Losung

für den 23.08.2019

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1.Chronik 29,11

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20 Jahre Solinger Brandanschlag

„Erinnerung prägt viele auch heute noch“

Solingen vor 20 Jahren: Jugendliche zünden das Haus der türkischen Familie Genc an. Fünf Tote und ein zerstörtes Haus erschüttern die Republik. Ein ekir.de-Gespäch mit der Solinger Superintendentin Dr. Ilka Werner.

Erinnern Sie sich an den Tag, als in Solingen das Haus der Familie Genc brannte?

Ich habe im Fernsehen davon erfahren. An die Bilder erinnere ich mich gut. Damals habe ich in Hünxe gelebt, wo es im Herbst 1991 einen Anschlag auf ein Wohnheim für Asylbewerber gab, bei dem zwei kleine Mädchen furchtbar verletzt worden sind. Das hat die Kirchengemeinde, in der ich Vikarin war, sehr erschüttert. Mein Mentor und seine Kollegin haben sich sehr um die Familie gekümmert, aber auch intensives und selbstkritisches Nachdenken in der Gemeinde angestoßen. Mich hat das sehr sensibilisiert für jede Art von Hass auf Menschen, die anders sind, vor allem auch für gedankenlose Alltagsdiskriminierung.

Sie wohnen erst seit wenigen Monaten in der Stadt Solingen. Begegnet Ihnen jenseits von Gedenkfeiern der Brandanschlag noch heute in Solingen?

In diesem Jahr wird wegen des runden Jahrestages natürlich viel über den Brandanschlag geredet. Aber ich denke, dass diese Erinnerung auch unabhängig von Gedenkfeiern sehr gegenwärtig ist und das Engagement vieler Menschen auch heute noch prägt und motiviert.

Es gibt ein großes und intensives ökumenisches Miteinander gegen Fremdenfeindlichkeit in Solingen. Ist das womöglich auch eine Folge des Brandanschlags?

Ich denke, ja. Zwar gab es zum Beispiel den christlich-muslimischen Gesprächskreis schon vorher. Aber wie wichtig diese Arbeit ist und wie wichtig es ist, dass alle, die sich engagieren, zusammenstehen, ist durch die Erfahrung des Brandanschlags auf jeden Fall deutlicher geworden.

Netzwerke wie das ,Bündnis für Toleranz und Zivilcourage´ und ,Bunt statt Braun´ sind jedenfalls sicher in diesem Zusammenhang zu sehen. Da, wo so etwas Schreckliches geschehen konnte, kann man sich eben nicht mehr gemütlich zurücklehnen und denken, dass das nur ganz weit weg passieren kann – darum kriegen hier viele schneller ,den Hintern hoch´ als anderswo...

Schlägt sich der Brandanschlag und das Entsetzen darüber heute noch in der Arbeit des Kirchenkreises nieder und wenn ja, wie?

Ja, die Erinnerung ist im Kirchenkreis lebendig – vor allem auch darin, dass eine gewisse naive Unschuld oder eine Neigung zur Verharmlosung rechter Parolen nicht aufkommt. Die Gemeinden sind wachsam. Ich finde das sehr gut!

So hat die Kreissynode im letzten Frühjahr, als hier in Solingen bei einer Demonstration von Pro NRW in Sichtweite einer Moschee Mohammed-Karikaturen gezeigt wurden und es daraufhin zu Tumulten mit Salafisten kam, ein Wort für ,Toleranz und Respekt´ verabschiedet. Darin hat sich die Synode gegen jeden politischen und religiösen Extremismus gewendet und ihm das Recht abgesprochen, sich auf christliche Werte zu berufen. Unsere Wachsamkeit führt aber nicht zu allgemeinem Misstrauen, sondern geht mit großer Offenheit gegenüber anderen einher.

Welche konkreten Projekte fallen Ihnen ein?

Es gibt viele konkrete Aktionen gegen Diskriminierung aufgrund von Nationalität, Religion oder Armut – denn die soziale Problematik hängt mit dem Umgang mit ,Anderen´ eng zusammen. Wir haben beispielsweise das Schulprojekt ,interreligiöse Standrundfahrt´, bei dem eine Kirche, eine Synagoge und eine Moschee besucht werden, eine gemeinsame Jugendleiterschulung für muslimische und christliche Jugendliche und ,Stifte stiften´, eine Unterstützungsaktion für Schülerinnen und Schüler.

Am 29. Mai findet eine offizielle Gedenkfeier statt, an der unter anderem Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, sprechen wird. Was erhoffen Sie sich von dieser Gedenkfeier?

Es ist so eine Sache mit Gedenkfeiern, denn oft sind die da, die sowieso schon daran denken, und die nicht, die nachdenklicher werden sollten. Meine Hoffnung ist es, dass durch die vielen Aktionen gerade in diesem Jahr die Generation der jungen Leute, die den Brandanschlag als kleine Kinder oder gar nicht miterlebt haben, mit hineinwächst in die Wachsamkeit gegen Diskriminierungen jeder Art, in die Offenheit für die, die anders sind als man selbst. Wenn die Feierlichkeiten helfen könnten, Gemeinsinn und Zivilcourage selbstverständlich werden zu lassen, wäre das eine richtig gute Sache!

Das Interview führte Petra Anna Siebert für ekir.de.

Dr. Ilka Werner, Superintendentin des Kirchenkreises Solingen Dr. Ilka Werner, Superintendentin des Kirchenkreises Solingen

 

26.05.2013



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