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für den 18.02.2020

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Service

Kanzelabkündigung von Superintendentin Dr. Ilka Werner zum 26. Januar 2020

"Für unsere jüdischen Geschwister Partei ergreifen"

Zur Solidarität mit Menschen jüdischen Glaubens ruft Superintendentin Dr. Ilka Werner auf. Sie erinnert sie an ein kirchliches Grundsatzpapier vor 40 Jahren, das bis heute einen Meilenstein auf dem Weg der Abkehr vom christlichen Antijudaismus bildet.

Superintendentin Dr. Ilka Werner Superintendentin Dr. Ilka Werner

In der Kanzelabkündigung, die am kommenden Sonntag in den Gemeinden des Kirchenkreises verlesen werden soll, erklärt die Theologin, es sei notwendig, „dass wir alle den wieder alltäglich gewordenen antisemitischen Redensarten, Beleidigungen und Gedankenlosigkeiten entgegentreten“. Grundlage dieser Verpflichtung sei eine theologische Erkenntnis, der sich die ganze Evangelische Kirche verpflichtet fühle: „Der Jesus, an den wir glauben, war und ist Jude. Darum kann niemand in der Kirche es hinnehmen, wenn jüdische Menschen diskriminiert werden“, so Werner.

40 Jahre Synodalbeschluss
Die Theologin, die auch Vorsitzende des Theologischen Ausschusses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) ist, erinnert in ihrer Kanzelabkündigung noch einmal an die Erklärung „zur Erneuerung des Verhältnisses zwischen Christen und Juden“, die das höchste Leitungsorgan der rheinischen Kirche, die Landessynode, vor genau 40 Jahren beschlossen hatte. Damals, am 11. Januar 1980, hatte die rheinische Synode unter anderem festgestellt: „Wir bekennen uns zu Jesus Christus, dem Juden, der als Messias Israels der Retter der Welt ist und die Völker der Welt mit dem Volk Gottes verbindet.“

Wegweisende Erklärung
Diese Erklärung, so Werner in ihrer Kanzelabkündigung, sei wegweisend geworden für eine veränderte theologische Sicht der Evangelischen Kirche auf das Judentum. Dazu gehöre auch die Einsicht, „dass Christen und Christinnen rassistischem Antisemitismus klar zu widersprechen haben“.

Gegen den Ungeist des Antisemitismus
Superintendentin Dr. Werner erinnert in ihrer Kanzelabkündigung auch an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, die sich am kommenden Montag zum 75. Mal jährt. Im Vorfeld sei „die Kirche zu wenig und zu leise für die Jüdinnen und Juden eingetreten“. Sie ruft die Gläubigen in Solingen auf, aktuell erkennbarer dem Ungeist des Antisemitismus‘ zu widersprechen: „Lasst uns heute laut und deutlich für unsere jüdischen Geschwister Partei ergreifen!“

INFO
Zum christlichen Antijudaismus gehörte jahrhundertelang die Vorstellung, Gott habe seine Treue vom jüdischen Volk fortgenommen und stattdessen auf die Kirche übertragen. In Konsequenz dieser Vorstellung betrieben die christlichen Kirchen auch unter jüdischen Menschen Mission mit dem Ziel, sie zum christlichen Glauben zu bekehren. Die Evangelische Kirche im Rheinland hatte 1980 formuliert, durch ihre jahrhundertelange antijüdische Theologie habe sich die Kirche auch mitschuldig am Holocaust gemacht. Als erste deutsche Landeskirche stellt sie dagegen die christliche Missionierung jüdischer Menschen infrage. Stattdessen müsse es zu einem vertieften gegenseitigen Verständnis zwischen christlichen und jüdischen Gläubigen kommen. 1996 hat diese erneuerte theologische Einsicht auch in der Kirchenordnung, der Verfassung der EKiR, Niederschlag gefunden: „Die Evangelische Kirche im Rheinland bezeugt die Treue Gottes, der an der Erwählung seines Volkes Israel festhält. Mit Israel hofft sie auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.“
Die Kanzelabkündigung im vollen Wortlaut:

Kanzelabkündigung zum 3. Sonntag nach Epiphanias (26. Januar 2020)

„Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich“   (Römer 11, 18b)

Liebe Gemeinden in Solingen, liebe Schwestern und Brüder!

Vor vierzig Jahren, am 11. Januar 1980, hat die Synode unserer Evangelischen Kirche im Rheinland einen Beschluss zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden gefasst. „Wir bekennen uns zu Jesus Christus, dem Juden, der als Messias Israels der Retter der Welt ist und die Völker der Welt mit dem Volk Gottes verbindet“, heißt es da, und dieser Satz wurde wegweisend für eine wesentlich veränderte christliche Theologie. Dazu gehört die Erkenntnis, dass die Kirche zu dem biblischen Israel hinzuerwählt ist und es nicht etwa ersetzt. Diese Einsicht macht deutlich, dass christlicher Antijudaismus falsch ist und dass Christen und Christinnen rassistischem Antisemitismus klar zu widersprechen haben.

Einige Jahre nach dem Synodalbeschluss fanden seine Erkenntnisse Eingang in die Kirchenordnung unserer Kirche. Da heißt es nun in den Grundartikeln: „Die Evangelische Kirche im Rheinland bezeugt die Treue Gottes, der an der Erwählung seines Volkes Israel festhält. Mit Israel hofft sie auf einen neuen Himmel und eine neue Erde“.

In diesem Jahr und angesichts eines immer unverschämter auftretenden und immer gefährlicher werdenden Antisemitismus‘ hat die Landessynode am 15. Januar 2020 an den Beschluss von 1980 erinnert und ein bekräftigendes, vertiefendes und aktualisierendes Wiederaufgreifen als dringend notwendig beschlossen und in Auftrag gegeben. Es geht dabei aber um mehr als wissenschaftliche Arbeit und kirchenleitende Appelle. Es geht dabei auch darum, dass wir alle den wieder alltäglich gewordenen antisemitischen Redensarten, Beleidigungen und Gedankenlosigkeiten entgegentreten, weil wir wissen: Der Jesus, an den wir glauben, war und ist Jude. Darum kann niemand in der Kirche es hinnehmen, wenn jüdische Menschen diskriminiert werden.
Morgen, am 27. Januar, jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz zum 75. Mal. Aber der Ungeist, der zu seiner Errichtung führte, ist nicht verschwunden. Damals ist die Kirche zu wenig und zu leise für die Juden und Jüdinnen eingetreten. Lasst uns heute laut und deutlich für unsere jüdischen Geschwister Partei ergreifen!

Danke und Gott befohlen,

Ihre
Ilka Werner

 

22.01.2020



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