Losung

für den 20.10.2020

Freu dich, wenn du einen Glückstag hast. Und wenn du einen Unglückstag hast, dann denke daran: Gott schickt dir beide, und du weißt nicht, was als Nächstes kommt.

Prediger 7,14

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Service

Diakoniegeschäftsführerin Ulrike Kilp

Gottes Gnade ist in den Schwachen mächtig!

„Diakonie in Solingen“ lautete das Hauptthema der Herbstsynode. Der KSV hat die neue Geschäftsführerin Ulrike Kilp zu diesem Anlass gebeten, ihre Eindrücke aus den ersten 39 Tagen bei der Diakonie in Solingen zu schildern.

Diakoniegeschäftsführerin Ulrike Kilp Diakoniegeschäftsführerin Ulrike Kilp

Impuls von Diakoniegeschäftsführerin
Ulrike Kilp

Gottes Gnade ist in den Schwachen mächtig!

Hohe Synode, liebe Schwestern und Brüder!

Heute ist mein 39. Tag mit und in der Diakonie Solingen. Ich bin gebeten worden, Ihnen meine ersten Eindrücke zu schildern und vorsichtige eigene Impulse zu geben. Das tue ich sehr gern und danke Ihnen nun für Ihr Ohr.

Tag 1, 8:15 Uhr
Die Superintendentin hat die Mitarbeitenden zur monatlichen Andacht ins Sitzungszimmer in der Kasernenstraße eingeladen. Wir hören Gottes Wort, einen geistlichen Impuls, singen, halten Fürbitte auch für unsere Klienten*innen und lassen uns segnen.

Ich fühle mich hineingenommen in das gemeinsame Einverständnis, dass die Diakonie einen göttlichen Auftrag erfüllt und wir Gottes Beauftragte sind. Das gibt Mut und Kraft für den Tag, die Woche.

Am fortgeschrittenen Abend herrscht Unruhe auf dem oberen Flur. Der Hintergrunddienst spricht sich telefonisch mit zwei Mitarbeiterinnen ab, die einen Kriseneinsatz in einer Familie mit einem Baby haben. Die beiden Frauen werden telefonisch von ihren Teamleitern gestützt, beraten und von der Sorge des Tages entlastet.

Ganz große Klasse, wie selbstverständlich sich hier die Reihen im Hintergrund schließen und kein*e Mitarbeiter*in allein in die Nacht geht. Da wird nicht nur ein ganz hoher fachlicher Standard gewährleistet. Hier wird auch Seelsorge für die Seelsorger geleistet. Ohne Refinanzierung.

Tag 2
Ich erlebe, wie die Trägervertreter*innen im Offenen Ganztag unmissverständlich - aber ohne Erfolg - den zuständigen Vertreter*innen der Stadt Solingen deutliche Missstände in den Schulen vortragen. Desolate Gebäude, zu wenige Räume (was unter anderem zu Mittagessen der Kinder „in drei Schichten“ im Akkord nach einem anstrengenden Schulvormittag führt). Es gibt zu wenige Mitarbeitende, die dennoch alles geben und Zuversicht ausstrahlen. Hiervon konnte ich mich bei einem Besuch im OGS-Team am Kreuzweg in dieser Woche sehr überzeugen.

Dennoch bin ich erschüttert: Wie werden unsere Kinder groß, wenn sie im Eiltempo und in Horden von einer Station zur nächsten Station durch ihren Schulalltag geschleust werden? Wie geht es ihnen, wenn für ihre individuellen Talente und Besonderheiten kein Raum bleibt? Wie geht es ihren Eltern, die selbst von links und rechts überholt werden? Haben sie genügende Ressourcen, um ihre Kinder mit Liebe und in Verantwortung zu erziehen?

Inzwischen konnten wir ernsthafte Abstimmungsgespräche mit der Stadt führen, die uns Hoffnung geben, dass einige Missstände sich bald ein wenig verbessern werden. Wir werden aber nicht lockerlassen, gegenüber der Politik anzumahnen, dass sie für die Bildung und Erziehung unserer nächsten Generationen bessere Rahmenbedingungen schaffen muss. Und um es deutlich zu sagen: die Stadt Solingen ist hier nicht der erste Adressat für Kritik an diesem unterfinanzierten System. Hier ist auch unser Dachverband gegenüber der Landesregierung von NRW gefragt, mit dem wir uns hierzu abstimmen.  

