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für den 24.08.2019

Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR.

Jeremia 29,13-14

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Kanzelabkündigung von Superintendentin Dr. Ilka Werner zum 31. Januar 2016

Das Böse mit Gutem überwinden

 Am Sonntag (31.1.2016) wird in vielen evangelischen Gemeinden die Kanzelabkündigung von Dr. Ilka Werner verlesen. Auch im Januar ruft die Superintendentin zu gegenseitigem Respekt auf, um die gegenwärtig schwierige Situation gemeinsam zu lösen.

Superintendentin Dr. Ilka Werner Superintendentin Dr. Ilka Werner

Gegen Schwarz-Weiß-Malerei in der Betrachtung der aktuellen Situation mit den vielen geflüchteten Menschen in unserem Land wendet sich die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen, Dr. Ilka Werner, in ihrer aktuellen Kanzelabkündigung an die Solinger Evangelischen Gemeinden. Die Aufnahme der vielen Menschen die bei uns Zuflucht suchen, habe eine „komplexe, völlig neue Situation“ geschaffen. Die Debatte darüber habe sich seit den Übergriffen der Silvesternacht verschärft. „Der Ton wird rauer und die Gegensätze verhärten sich“, stellt die Theologin in dem Text fest, der am kommenden Sonntag in den meisten Gottesdiensten verlesen werden soll. Auf der einen Seite würde Menschen, die sich auch weiterhin solidarisch zu den hier lebenden Flüchtlingen hielten, Naivität, Problemverleugnung und mangelnder Einsatz für die Würde der Frauen vorgeworfen. Auf der anderen Seite würden Kritiker, die eine Begrenzung des Zuzugs und harte Reaktionen auf die Übergriffe fordern, zu Rassisten gestempelt. „Beide Seiten verlieren aus dem Blick, um was es eigentlich geht: Menschen in Not zu helfen“, mahnt Ilka Werner. Diese Aufgabe sei nur zu lösen „wenn wir ehrlich miteinander umgehen, wenn wir unsere Grenzen benennen, wenn wir unsere Freiheit verteidigen und wenn wir den Mut aufbringen, etwas aufs Spiel zu setzen“. Die Bibel fordere: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Guten!“. Wie das umsetzbar ist, müsse im gemeinsamen Austausch aller Seiten herausgefunden werden. „Bleiben Sie dran!“, bittet die Superintendentin.

Nicht immer, so Werner, müsse, um Flüchtlinge zu versorgen, anderen dafür etwas weggenommen werden. Sie nennt das Beispiel eines Solinger Berufskollegs, in der in einer extra eingerichteten Schulklasse junge Flüchtlinge unterrichtet werden. Dieser Unterricht finde zusätzlich zu den bereits bestehenden Klassen statt. Der zuständige Berufsschulpfarrer sei von vielen der neuen Schüler begeistert, weil so viele unbedingt etwas lernen wollten und sich teilweise mit Handschlag bei ihm für den Unterricht bedankten.

Seit November nimmt die leitende Pfarrerin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen einmal im Monat in einer so genannten Kanzelabkündigung zu einem aktuellen Aspekt der gegenwärtigen Situation um die hohe Zahl zu uns geflüchteter Menschen Stellung. Die aktuelle wird am kommenden Sonntag in den meisten Gottesdiensten verlesen.

Kanzelabkündigung zum 31. Januar 2016
im Evangelischen Kirchenkreis Solingen

Überwinde das Böse mit Gutem!

Liebe Gemeinden in Solingen, liebe Schwestern und Brüder!

Mit der Silvesternacht hat sich etwas verändert. In der Debatte über den Umgang mit Flücht-lingen wird der Ton rauer und die Gegensätze verhärten sich: Vielen, die an der Solidarität mit den hier lebenden Flüchtlingen festhalten, wird vorgeworfen, naiv zu sein und Probleme un-ter den Teppich zu kehren. Damit würden sie die Würde der Frauen in unserer Gesellschaft untergraben. Geschichten über vertrauensselige Helfer oder unverschämte Flüchtlinge ma-chen die Runde. Anderen, die Begrenzungen des Zuzugs und konsequente Reaktionen auf Übergriffe fordern, wird sofort rassistisches Denken unterstellt.

Beide Seiten suchen zu einfache Lösungen für eine komplexe, völlig neue Situation. Und beide Seiten verlieren aus dem Blick, um was es eigentlich geht: Menschen in Not zu helfen.

Das ist die Aufgabe, und wir werden sie nicht lösen, wenn wir uns etwas schön oder wenn wir uns etwas schlimm reden. Wir werden sie nur lösen, wenn wir ehrlich miteinander umgehen, wenn wir unsere Grenzen benennen, wenn wir unsere Freiheit verteidigen und wenn wir den Mut aufbringen, etwas aufs Spiel zu setzen. Im Römerbrief im Neuen Testament heißt es: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Es geht um eine bewusste Taktik im Umgang mit dem Bösen, mit Gewalt und Hass und Über-griffen. Ich bitte Sie, bleiben Sie dran an dieser Taktik. Üben Sie, tauschen Sie sich darüber aus, finden Sie heraus, wie das gehen kann: sich nicht vom Bösen überwinden lassen. Das Böse mit Gutem zu überwinden. Auf allen Seiten, in jeder Hinsicht.

Dazu kann gehören, mit dem Guten nicht geizig zu sein, und das, was den Flüchtlingen zugute kommt, niemandem wegzunehmen. Mein Kollege Jens Maßmann ist Schulpfarrer am Techni-schen Berufskolleg und unterrichtet auch in einer extra eingerichteten Flüchtlingsklasse. Aber dafür fällt keine andere Religionsstunde aus, denn er hat für die neue Aufgabe einige Stunden zusätzlich bekommen. Er hat gesagt: „Es lohnt sich, den jungen Leuten eine Heimat zu geben, Sicherheit und die Möglichkeit, einmal aufzuatmen. Die meisten wollen etwas lernen, und be-danken sich sogar mit Handschlag für den Unterricht. Wenn da einer zum ersten Mal einen Stift in der Hand hat und Buchstaben malt, ist das toll.“

Lassen Sie sich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinden Sie das Böse mit Gutem.

Mit herzlichen Grüßen, Ihre

Pfarrerin Dr. Ilka Werner, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen

 

28.01.2016



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