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für den 27.09.2021

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Gedanken zum Reformationstag 2020

"Raus aus der Zwangsjacke der Angst!"

Habt keine Angst! So lautet auch im Corona-Jahr 2020 eine wichtige Botschaft des Reformationstages. Wir sollten uns aber Sorgen machen, meint Pfarrer Thomas Förster. Warum das kein Widerspruch ist, erklärt er in seinen Gedanken zum Reformationstag.

Pressepfarrer Thomas Förster Pressepfarrer Thomas Förster

Wir müssen uns Sorgen machen! Wenn wir auf die Entwicklung der Corona-Pandemie weltweit, in unserem Land und in unserer Stadt blicken, dann müssen wir uns Sorgen machen. Noch scheinen die Gefahren der Pandemie vor allem darin zu liegen, dass wir nicht in Urlaub fahren können, eine große Feier absagen müssen oder weniger Freunde treffen. Aber die Fachleute mahnen uns, die Pandemie nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Und wenn wir uns in anderen Ländern umblicken, dann hat die Krankheit schon viele Menschenleben gekostet. Mehr als 1 Million Menschen sollen weltweit bereits mit Covid19 gestorben sein. Wir müssen uns Sorgen machen!

Habt keine Angst! Wenn wir bald unseren Reformationstag feiern, dann könnte das eine wichtige Botschaft sein: Habt keine Angst! Denn die Reformation Martin Luthers war in besonderer Weise auch eine Bewegung gegen die Angst. Denn die Mächtigen seiner Zeit, auch und gerade die damalige katholische Kirche, hatten die Angst der Menschen geschürt. Angst vor dem Fegefeuer. Angst vor den ewigen Konsequenzen der eigenen Fehler. Angst vor Gott. Angst vor Gottes ewigen Strafen. Die Zeit Luthers war von einem gesellschaftlichen Klima der Angst geprägt, das die Menschen gefangen hielt. Ablassbriefe versprachen Befreiung von den Höllenstrafen. Mit Geld sollte man sich freikaufen: „Wenn der Taler im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“ So lautete ein Werbeslogan der damaligen Zeit. Befreiung von der Angst kostete Geld. Auch Martin Luther hatte diese Angst, diese Knechtschaft, viele Jahre lang am eigenen Leib erlebt und erlitten.
Bis er in der Bibel seinen Weg in die Freiheit entdeckte. Bis er entdeckte, dass es genau andersherum ist, als er bislang gedacht hatte. Nicht der Mensch muss alles einsetzen, um sich vom Zorn Gottes befreien zu können. Sondern Gott hat alles eingesetzt, um die Menschen von der zerstörerischen Macht der Angst zu befreien. In Jesus Christus hat er sich selber eingesetzt, um uns frei zu machen von der Angst.

Entdeckt hat Martin Luther das in der Bibel beim Apostel Paulus. Im fünften Kapitel des Galaterbriefs bringt Paulus das besonders schön auf den Punkt: „Zur Freiheit hat Christus uns befreit! Bleibt daher standhaft und lasst euch nicht wieder unter das Joch der Sklaverei zwingen!“ Das Joch der Sklaverei – damit meint Paulus die Zwangsjacke der Angst. Habt keine Angst! – lautet eine Botschaft der Reformation. Sondern vertraut darauf, dass Gott alles für Euch getan hat, weil er bedingungslos auf eurer Seite steht!

Heute leben wir in anderen Zeiten als Martin Luther und die Menschen der Reformation. Die wenigsten von uns fühlen sich eingezwängt in die Angst vor Höllenstrafen. Aber es gibt andere Ängste. Viele sind heutzutage von der Angst geleitet, selber zu kurz zu kommen. Für andere gehört dazu gegenwärtig vielleicht eine übertriebene Angst vor den Folgen dieser Pandemie. Freiheit vor diesen beiden aktuellen Facetten der Angst könnte doch bedeuten, sinnvolle Regeln gerade ernst zu nehmen! Solche Freiheit ist die Freiheit, Rücksicht zu nehmen auf andere. Befreiung von der Angst bedeutet in diesen Zeiten eben nicht, sorglos zu leben. Sondern sich gerade zu sorgen - nicht nur um sich selbst, sondern auch um andere. Besonders um die, die auf die Sorge und Solidarität der anderen angewiesen sind. Die alten Menschen zum Beispiel, bei denen in der Gruppe der über 85-Jährigen jede dritte Infektion sterblich sein dürfte. Oder die anders Erkrankten, die bei einer ungebremsten Zunahme von Covid19-Infektionen keine ausreichende Versorgung in den dann überlasteten Kliniken mehr erhielten. Aber auch die Gastronomen und kleinen Unternehmen, die bei einem ungebremsten Infektionsgeschehen, bei einem zweiten Herunterfahren des öffentlichen Lebens, erneut besonders Leidtragende wären. Es geht ja bei der Einhaltung der aktuell diskutierten Regeln nicht um abstrakte Vorschriften, sondern um den konkreten Schutz für konkrete gefährdete Menschen aus Fleisch und Blut und deren Existenz. Jesus Christus hat uns nicht nur von der Zwangsjacke unserer Ängste befreit. Er hat uns gleichzeitig dazu befreit, Verantwortung auch für unsere Mitmenschen zu übernehmen.

Martin Luther hat das in seiner berühmten Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, die in diesem Jahr genau 500 Jahre alt geworden ist, so formuliert: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Vor Gott sind die persönliche Freiheit und die Verantwortung für meine Mitmenschen zwei Seiten ein- und derselben Medaille.

Darum gilt in diesem Jahr der Pandemie beides: Habt keine Angst! Und: Wir müssen uns Sorgen machen!
Habt keine Angst, denn auch, wenn wir ihn manchmal nicht verstehen können: Gott bleibt auch in diesen dunklen Zeiten auf unserer Seite. Wieso sollte er, der alles für uns eingesetzt hat, uns jetzt einfach im Stich lassen?
Und trotzdem sollen wir uns Sorgen machen – nämlich um unsere Mitmenschen und um uns selbst. Und uns entsprechend in unserem Alltag verhalten. Nicht mit blinder Angst! Vielmehr in angemessener Sorge - gerade mit Blick auf unsere Mitmenschen!

 

22.10.2020



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