In armen Kommunen sind mitunter auch die Kinder und ihre Eltern arm dran. Die drei Einrichtungen des Offenen Ganztags der Diakonie in Solingen sind verlässliche Lichtblicke für viele Solinger Familien. Wir wissen nicht, ob diese Familien darüber auch die evangelische Kirche wahrnehmen und schätzen.
Ich bin aber überzeugt, dass wir Gottes Gnadenzusage im bewussten Spannungsverhältnis zu unserem öffentlichen Bildungsauftrag dort erleben. Wir sollten - autorisiert durch die Erfahrungen in unseren Einrichtungen – Gottes Gnade in Menschen ohne laute Stimme in Solingen deutlich Gehör verschaffen. Dazu gehört auch, öffentlich zu benennen, wenn Menschen ohnmächtig und schwach gemacht werden. Das ist seit jeher der Auftrag der Diakonie.

Tag 8
Zur monatlich stattfindenden Teamleitungsrunde hat Pfarrer Römelt die Leitungskräfte im DW eingeladen. Im letzten Jahr wurden wichtige Entscheidungen getroffen. Die alte Fachbereichsstruktur I – III wurde zugunsten von kleineren Abteilungseinheiten aufgehoben. Die Dienstbesprechung mit allen Abteilungsleitungen wurde neu eingerichtet. Mit dem fast gleichzeitigen Ruhestand der beiden langjährigen Geschäftsführungen, Herrn Horst Koss und Frau Friedericke Stratmann, soll nur noch eine Person die Geschäftsführung des DW anvertraut werden.

Etwa ein Jahr später sind nun mit der Nachfolgeentscheidung Fakten geschaffen. Es ist ein für mich sehr verantwortungsvolle Aufgabe, den begonnen Veränderungsprozess gemeinsam mit den Verantwortlichen im Kirchenkreis - insbesondere dem Fachausschuss Diakonie unter Leitung von Pfarrer Römelt und Frau Superintendentin Dr. Ilka Werner – zu gestalten. Insbesondere Frau Dr. Werner und Herrn Römelt möchte ich an dieser Stelle danken: sie haben in dieser Übergangszeit das Diakonische Werk sehr eng begleitet und die Ängste und Sorgen vor der unklaren Zukunft mitgetragen.

Für den weiteren Prozess ist die Perspektive der Mitarbeitenden - insbesondere auch der Abteilungsleitungen - wichtig. Sie alle sind hochidentifiziert mit ihrer Aufgabe. Nur mit ihnen gemeinsam wird die neu angelegte Struktur des DW ausgebaut werden können. Genauso wichtig ist mir die Zusammenarbeit mit der Mitarbeitendenvertretung. Wir arbeiten gerade an verschiedenen gemeinsamen Projekten, damit unsere Mitarbeitenden gern bei uns mitmachen und sie möglichst lange bleiben. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich.

Dass unser Diakonisches Werk so gut aufgestellt ist, verdanken wir, verdanke ich, meinen beiden Vorgängern. Sie haben es geschickt ausgebaut und gesund heranwachsen lassen. An anderer Stelle wird hierzu aber sicherlich noch etwas gesagt werden. Mir ist sehr bewusst, dass ich ein wirkmächtiges und zugleich verletzliches Erbe von meinen Vorgängern antrete. Daher bitte ich Sie, liebe Synodale, um Ihr wohlwollendes Verständnis, dass wir uns besonders im nächsten Jahr mit unserer eigenen Zukunft beschäftigen werden. Seien Sie sich gewiss, dass wir uns dabei immer als Glied des einen Körpers der Evangelischen Kirche, des Kirchenkreises mit seinen Gemeinden, verstehen.

