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für den 02.06.2020

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1.Samuel 2,1

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Gedanken zu Christi Himmelfahrt

Himmelfahrt mit Hammer und Tanz

"Hammer und Tanz" heißt die Strategie, mit der Epidemiologen versuchen, die Corona-Krise im Griff zu behalten. Pressepfarrer Thomas Förster erkennt darin auch die Strategie Gottes, in der Christi Himmelfahrt eine besondere Bedeutung hat.

"Gott wird für uns zum Hammer und fordert uns zum Tanz": Pressepfarrer Thomas Förster "Gott wird für uns zum Hammer und fordert uns zum Tanz": Pressepfarrer Thomas Förster

Die biblische Apostelgeschichte berichtet gleich am Anfang davon, wie der auferstandene Jesus nach dem Ostermorgen 40 Tage lang immer wieder seinen Freundinnen und Freunden im Gespräch war. Sie waren nach den Ereignissen um Karfreitag und Ostermontag zutiefst erschüttert gewesen. Alle Gewissheiten waren für sie ins Rutschen geraten. Sogar die Grenze zwischen Leben und Tod war plötzlich offen: Jesus war von den Toten zurückgekehrt. Und dass sie daraufhin jede Menge Stabilisierung, Einordnung, Orientierung brauchten, kann ich mir gut vorstellen.

Ich kann mir aber auch gut vorstellen, wie gut Jesus, dem auferstandenen, es gelang, ihnen wieder Sicherheit zu geben. Und tatsächlich berichtet die Apostelgeschichte davon, dass es wohl wieder so etwas Ähnliches gab, wie das Alltagsleben, das sie vor den Ereignissen in Jerusalem gewohnt waren. Sie aßen wieder zusammen wie früher. Sie redeten wieder zusammen wie früher. Und: Sie hatten beinahe wieder die gleichen, auch irrtümlichen, Erwartungen an Jesus. Alles fast wie früher.

Aber es war nicht wie früher! Die neue gemeinsame Zeit nach Ostern war nicht die Rückkehr in die alte Normalität! Bevor sich die Freundinnen und Freunde Jesu wieder ganz in ihrem alten von vor der Krise gewohnten Leben einrichten konnten, geschah, was die Apostelgeschichte so berichtet:

Jesus redete zu ihnen: „Ihr werdet den Heiligen Geist empfangen und durch seine Kraft meine Zeugen sein in Jerusalem und ganz Judäa, in Samarien und überall auf der Erde.« 9 Nachdem er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen in den Himmel emporgehoben. Eine Wolke verhüllte ihn, und sie sahen ihn nicht mehr. 10 Noch während sie wie gebannt zum Himmel schauten und Jesus nachblickten, standen auf einmal zwei weiß gekleidete Männer bei ihnen. 11 »Ihr Galiläer«, sprachen sie die Jünger an, »was steht ihr hier und starrt nach oben? Gott hat Jesus aus eurer Mitte zu sich in den Himmel genommen; aber eines Tages wird er genauso zurückkehren, wie ihr ihn gerade habt gehen sehen.« (Apg 1, 8b-11)

Die Apostelgeschichte berichtet von Christi Himmelfahrt. Dem Ereignis, an das wir uns bald wieder wie in jedem Jahr zehn Tage vor Pfingsten erinnern werden. Ein wichtiges Datum. Eine ganz wichtige Zäsur in der Beziehung zwischen Jesus und den Seinen. Der Beginn einer neuen Normalität. Einer Normalität, die bis heute anhält.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen und Euch geht, aber viele tun sich schwer mit Christi Himmelfahrt. Auf der einen Seite entstehen da kinoreife Bilder im Kopf. Aber was sollen die bedeuten? Was haben die mit unserem Leben zu tun? Inwiefern sollen die mir helfen, als Christin oder als Christ in dieser Welt zu leben?

In diesem Jahr versuche ich das ein bisschen besser zu verstehen mit einem anderen Bild. Ich habe es vor einigen Wochen im Zusammenhang der Corona-Pandemie gehört. Das Bild heißt „Hammer und Tanz“. Mit diesem Bild versuchen die Epidemiologen seit März eine zweiteilige Strategie zu beschreiben, wie wir als Gesellschaft auf die Corona-Gefahr reagieren können, solange es keinen Impfstoff und kaum geeignete Medikamente gibt.

Der erste Teil der Strategie ist der Hammer. Wir haben ihn als Lockdown erlebt und das Ziel war mit möglichst großer Energie die Ansteckungsrate herunter zu fahren. Darum wurden Schulen, Geschäfte und Kirchen geschlossen. Darum wurde der Kontakt zwischen Menschen reglementiert. Darum gibt es vielerorts eine Maskenpflicht.

