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für den 21.09.2019

Gott sprach zu Jakob: Ich bin Gott, der Gott deines Vaters; fürchte dich nicht. Ich will mit dir hinab nach Ägypten ziehen und will dich auch wieder heraufführen.

1.Mose 46,3.4

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Friedenspfarrer Jens Maßmann war in Israel und Palästina

„Begegnung ist das A und O“

An einer Studienreise nach Israel und Palästina nahm Jens Maßmann Anfang Juni teil. Der Pfarrer am Berufskolleg erlebte dort eine tief gespaltene Gesellschaft und Menschen, die trotzdem am Ziel der Versöhnung festhalten.

Bringt wichtige Erfahrungen aus Israel und Palästina mit in seinen Solinger Alltag: Pfarrer Jens Maßmann. Bringt wichtige Erfahrungen aus Israel und Palästina mit in seinen Solinger Alltag: Pfarrer Jens Maßmann.

Als Synodalbeauftragter für Friedensfragen des Evangelischen Kirchenkreises Solingen und als Pfarrer am Technischen Berufskolleg weiß Jens Maßmann, wie tief die Gräben sein können, wenn in der Gesellschaft oder im Klassenraum heikle politische Fragen diskutiert werden. Auch in vielen Diskussionen zum Israel-Palästina-Konflikt hierzulande erscheinen die Standpunkte scheinbar unüberbrückbar. Wie unversöhnlich muss um diesen Konflikt erst in Israel und Palästina selbst gestritten werden! Maßmann nahm daher die Gelegenheit wahr, auf einer Studienreise der „Bundeszentrale für Politische Bildung“ nähere Einsichten über die Situation im Heiligen Land zu gewinnen und an Gesprächen mit Menschen aus Israel und Palästina sowie Vertretern von Versöhnungsprojekten zu sprechen.

„Israel ist tief gespalten“
In einer Gruppe von 25 deutschen Teilnehmenden aus Journalismus, Schule, Justiz und öffentlicher Verwaltung führte Maßmann Gespräche mit Soziologen der Universität Haifa, mit Wissenschaftlern vom Demokratie-Institut Jerusalem, mit Palästinensern aus Bethlehem und Ramallah sowie mit Vertretern der israelischen Siedlungsbewegung. „Dort erfuhren wir, dass die israelische Gesellschaft tief gespalten ist“, berichtet Maßmann. So gebe es eine arabische Minderheit in Israel, die etwa 20 Prozent der Bevölkerung ausmache. Auch innerjüdisch sei etwa das Verhältnis zwischen Streng-Orthodoxen und Liberalen äußerst spannungsreich. Und über allem laste der seit Jahrzehnten ungelöste Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Jede Gruppe habe ihre eigene Sicht auf die Situation in Israel und auf dessen Geschichte und beurteile von daher auch die aktuellen politischen Entwicklungen sehr unterschiedlich.

Frauen für den Frieden
„Mich hat in dieser angespannten Situation besonders tief das Engagement von Initiativen beeindruckt, die trotz aller Rückschläge am Ziel der Versöhnung festhalten und dafür arbeiten“, erklärt der Theologe. Ein Beispiel sei die Frauen-Initiative „Women wage peace“, in der sich mittlerweile rund 50.000 Frauen zusammengeschlossen haben: Jüdinnen, Musliminnen, Jesidinnen und Christinnen, Israelinnen, Araberinnen und Palästinenserinnen, Liberale und Orthodoxe. Was sie eint, ist die große Sehnsucht nach Frieden: „Wir wollen nicht mehr, dass unsere Söhne und Töchter in diesem Konflikt geopfert werden!“ Darum organisieren sie Frauenmärsche und Hungerstreiks, Kulturveranstaltungen und das „Zelt der Mütter“ in der Nähe der Knesset, dem israelischen Parlament, um mit Politikern und Soldaten ins Gespräch zu kommen. So wollen sie die Sehnsucht nach echtem Frieden wach halten in der israelischen Gesellschaft.

Zusammen lernen mit dem „Feind“
Ein anderes Projekt, das die Studiengruppe aus Deutschland besuchen konnte, war die internationale Schule „Givat Haviva“ im Norden Israels zwischen Tel Aviv und Haifa. Hier werden jüdische und arabische Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet und sollen sich dabei auch miteinander und mit ihren unterschiedlichen Perspektiven auf die Situation in Israel auseinandersetzen. Maßmann: „Viele kommen hier das erste Mal mit Vertretern der anderen Sichtweise in Kontakt. Sie müssen dann zunächst mühsam lernen, dass die anderen auch Menschen sind, deren Perspektive sie zunächst einmal stehen lassen und aushalten sollen. Und dann kommt man ins Gespräch, versucht zu verstehen, wie der andere so geworden ist, und versucht vielleicht Brücken zueinander zu bauen. Givat Haviva ist so ein Paradebeispiel für interkulturelles Lernen.“

Auch andere Sicht aushalten
An diesen Erfahrungen will Maßmann auch in Solingen anknüpfen: „Mir ist einmal mehr deutlich geworden, dass Begegnung das A und O ist.“ Dazu brauche es eine Haltung, die die eigene Position nicht versteckt, sondern klar zu Sprache bringt. Die aber in der Lage sei, auch andere Perspektiven auszuhalten und vielleicht sogar gelten zu lassen. „Eine rote Linie sollte es nur da geben, wo Menschen den Rahmen unseres Grundgesetzes verlassen“, betont Jens Maßmann. „Ansonsten muss der Dialog möglich bleiben.“ Das nehme er auch als Auftrag für seine Arbeit als Religionslehrer am Berufskolleg mit: „Ich möchte meine Schülerinnen und Schüler dafür gewinnen, dass es auf eine komplexe Fragestellung oder einen Konflikt niemals nur eine Sichtweise gibt.“ Das gilt für ihn selbstverständlich auch für die Frage der Religion: Darum bleiben multireligiöse Exkursionen zu Kirchen, Moscheen und Synagogen auch zukünftig genauso Teil seines Unterrichts wie Projekte, in denen die Schülerinnen und Schüler miteinander über ihre unterschiedlichen religiösen Prägungen tolerant ins Gespräch kommen können.

 

11.07.2019



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