Tag 11
Pressetermin in der Kita Parkstraße in Ohligs. Die Rotarier und Kita-Eltern gestalten den parkähnlichen Garten neu für einen Wasserspielplatz. Da darf ein kleiner Apfelbaum nicht fehlen, den ich sehr gern als Geschenk des DW mitbringe und vor Ort direkt eingepflanzt wird. Das Solinger Tageblatt schießt ein Foto von fröhlichen Männern, die gemeinsam buddeln, essen, trinken und für die nächste Kindergenerationen ganz viel Spielspaß schaffen. Die Kita-Leiterin nimmt mich mit auf eine Führung durch ihre Kita. Sie lebt offenbar für ihre Kinder, eine engagierte Presbyterin begleitet uns. Es liegt viel Geschichte in ihren Erzählungen. Zugleich ist alles auf Zukunft angelegt.

Es ist ein gutes Jahr her, dass offiziell die Trägerschaft von zwölf gemeindlichen Kitas auf das DW übergegangen ist. Zwei Kitas führte das DW bereits vorher. Insgesamt sind es also 14 Kitas. Ich stelle mir vor, dass diese Veränderung mindestens so anstrengend gewesen sein muss wie eine „mehrfache Mehrlingsgeburt“. Da ist sehr, sehr viel geleistet und ermöglicht worden. Ich bin sehr beeindruckt, wie die Früchte bereits geerntet werden können. In der Leiterinnenrunde der Kitas konnte ich z. B. erfahren, wie wichtig der fachliche als auch der organisatorische Austausch sind.

Vertretungslösungen in akuten Notsituationen werden fast täglich neu zwischen verschiedenen Kitas und dem Kita-Team im DW gefunden. Da helfen dann Mitarbeitende der einen Kita in der anderen stunden- oder tagesweise aus.

Aber es stehen weiter große Aufgaben an. Im nächsten Jahr treffen drei neue grundlegende Gesetze auf die Praxis der Kitas. Wir sind damit beschäftigt, unser Kita-Team mit verschiedenen kleinen Maßnahmen zu stützen, dass die notwendigen Veränderungen geschafft werden können.

Es treibt uns jedoch sehr ernsthaft die Sorge um, wie es uns gemeinsam gelingen kann, in und durch Kitas Kinder und ihre Eltern als nächste Generation für die evangelische Kirche anzusprechen und zu binden. Religionspädagogische Angebote sollten selbstverständlich auch in Zukunft zu unserem Profil gehören und mitten im Kita-Leben ihren Platz haben. In unseren Kitas können wir gerade auch die Menschen erreichen, die uns als Kirche eher nicht mehr wahrnehmen.

Uns allen ist klar, dass die Last des Trägeranteils die Gemeinden teilweise vor eine kaum zu tragende Gewissensentscheidung stellt, die z. B. so lautet: „Müssen wir nicht aus dem Bestand ein Filet-Grundstück und/oder Gebäude, wo die Kita betrieben wird, verkaufen, um unsere weiteren Verbindlichkeiten tragen zu können?“

Wir wollen daher gemeinsam mit der Stadt Solingen und Ihnen alles daran setzen, Modelle zu finden, damit wir möglichst viele Kitas erhalten können. Eindringlich möchte ich Sie bitten, in Ihren Planungen zu berücksichtigen, dass die fiskalischen Verbesserungen eines auskömmlicheren KIBiZ erst Ende 2021/ Anfang 2022 sichtbar werden. Ich vermute, dass dennoch manche die Höhe des Trägeranteils nicht mehr werden schultern können. Sie werden nach reiflichen Beratungen Prioritäten für Ihre Gemeinden setzen und mitunter schmerzliche Entscheidungen treffen. Ich möchte Sie dennoch bitten, dass wir gemeinsam und konkret vor Ort nach Lösungen für unsere Kita(s) suchen.

Meine Redezeit ist längst um. Es könnte noch viel mehr gesagt werden über die letzten 39 Tage und dieses wunderbare Diakonische Werk. Dann kämen wir nur nicht mehr zum Beraten.

Daher nur kurz zum Ende ein persönliches Wort:
Ich bin beeindruckt von der Offenheit, Beherztheit und Ehrlichkeit der Menschen, denen ich bisher begegnet bin und möchte mich für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, bedanken. Ich weiß das sehr zu schätzen.

 

11.11.2019



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