Losung

für den 29.05.2022

Salomo sprach: 

Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?

1.Könige 8,27

Gottesdienste

In den evangelischen Gemeinden Solingens finden an jedem Sonntagmorgen zahlreiche Gottesdienste statt. Welcher Gottesdienst wann in welcher Kirche beginnt, finden Sie in dieser Übersicht:

mehr
KIRCHENMORGEN
KIRCHENMORGEN

Pfingstwerkstatt vom 3. bis zum 5. Juni 2022 in Solingen. Für die Kirche von morgen. Mit Menschen aus dem ganzen Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland.

mehr
Newsletter

Sie möchten regelmäßig mit Informationen und Meinungen aus der Evangelischen Kirche in Solingen versorgt werden? Hier können Sie unseren 14-tägigen Newsletter abonnieren.

mehr
Kontakt

Möchten Sie wissen, zu welcher Gemeinde Sie gehören? Wer als Pfarrerin oder Pfarrer für Sie zuständig ist? Dann schicken Sie uns doch einfach eine Nachricht.

mehr
Diakonie
Diakonie

Konkrete Beratung, praktische Hilfe und menschliche Zuwendung - mit diesem Angebot setzt sich das Diakonische Werk des Kirchenkreises für die Menschen der Stadt Solingen ein.

mehr
Gemeinden
Gemeinden mehr
Service

Ansprache von Superintendentin Dr. Ilka Werner im Eröffnungsgottesdienst zur 5. Solinger Nacht der Kirchen

„Gott bleibt voller Hoffnung“

Die Hoffnung, uns mit eigenen Möglichkeiten zu retten, wirke angesichts der Krisen in der Welt immer verzweifelter, findet Ilka Werner. Sie empfiehlt stattdessen, innezuhalten und auf die Hoffnung zu warten, dass Gott auch in Zukunft Neues schafft.

Superintendentin Dr. Ilka Werner beim Eröffnungsgottesdienst Superintendentin Dr. Ilka Werner beim Eröffnungsgottesdienst

Hoffnung

„Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein“
(Jesaja 30, 15b)

 

Gott schuf die Welt und war voller Hoffnung,
so denke ich mir,
voller Hoffnung auf das,
was sich da entwickeln würde auf diesem Planeten,
mit diesen Geschöpfen, diesen Menschen.

Gott schuf und war voller Hoffnung,
und auch seine Menschen, die hoffen,
sie können nicht ohne Hoffnung sein, sie sagen
sogar manchmal
die Hoffnung stirbt zuletzt –
das allerdings habe ich nie ganz verstanden,
denn wenn die Hoffnung am Ende doch stirbt,
was soll das dann?

Gott schuf und war voller Hoffnung,
mögliche Zukünfte der Welt und der Menschen entstanden
vor Gottes innerem Auge,
wenn man denn sagen kann, dass Gott so etwas hat,
ein inneres Auge
aber Menschen haben es, und vor ihren inneren Augen entstehen
mögliche Zukünfte aus Phantasie und Bildung.

Als ich mit zwölf in der Schule Französisch lernte
- „Voila la famille Leroc“ -,
da sah mein inneres Auge Paris, ein Baguette und den Eiffelturm.

Und als ich mit 26 Examen machte
im Landeskirchenamt
da dachte ich nicht an Kirchenaustrittszahlen und all das, was dann kam,
da hörte ich die Posaunen am Ostermorgen
zwischen den Gräbern
und wollte so predigen können,
dass aus den Worten ein Bild der Auferstehung entstünde
ein Bild, das die Hoffnung wahr machte.

Ja, so war das.

Hoffnung gehört zum Menschsein, heißt es,
aber sie hat sich verändert mit den Jahren,
es ist, als glaubte sie sich das Hoffen selbst nicht mehr.
Zu oft haben wir das Schlimmste verhindern wollen
und das kleinere Übel wählen müssen,
als dass die möglichen Zukünfte noch glänzend leuchten könnten.
Zu oft sind Schulen in Schutt und Asche gelegt und
Menschenrechte und Freiheit als Geiseln genommen worden,
als dass die möglichen Zukünfte noch verlockend nah erschienen.

