Losung

für den 31.05.2020

Wehe denen, die ein Haus zum andern bringen und einen Acker an den andern rücken, bis kein Raum mehr da ist und ihr allein das Land besitzt!

Jesaja 5,8

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Superintendentin Dr. Ilka Werner zur Jahreslosung 2020

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Viele hätten es gerne klar und eindeutig. Aber das Leben ist oft nicht so. Wie wir das aushalten und trotzdem handeln können, fragt Superintendentin Dr. Ilka Werner in ihren Gedanken zur Jahreslosung.

Superintendentin Dr. Ilka Werner Superintendentin Dr. Ilka Werner

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Markusevangelium 9,24)

Dieser Aufschrei könnte von heute sein, aus unserer Zeit. Weil wir solchen Glauben kennen, dem der Unglaube beigemischt ist. Weil wir solchen Glauben haben, der mit dem Zweifel verwachsen ist. Weil wir, was Glauben angeht, auf wackeligen Beinen stehen. So wie der Mann mit dem kranken Kind. Der zu Jesus kommt, im Schutz und mit der Verstärkung der Menge. Weil er allein nicht weiter weiß, und all die Ärzte und die Priester und alle, die sonst alles wissen, auch nicht. „Wenn du kannst“, sagt er vorsichtig. Vielleicht betont er zweifelnd das „Wenn“, vielleicht hoffend das „du“, jedenfalls, er kommt zu Jesus: „Hilf uns“.

So wie wir zweifelnd-hoffend zum letzten Strohhalm greifen, wenn fast alles schon fehlschlug. Jesus hilft, und die Zweifel weist er zurück: „Wer glaubt, kann alles.“

Da schreit der Mensch auf: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Er steckt fest in der Mitte. Will glauben, und immerzu geht ihm „Ja, aber…“ durch den Kopf. Hält sich für ungläubig, und wird den Gedanken „Und wenn doch?“ nicht los. Gefangen ist er in der Unentschiedenheit, in der Ambivalenz. Die zum Glauben dazugehört. Und die er nicht gut aushält, dieser Mensch.

Kein Schwarz oder Weiß

Die wir überhaupt nicht gut aushalten, wir Menschen. Wir haben lieber Klarheit: Glauben oder Unglauben, Schwarz oder Weiß, richtig oder falsch. Und wir wollen eindeutige Lösungen: ein Medikament, das immer hilft; eine Weltanschauung, die alles einordnet; eine Politik, die alle Probleme im Griff hat. Nur: die Verhältnisse, die sind nicht so. Glaube mischt sich mit Unglauben, weil so viele Fragen wirklich offen bleiben. Statt mit Schwarz oder Weiß haben wir es mit vielen Grautönen zu tun, die sich nicht wegscheuern lassen. Und was richtig ist, was falsch, hängt oft von unterschiedlichen Perspektiven und Herangehensweisen ab. Nicht für alle Befunde gibt es Therapien, nicht für alle Vorkommnisse zureichende Erklärungen, nicht für alle politischen Schwierigkeiten passende Rezepte. Zum Leben gehört die Ambivalenz dazu. Sie löst sich nicht auf.

Wir können ihr ausweichen, indem wir sie leugnen, und künstlich Klarheit schaffen. Weil Glaube immer auch Unglauben enthält, lassen wir es dann ganz und verlassen die Kirche. Weil wir nicht alles richtig machen können, erklären wir alles für falsch. Weil wir nicht alle Probleme und Herausforderungen lösen können, erklären wir alle, die es versuchen, zu Idioten. Das erscheint einfach, und es scheint so, als würden viele in unseren Tagen diesen Weg gehen wollen. Den Weg einfacher Lösungen. Der aber nichts löst: Denn der Ambivalenz entkommen wir nicht, in die Erleichterung der einfachen Klarheit mischt sich Enttäuschung und Frustration über die zerbrochene Hoffnung. Wer den einfachen Ausweg sucht, wendet sich an niemanden um Hilfe mit der ängstlichen Hoffnung, die durchklingt in den Worten des Menschen mit dem kranken Kind: „Wenn du kannst, hilf uns.“

Die Unentschiedenheit aushalten

Wir können es anders machen in diesem Jahr: Die Unentschiedenheit aushalten und die Grautöne unterscheiden lernen. Akzeptieren, dass es verschiedene Perspektiven auf die Wirklichkeit gibt. Ernsthafte Versuche, etwas besser zu machen, anerkennen. Den Zweifel, der im Glauben steckt, annehmen und ungelöste Fragen offen lassen. Es für möglich halten, dass Gott uns helfen kann, und ihn um Hilfe bitten in der Hoffnung, dass er alles kann.

Wir können es machen wie damals der eine und sagen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“. Damit unsere Kinder gesund werden.

 

08.01.2020



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