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für den 13.12.2018

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Empfang zu Beginn des neuen Kirchenjahres

Hans Leyendecker wirbt für Demokratie und Vertrauen

Hans Leyendecker sprach am Freitagabend (30.11.2018) beim Jahresempfang von Kirchenkreis und Diakonie über Vertrauen in unserer Gesellschaft. Der vielfach ausgezeichnete Journalist ist im kommenden Jahr Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags.

"Schönreden hilft nicht weiter!": Kirchentagpräsident Hans Leyendecker hielt einen engagierten Vortrag (alle Fotos: Jörg Schmidt). "Schönreden hilft nicht weiter!": Kirchentagpräsident Hans Leyendecker hielt einen engagierten Vortrag (alle Fotos: Jörg Schmidt).


Für ein tatkräftiges Vertrauen warb am Freitag der Journalist Hans Leyendecker vor den 150 Gästen beim Empfang des Evangelischen Kirchenkreises Solingen und seines Diakonischen Werks zum Beginn des neuen Kirchenjahres. „Vertrauen ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft“, betonte Leyendecker, der auch ehrenamtlicher Präsident des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentags im Juni 2019 in Dortmund ist, „es ist wichtig für unsere Demokratie!“ In einer demokratischen Gesellschaft stelle das Recht die Währung dar, und Vertrauen in Institutionen und Mitmenschen sei der Mörtel, der alles zusammenhalte. Umso besorgniserregender, so der Journalist, sei „die außerordentliche Vertrauenskrise, die wir zu Zeit erleben“. Es gäbe derzeit tiefe Gräben des Misstrauens in Deutschland „zwischen arm und reich, zwischen online und offline, zwischen alt und jung, zwischen denen, für die die Hilfe für Fremde eine Lebensaufgabe ist, und denen, die das für Verrat am eigenen Land halten“.

Viele Menschen hätten außerdem den Eindruck, dass ihnen und ihren Sorgen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt werde und sie mit ihrer Lebenswirklichkeit in Politik, Medien und auch in der Kirche nicht mehr vorkämen. Leyendecker: „Schönreden hilft hier nicht weiter!“ Gerade Christinnen und Christen müssten aber trotz aller Probleme am Vertrauen in der Gesellschaft festhalten, weil sie wüssten, „wo und wann immer wir Vertrauen wagen – wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“. Wichtig sei aber auch, dass Demokraten nun aufgerufen seien zu zeigen, dass sie bessere Lösungen anzubieten hätten als diejenigen, die auf die Demokratie schimpfen. Gerade darum sei das Motto des kommenden Kirchentags „Was für ein Vertrauen“, ein Zitat aus dem biblischen 2. Buch der Könige, nicht naiv, sondern angesichts der Herausforderungen genau das richtige.

 "Kennen diese Leute eigentlich die Bibel?"

Scharf ging Hans Leyendecker mit den aktuellen Erscheinungen des Rechtsextremismus ins Gericht: „Wir erleben zurzeit in Deutschland, dass es einige gibt, denen die Würde jedes Menschen nichts mehr gilt.“ Besonders befremdlich fände er es, wenn Rechtsextreme auf ihren Versammlungen „für das christliche Abendland grölen". Leyendecker: "Kennen diese Leute eigentlich die Bibel?" Hier sei es auch für Christinnen und Christen nötig, sich für Demokratie und Menschenrechte einzusetzen: „Wir dürfen den öffentlichen Raum nicht den Nazis, nicht den Hetzern, nicht den Rassisten überlassen.“ Man dürfe zwar nicht dem Irrtum verfallen, die eigene politische Meinung für die christlich einzig mögliche zu halten. Trotzdem sei es ihm wichtig, sich für ein Deutschland zu engagieren, das Menschen, die fremd sind, nicht ausgrenzt, das sich gegen Geschichtsvergessenheit wehrt und das sich für demokratische Grundsätze einsetzt. „Ich fühle mich dazu von der Bergpredigt Jesu ermutigt“, betonte Leyendecker.

Der Journalist kritisierte aber auch, dass es nicht nur unter deutschen Antisemiten, sondern auch unter geflüchteten Menschen, die in muslimischen Ländern aufgewachsenen sind, unverhohlene Feindschaft gegen Juden gebe. Auch Christinnen und Christen müssten sich für die so Angefeindeten engagieren und deutlich machen: „Wer Juden angreift, greift auch uns an!“

Keine AfD-Funktionäre beim Kirchentag

Leyendecker begründete erneut die Entscheidung des Kirchentags, keine Repräsentanten der Partei AfD zu Diskussionen und Podien auf die Bühne einzuladen. Aber alle Sympathisanten der Partei seien selbstverständlich herzlich eingeladen, dem Kirchentag in Gottesdiensten, Bibelarbeiten und anderen Veranstaltungen beizuwohnen.

Hans Leyendecker gehört zu den bekanntesten investigativen Journalisten Deutschlands. Für den „Spiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“ recherchierte er zahlreiche Affären. Bekannt wurde er durch seine Recherchen um Parteispendenaffären und deutsche Verstrickungen in den Waffenhandel im Nahen Osten. Er ist Mitbegründer der Journalistenvereinigung „Netzwerk Recherche“ und erhielt für seine Arbeiten unter anderem den Gustav-Heinemann-Bürgerpreis, den Erich-Fromm-Preis sowie den Henri-Nannen-Preis. Seit 1975 war Leyendecker auf allen evangelischen Kirchentag, zunächst als Teilnehmer und später als Redner bei Bibelarbeiten, Vorträgen und Podiumsdiskussionen.

Das Kirchenjahr beginnt in der Evangelischen Kirche traditionell mit dem 1. Advent. Mit dem Jahresempfang möchte die Evangelische Kirche in Solingen das Gespräch mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft in der Klingenstadt verstärken.

Begrüßte die Gäste mit einer geistlichen Einstimmung: Superintendentin Dr. Ilka Werner.

Begeisterte die Gäste mit ihrer Musik: das Holzbläserquintett der Musikschule Solingen.

Hans Leyendecker lud zum Kirchentag nach Dortmund ein.

Erhielten für das Essen und den aufmerksamen Service Rosen und viel Applaus: Schülerinnen und Schüler des Mildred-Scheel-Berufskollegs.

Moderierte den Abend: Pressepfarrer Thomas Förster.

 

03.12.2018



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