Der Lack ist ab, von der Hoffnung, die vielleicht doch stirbt am Ende,
oder?

Derweil bleibt Gott voller Hoffnung und schafft weiter,
und sein Schaffen wird immer mehr zum Wegschaffen des Mülls,
den wir so hinterlassen,
aber auch dazu ist Gott sich nicht zu schade.
Gott ist immer noch voller Hoffnung.

Aber unsere Hoffnung trägt mehr und mehr verzweifelte Züge,
sie verzweifelt an sich selbst und fürchtet,
dass da keine Rettung ist und dass die Zeit nicht mehr reicht
dass die Zeit nicht mehr reicht für eine Umkehr oder für Gottes Kommen,
wenn das überhaupt noch eine mögliche Zukunft ist
vor unseren inneren Augen.

Die Hoffnung der Welt verzweifelt,
und fürchtet, sie wäre vergeblich,
und rennt gegen die Vergeblichkeit an
und sorgt sich und eilt sich und will
ganz allein die ganze Welt retten,
jetzt, sofort, am besten gestern, schließlich ist keine Zeit mehr,
sie will ganz allein die ganze Welt retten,
um endlich zu wissen, ob es passieren wird und mit eigenen Augen zu sehen,
dass der Eiffelturm bleibt und das Landeskirchenamt.

Das mit den Posaunen und sichtbar offenen Gräbern, das hat sie sich schon abgeschminkt,
die verzweifelte Hoffnung,
das ist doch nur ein Symbol, oder nicht?

Gott aber hofft und schafft aus Nichts und auch aus Flut und Schlamm und Zerstörung.

Und wenn jemand einmal innehielte und sich hinsetzte
und still würde,
und wenn jemand einmal innehielte und still würde
und sich hinsetzte,
dann würde er oder sie sich fragen,
wie das zusammenkommen kann,
unser atemloses verzweifeltes Hoffen und Tun und Weltretten
und das geduldige Hoffen Gottes auf uns.

Und wer sich hinsetzte, würde nicht wissen, was hoffen,
dass Gott die Geduld verliert oder
dass Gott die Geduld nicht verliert.
Dass Gott die Geduld verliert und zornig hineinfährt in unsere Zeit oder
dass Gott die Geduld nicht verliert und uns Zeit stundet um noch das Unsere zu tun.

Und wer das aushielte,
nicht zu wissen, was hoffen
der oder die würde vielleicht ganz unversehens
mögliche Zukünfte sehen
in denen Eiffelturm und Landeskirchenamt
keine Rolle mehr spielten
sondern nur Gott, der nicht aufhört zu hoffen und zu schaffen
und von möglichen Zukünften weiß,
von denen wir uns längst nicht mehr träumen lassen.

Wer sich hinsetzte und innehielte und stille würde.
Der oder die würde erkennen:
Es kommt nicht zusammen, unser eiliges verzweifeltes Hoffen und Gottes Hoffen auf uns.
Es kommt nicht zusammen.

Gott führt es zusammen.
Und dann richtet sich das atemlose Hoffen, das die Welt selber retten möchte, nicht mehr
auf „etwas“, sondern auf ihn. Oder sie.
Auf Gott jedenfalls.
Dann verliert unser Hoffen die Eile, die Atemlosigkeit und die Verzweiflung.
Und sieht vor dem inneren Auge die gewiss mögliche Zukunft
der offenen Gräber und hört die Posaunen.

Und wer sich hinsetzte und stille würde,
den oder die machte dieses Hoffen stark.

Amen.

Superintendentin Dr. Ilka Werner am 1. Oktober 2021 im Eröffnungsgottesdienst zur
5. Solinger Nacht der Kirchen

 

07.10.2021



© 2021, Evangelische Kirche in Solingen
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung