Losung

für den 27.09.2021

Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort.

Psalm 119,67

Gottesdienste
Gottesdienste

Jede Woche einen frischen Gottesdienst oder eine Andacht aus dem Evangelischen Kirchenkreis Solingen finden Sie auf unserem YouTube-Kanal "Klingenkirche".

Suchen Sie einen Gottesdienst in Ihrer Nähe?

Hier finden Sie Termine, Orte und Zeiten der Gottesdienste in den Gemeinden.

mehr
Newsletter

Sie möchten regelmäßig mit Informationen und Meinungen aus der Evangelischen Kirche in Solingen versorgt werden? Hier können Sie unseren 14-tägigen Newsletter abonnieren.

mehr
Kontakt

Möchten Sie wissen, zu welcher Gemeinde Sie gehören? Wer als Pfarrerin oder Pfarrer für Sie zuständig ist? Dann schicken Sie uns doch einfach eine Nachricht.

mehr
Diakonie
Diakonie

Konkrete Beratung, praktische Hilfe und menschliche Zuwendung - mit diesem Angebot setzt sich das Diakonische Werk des Kirchenkreises für die Menschen der Stadt Solingen ein.

mehr
Gemeinden
Gemeinden mehr
Service

Evangelische Kita Merscheid schließt 2022

Evangelische Kirche sieht Zukunft eigener Kindertageseinrichtungen gefährdet

Nach 67 Jahren wird die evangelische Kita in Merscheid 2022 geschlossen. Die Gemeinde kann die nötige finanzielle Belastung nicht länger tragen. Weitere Schließungen könnten, wenn die Finanzierung nicht staatlich besser geregelt wird.

Ab August 2022 kein Ort mehr für Kinder: die evangelische Kita Merscheid an der Hofstraße. Ab August 2022 kein Ort mehr für Kinder: die evangelische Kita Merscheid an der Hofstraße.

„Für die Evangelische Kirche in Solingen ist der Trägeranteil für Kindertageseinrichtungen unter den Bedingungen des neuen Kinderbildungsgesetzes NRW dauerhaft nicht zu finanzieren“, mahnt die Geschäftsführerin des Diakonischen Werks im Evangelischen Kirchenkreis Solingen (DW) Ulrike Kilp. Sie reagiert damit auf den Beschluss des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Merscheid, die Evangelische Kindertagesstätte Hofstraße zum 31. Juli 2022 zu schließen. Die zweigruppige Einrichtung hält aktuell Plätze für 40 Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren vor. Für das letzte Kita-Jahr 2021/22 sollen in Abstimmung mit der Stadt Solingen nur noch neue Kinder ab drei Jahren aufgenommen werden. Mitarbeitende und Eltern wurden bereits über die neue Entwicklung informiert.

Gemeinde ist finanziell stark belastet

Dabei wurde mitgeteilt, dass die Merscheider Kirchengemeinde die Finanzierung des im Kinderbildungsgesetz NRW festgelegten Kostenanteils nicht länger stemmen könne, wenn der Haushalt der Gemeinde nicht dauerhaft ins Minus rutschen soll. „Wir stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand“, erklärte der Vorsitzende des Merscheider Presbyteriums Pfarrer Dirk Stark. Seit Jahren seien die von der Gemeinde zu verplanenden Kirchensteuereinnahmen nicht mehr gestiegen, während nicht nur die Personalkosten gewachsen seien. Auch die Finanzierung der 2013 erfolgten Turmsanierung an der Kirche belaste den Gemeindehaushalt. In den letzten Jahren wurden darum Personalstellen bereits drastisch reduziert. Im laufenden Jahr sei ein ausgeglichener Haushalt nur noch durch die Einnahmen eines Gebäudeverkaufs möglich gewesen, so Stark. Die nun getroffene Entscheidung sei dem Presbyterium sehr schwergefallen: „Seit 67 Jahren trägt unsere Gemeinde die evangelische Kita-Arbeit. Aber jetzt können wir unseren Anteil nicht länger aus Kirchensteuermitteln bezahlen.“

Kita-Anteil an kirchlichen Gesamtausgaben steigt weiter

DW-Geschäftsführerin Ulrike Kilp befürchtet, dass die Merscheider Entscheidung kein Einzelfall bleibt. Überall in den Solinger Gemeinden stagnieren bereits seit Jahren die Kirchensteuereinnahmen, während die Kosten in die Höhe gehen. Für das kommende Haushaltsjahr rechnet die Evangelische Kirche in Solingen mit bis zu 1 Mio. Euro Ausgaben für ihre Kita-Arbeit bei insgesamt knapp 12 Mio. Euro Kirchensteuereinnahmen, von denen 8 bis 8,5 Mio. Euro in Solingen ausgegeben werden. Der Rest fließt in gesamtkirchliche Aufgaben. Damit wird der Kita-Anteil an den Solinger Gesamtausgaben noch einmal steigen. Kilp: „Wir werden alles tun, damit evangelische Kitas Teil der Solinger Trägervielfalt bleiben. Aber wenn es nicht gelingt, die Trägeranteile für die Kirchen zu senken, werden die Gemeinden nicht nur andere Mitarbeitendenstellen einsparen und Gebäude aufgeben, sondern auch die Zahl ihrer Kitas reduzieren.“ Die Geschäftsführerin kritisiert, dass die Novellierung des Kinderbildungsgesetzes NRW (KiBiz), das auch die Finanzierung der Kitas regelt, im Jahr 2019 trotz einiger guter Ansätze wie der Erhöhung der Pauschalen pro Kind nicht genutzt wurde, um die festgeschriebene Schlechterstellung kirchlicher Kita-Arbeit zu beenden. Nach wie vor haben die Kirchen unter den freien Trägern mit 10,3 Prozent den mit Abstand höchsten Trägeranteil zu bezahlen, während andere freie Träger 7,8 und Elterninitiativen 3,4 Prozent selber tragen. Das Bild von den Kirchen als „reiche Träger“ entspricht längst nicht mehr der Realität. Und die Erfahrungen nach den ersten fünf Monaten mit dem neuen Kibiz zeigen, dass die Trägerkosten für die Evangelische Kirche in Solingen nach der Novellierung gestiegen sind.

OB Tim Kurzbach teilt Bedenken

Auch die Solinger Superintendentin Dr. Ilka Werner und der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach formulieren Bedenken gegen das neue Landesgesetz. In einem gemeinsamen Brief beider an den zuständigen NRW-Minister Joachim Stamp heißt es: „So richtig die Anhebung der Kindpauschalen für die auskömmliche Finanzierung von Kindertagestätten war, so wenig wurde bei der Festsetzung des kirchlichen Trägeranteils die veränderte finanzielle Leistungsfähigkeit der Kirchen beachtet.“

Superintendentin fürchtet Gefahr für die Trägervielfalt

Superintendentin Dr. Werner, Geschäftsführerin Kilp und Pfarrer Stark befürchten, dass durch diese Entwicklung die Trägervielfalt bei den Kitas nicht nur in der Klingenstadt in Gefahr geraten könnte. Sie erinnern daran, dass die Evangelische Kirche und auch die anderen Träger einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die Stadt Solingen ihrer Verpflichtung nachkommen könne, das staatlich garantierte Recht auf einen Kita-Platz einzuhalten. Gemeinsam sei man Teil einer Kita-Vielfalt, in der Eltern aussuchen könnten, welchen Kita-Betreiber sie sich wünschen. Dabei entscheiden sich längst nicht nur evangelische Eltern für eine evangelische Einrichtung: Mehr als die Hälfte der evangelischen Kita-Plätze sind an Kinder aus katholischen, muslimischen, andersgläubigen oder nichtkonfessionellen Familien vergeben.

In Zukunft neues Finanzierungsmodell möglich

Möglich ist, dass in Zukunft in Merscheid unter neuen Voraussetzungen doch wieder eine Kitaarbeit mit evangelischer Beteiligung beginnen könnte. Eine Möglichkeit wäre ein Investor, der für eine finanziell auskömmliche Aufstellung sorgt. Gemeinde und Diakonisches Werk wollen auch nach dem Schließungsbeschluss für die aktuelle Kita an der Hofstraße darüber im Gespräch bleiben.

INFO

Die Kindertagesstätte der Evangelischen Kirchengemeinde Merscheid betreut seit 1953 Kinder bis zum sechsten Lebensjahr. Aktuell arbeiten dort acht Mitarbeiterinnen.
Der evangelische Kita-Verbund unter dem Dach des Diakonischen Werks Solingen vertritt seit 2018 die aktuell 15 Einrichtungen in den Gemeinden in einer gemeinsamen Trägerschaft gegenüber Stadt und Land. Damit ist die Evangelische Kirche der zweitgrößte Träger in Solingen nach der Stadt. Die Gemeinden, die die Kitas zuvor getragen hatten, haben sich aber verpflichtet, weiterhin die Verantwortung für die Trägeranteile und weitere nicht refinanzierbare Kosten zu übernehmen.

 

11.12.2020



© 2021, Evangelische Kirche in Solingen
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung