aktuelle Brisanz
Noch im letzten Moment hatte die lange geplante Ausstellungseröffnung zusätzlich an Brisanz und Bedeutung gewonnen: Für den darauffolgenden Tag hatten Rechtspopulisten zur Kundgebung eingeladen, um gegen den geplanten Moscheebau zu protestieren. Das Bündnis „Bunt statt braun“, zu der auch der Evangelische Kirchenkreis gehört, hatte kurzfristig einen Gegenprotest organisiert. Im Schatten dieser Ereignisse eröffneten die Vertreter der Solinger Religionsgemeinschaften dann ihre Ausstellung. „Wo Grundrechte gefährdet sind, sind wir gefordert“, mahnte Dr. Ilka Werner. Und: „Wir wenden uns gegen Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und jede gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.“ Stattdessen wolle man sich mit der Eröffnungsfeier demonstrativ und eindeutig, gemeinsam und zweifelsfrei auf den Boden des Grundgesetztes stellen.

Plädoyers der Religionsgemeinschaften
Firouz Foroutan von den Bahá’i, Ayse Borlucaoglu von der Ditib-Moschee, Edgar Daub von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und Dr. Simon Oelgemöller vom Katholischen Bildungswerk schlossen sich der Superintendentin an. Sie appellierten an die Menschen, das Grundgesetz zu schützen und erklärten den Besuchern ihre eigenen Glaubensgrundsätze. Mit einem eindrucksvollen Plädoyer von Oberbürgermeister Tim Kurzbach endete schließlich der offizielle Teil der Eröffnungsveranstaltung. „Das Grundgesetz ist nicht Beliebiges“, betonte er unter viel Applaus, „denn genau dort ist die Würde jedes einzelnen Menschen verbrieft.“ Und weil die Verfassung nun angegriffen werde, werde auch er sie verteidigen. Bevor sich dann die Besucher zu Brot und Wasser, zu Gesprächen und zum Austausch trafen, schickte Kantorin Stephanie Schlüter an ihrem Piano eine kleine Melodie durch die Kirche. In den Köpfen vieler Zuhörender verband sich der Klang unwillkürlich mit dem dazugehörigen Text: „Es bleibet dabei. Die Gedanken sind frei.“

(v.l.) OB Tim Kurzbach; Dr. Ilka Werner; Firouz Foroutan (Bahá´i); Edgar Daub (ACK)

Ayşe Borlucaoğlu, DITIB-Moschee Solingen-Mitte

Simon Oelgemöller, Katholisches Bildungswerk Wuppertal, Solingen, Remscheid

Dr. Ilka Werner bei der Eröffnungsrede

Rauminstallation (Ausschnitt)

Rauminstallation (Ausschnitt) (alle Fotos: Jörg Schmidt)

 

Theresa Demski / 11.09.2019



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