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für den 29.05.2022

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Bundestagswahl 2021

Kandidierende diskutieren in der Walder Kirche

Kurz vor der Bundestagswahl wollte die Evangelische Kirchengemeinde in Wald den Kandidaten im Wahlkreis 103 einen demokratischen Raum zum Diskutieren bieten. Vor großem Publikum wurde erklärt, Haltung bezogen und gestritten.

Kandidierende in der Walder Kirche: Ingo Schäfer (SPD), Silvia Vackenstaedt (Grüne), Shoan Vaisi (Die Linke), Jürgen Hardt (CDU) und Dr. Robert Weindl (FDP) (v.l., Foto: Theresa Demski) LupeKandidierende in der Walder Kirche: Ingo Schäfer (SPD), Silvia Vackenstaedt (Grüne), Shoan Vaisi (Die Linke), Jürgen Hardt (CDU) und Dr. Robert Weindl (FDP) (v.l., Foto: Theresa Demski)

Noch bevor die fünf Politiker am Freitagabend auf dem Podium im Altarraum der Walder Kirche ihren Platz einnahmen, suchte ein Mann vor der Kirchentüre das Gespräch mit Pfarrer Bernd Reinzhagen. Die Gemeinde sei nicht der richtige Ort für eine politische Diskussion, beklagte er. Die Kirche sei ein besonderer Ort und keine Plattform für politischen Streit. Die Veranstalter allerdings hatten anders entschieden: In Zeiten, in denen Grundrechte mit Füßen getreten werden und eine  Spaltung der Gesellschaft spürbar werde, sei die Kirchen auch im politischen Kontext gefragt, befand Pfarrer Reinzhagen. Kirche habe eine Aufgabe. „Wir bieten heute einen demokratischen Raum, um Argumente auszutauschen“, erklärte der Pfarrer, „aber auch, um die Kandidaten nach ihrer Haltung zu Kirche, Schöpfung und Gerechtigkeit zu fragen. Uns interessierten die Menschen hinter den Wahlplakaten.“

Die Walder nahmen die Einladung gerne an. Und so füllte sich die Kirche am Freitagabend unter Corona-Regeln, während auf dem Podium Jürgen Hardt (CDU), Ingo Schäfer (SPD), Silvia Vaeckenstedt (Die Grünen), Shoan Vaisi (Die Linke) und Dr. Robert Weindl (FDP) Platz nahmen. „Die Kandidaten, die innerhalb des christlichen Wertekonsens und der demokratischen Verfassung antreten“, erklärte Reinzhagen.

Zwei Stunden lang stellten sich die Kandidaten den Fragen von Bernd Reinzhgagen und Ulrike Quintar. Der Pfarrer und die Schulleiterin hatten sich in Wahlprogramme und das Abstimmungsverhalten der Parteien eingelesen, konfrontierten die Politiker mit Fragen rund um Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung – mal heiter und mal ganz ernst.

"Wie stehen Sie zur Kirche?"

„Wie stehen Sie zur Kirche?“, fragte Reinzhagen den Kandidaten der Partei „Die Linke“. Shoan Vaisi, Kandidat mit eigener Migrationsgeschichte und frisch gebackener zweifacher Vater, antwortete entschieden: „Die Kirche kümmert sich um Menschen, um die sich sonst niemand kümmert. Deswegen bin ich für eine starke Kirche und für die Botschaft der Nächstenliebe.“ Auch Silvia Vaeckenstedt wurde gebeten, über ihren Draht zu Kirche und Gemeinde zu berichten: Die Grüne erzählte von der Konfirmation ihres Sohnes und von ihrem evangelischen Profil. „Und wie hältst du es mit der Kirche?“ zitierte Reinzhagen schließlich frei aus Goethes Faust und wandte sich an FDP-Kandidat Dr. Robert Weindl. Der konterte: „Sehr wohltuend, hier kommt man mal raus aus der Komfortzone.“ Er sei vor Jahren aus der evangelischen Kirche ausgetreten. „Ich bin Christ, habe aber Probleme mit der Institution Kirche“, erklärte er. Sollte er seine Meinung im Laufe des Abends ändert, bemerkte Reinzhagen lächelnd, habe er Aufnahmeformulare zur Hand. Wieviel C in der CDU steckte, sollte Jürgen Hardt schließlich erklären: „Bei uns arbeiten Christen und Nicht-Christen Hand in Hand auf der Basis des christlichen Menschenbildes“, berichtete Hardt. Währenddessen forderte Ingo Schäfer eine bessere finanzielle Ausstattung für die Kirchen, um den diakonischen Aufgaben gerecht werden zu können.

Thema: Integration

Das Stichwort nahmen die Moderatoren gerne auf und stiegen in das Thema „Gerechtigkeit“ ein. Was passieren müsse, damit Integration gelinge, fragten sie Shoan Vaisi. Und der berichtete von seinen eigenen Hürden. Behörden würden den Menschen die Integration lange verwehren und sie in einer Warteschlange absetzen. „Aber wir müssen eine Förderung von Anfang möglich machen, damit Integration gelingt“, betonte er. Ingo Schäfer forderte unterdessen, Gespräche mit heimischen Unternehmen zu führen, um womöglich Sonderausbildungsgänge für Menschen mit Migrationsgeschichte zu ermöglichen. Weindl verwies auf unbesetzte Lehrerstellen, gescheiterte Schul- und Stellenplanung und Versäumnisse der vergangenen Jahre. Für bessere Bildungschancen müsse es ausreichend Personal geben. Darauf beharrte auch Silvia Vaeckenstedt – auch beim Thema Inklusion. „In der Arbeit mit Kindern mit besonderem Förderbedarf fehlt Personal und Haltung“, beklagte sie. Ob es womöglich mehr bundeseinheitliche Linien statt föderaler Entscheidungen im Bildungswesen geben müsse, wurde Jürgen Hardt gefragt: „Eigentlich sollte sich das beste System durchsetzen“, erinnerte er an einen Ideenwettbewerb der Länder, „aber diese Idee funktioniert nicht.“ Also bedürfe es wohl einer engeren Zusammenarbeit.

Thema: Klimakrise

Nach der Pause stand dann das Thema „Klima“ auf der Agenda. Die Stimmung wurde angespannter und die Gräben wurden tiefer – sowohl auf dem Podium als auch im Publikum. „Wir werden verzichten und unser Verhalten anpassen müssen, um noch die Kurve zu bekommen“, appellierte Silvia Vaeckenstedt. Und auch Shoan Vaisi mahnte: „Wir müssen sofort handeln. Die Politik muss entsprechende Vorgaben schaffen.“ Davon allerdings wollte Dr. Robert Weindl wenig hören: Nicht eine Verzichtskultur könne den Klimawandel verhindert, sondern innovative Technik. „Wie müssen Weltmeister der Umwelttechnologien werden“, befand er. Und bekam Unterstützung von Jürgen Hardt: In Deutschland gebe es große Kompetenzen. „Wir müssen eine Technik entwickeln, die der ganzen Welt hilft, CO2  einzusparen“, so Hardt. Dass eben diese Technik für den Menschen bezahlbar bleiben muss, daran erinnerte Ingo Schäfer. „Wir müssen die Menschen mitnehmen“, befand er, „das heißt: Die neue Technik muss man sich erstmal erlauben können.“

Aufmerksames Publikum

Vor allem auf der Zielgeraden der Podiumsdiskussion beteiligte sich das Publikum – mal mit zustimmendem Applaus, dann mit demonstrativem Schweigen und ganz selten auch mal mit hörbarem Missmut. Nach rund zwei Stunden verabschiedeten sich die Politiker dann von ihrem letzten gemeinsamen Podium dieses Wahlkampfes.

Und während sich Ulrike Quintar und Bernd Reinzhagen von den Gästen verabschiedeten, fiel ihr Blick auf das Plakat mit dem „Walder Bekenntnis zu Solidarität, Toleranz und Vielfalt“ am Seiteneingang. Die Kirchengemeinde hatte es vor genau drei Jahren als evangelisches Statement gegen Fremdenfeindlichkeit und Radikalisierung in unserer Gesellschaft formuliert. „Es war richtig, zu dieser Podiumsdiskussion einzuladen“, befand der Pfarrer dann und dachte noch mal an das Gespräch vor der Tür vor der Veranstaltung.  Mit der Diskussion in angespannten Zeiten sei auch das Bekenntnis gegen rechte Hetze und für Solidarität erneuert worden.

 

Theresa Demski / 20.09.2021



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