Und mit den Lockerungen nach Ostern begann der Tanz. Genauer gesagt: der Tanz mit dem Tiger. Mit dem Tiger Corona. Ein Tanz, um wieder möglichst viel Bildung für die Kinder, Wirtschaft für die Unternehmen und ihre Mitarbeitenden, Gottesdienst für die Gläubigen, Kultur für die Menschen, Fußball für die Bundesligavereine zu ermöglichen. Und zwar ohne, dass der Tiger zu viele Opfer, zu viele Menschenleben fordert.

Für diesen Tanz gibt es keine erprobte Schrittfolge, keine eleganten Schwünge und keine eintrainierten Bewegungen. Dieser Tanz mit dem Tiger erinnert mehr an Judo als an Tango. Vorsichtig, tastend, voller Risiken.

In der letzten Woche kam mir der Gedanke, ob dieses „Hammer und Tanz“-Konzept nicht auch auf uns als Christenmenschen passt.

Die Menschen hatten sich von Gott entfernt. Die guten Regeln, die Gott seinen Menschen gegeben hatte, sie hatten jedenfalls nicht dazu geführt, dass sie in Frieden und Gerechtigkeit miteinander und mit ihrer Umwelt lebten. Die Kluft zwischen Gott und Mensch war immer mehr gewachsen.

Und was macht Gott? Er lässt uns Menschen trotz allem unsere Freiheit. Er entscheidet sich zwar für einen Strategiewechsel, aber er legt uns nicht in Ketten, sondern – im Bild gesprochen: Er wird für uns zum Hammer und fordert uns zum Tanz. Das ist Gottes „Hammer und Tanz“- Konzept für uns.

Der Hammer: Gott selbst kommt auf die Erde. In Jesus Christus kommt er selbst zu seinen Menschen, um die Kluft mit aller Macht wieder kleiner zu machen. Darum erzählt Jesus in immer neuen Bildern von der Liebe Gottes. Darum heilt er Kranke und Menschen mit Dämonen. Und darum zeigt er den Menschen, wie groß Gottes Solidarität mit ihnen ist und besonders mit den Opfern der alten Kluft zwischen Gott und Mensch. Darum geht Jesus selber den Weg dieser Opfer mit bis in den Tod. Und darum holt Gott Jesus am Ostermorgen wieder von den Toten, um zu zeigen, dass all das kein zerplatzter Traum war, sondern tatsächlich die neue Normalität Gottes für uns Menschen, in der die Kluft zwischen Gott und uns nicht mehr unüberwindlich ist.

Das war der Hammer. Im Bild gesprochen!

Und dann, 40 Tage nach Ostern, fordert Gott uns zum Tanz – und der dauert bis heute an. Mit der Rückkehr Jesu in den Himmel war die Hammerzeit vorbei. Und seither geht es darum auszutesten, wie das gehen kann, in Gottes neuer Normalität zu leben. Während gleichzeitig die alten Mächte, die unerlöste Welt, immer noch wirksam sind. Es geht darum zwischen den alten Katastrophen, Krankheiten und Erdbeben, den alten Ungerechtigkeiten, den alten Strukturen von Krieg und Gewalt, mittendrin in Gottes neue Zukunft zu tanzen. Die neuen Schrittfolgen auszuprobieren, die Jesus uns hinterlassen hat.

Und wir Christenmenschen erkennen Tag für Tag, wie riskant dieser Tanz ist, wie viele Fehler wir dabei machen. Wie oft wir falsche Entscheidungen treffen, obwohl wir wirklich versucht haben, alles richtig zu machen. Wie gefährlich der Tiger noch ist!

Aber wir erkennen auch immer wieder, dass die Kraft Gottes tatsächlich in Menschen wirkt, sein Heiliger Geist, den Jesus damals versprochen hat, bevor er ging. Dass die neuen Schrittfolgen schon hier und da sitzen und gut funktionieren. Wenn auch – weiß Gott – nicht immer!

Und wir erinnern uns daran, was uns damals versprochen wurde: Dieser Tanz wird ein gutes Ende haben, wenn Jesus eines Tages zurückkehren und uns und unsere Welt ohne Einschränkungen und ein für alle Mal verwandeln wird. In eine Welt ohne Zweideutigkeiten, ohne Katastrophen, ohne tödliche Krankheiten und ohne Gewalt.

Eines Tages wird das so kommen. Aber bis dahin tanzen wir! Viel zu oft stolpern wir dabei über unsere eigenen Füße. Aber wir tanzen weiter! Mit vollem Risiko, aber auch voller Vertrauen, dass die Kraft Gottes uns die nächsten richtigen Schritte schenken und die Folgen der unvermeidbaren Fehltritte mit uns tragen wird. Wir tanzen weiter! Manchmal mit stumpfen Sohlen, manchmal mit wunden Füßen. Wir tanzen weiter! So lange bis irgendwann die Musik verstummt, sich alle Aufmerksamkeit auf die Mitte richtet und wir sehen: Jesus ist zurück!

 

19.05.2020



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