Losung

für den 29.07.2021

Ihr Berge Israels, siehe, ich will mich wieder zu euch kehren und euch mein Angesicht zuwenden, dass ihr angebaut und besät werdet.

Hesekiel 36,9

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Tageblatt-Andacht zu Gründonnerstag von Superintendentin Dr. Ilka Werner

"Am Kreuz sehen wir uns selbst"

Über Mose, Masken und den menschlichen Gott schreibt Superintendentin Dr. Ilka Werner in einer Andacht zum Gründonnerstag für das Solinger Tageblatt.

<strong>Superintendentin Dr. Ilka Werner (Foto: Christian Beier)<br></strong> Superintendentin Dr. Ilka Werner (Foto: Christian Beier)

Solinger Tageblatt am 1. April 2021

Liebe Solingerinnen und Solinger,

in der Bibel gibt es eine Stelle, wo von einer Maske die Rede ist (2.Buch Mose 34, 28-35). Keine FFP2 Maske natürlich, und auch keine Alltagsmaske, so, wie wir sie seit einem Jahr kennen. Diese Maske setzt Mose sich auf, nachdem er auf dem Berg Sinai mit Gott geredet und die Tafeln mit den Geboten bekommen hat. Er kommt vom Berg, und die Begegnung mit Gott hat sein Gesicht leuchtend und glänzend gemacht, so dass sich die Leute vor ihm fürchten. Also setzt er die Maske auf. Er dimmt den Glanz Gottes und nimmt den Menschen so die Angst. Immer, wenn er mit Gott spricht, nimmt er die Maske ab, und wenn er die Worte Gottes dem Volk weitersagt, ist dieses Leuchten und Glänzen zu sehen. Nach einem kurzen Moment setzt er dann wieder die Maske auf.

Wir Menschen, jedenfalls die allermeisten von uns, sehen die Herrlichkeit Gottes nur gedimmt, sonst würden wir geblendet, das will die Episode sagen. Sie ereignet sich mitten in der Wüstenzeit. Sie gehört in eine Zeit, in der auch das tägliche Leben gedimmt ist, weil die Sorge um das Überleben die Lebensfreude dämpft; weil die Trauer um das, was verloren gegangen ist, und um die, von denen Abschied genommen werden musste, Lust und Leichtigkeit überlagert. Sie gehört in eine Zeit, die der heute irgendwie ähnlich ist. Auch für uns ist das tägliche Leben gedimmt und gedämpft, wieder und wieder hören wir Mahnungen und Warnungen und Hiobsbotschaften, und die nehmen kein Ende, und jedenfalls zu mir dringen sie kaum noch so richtig durch. Sorge, Trauer und miese Stimmung dimmen mich, trotz des Frühlings überall in der Natur. Ich sehe die Herrlichkeit der Welt nur gedimmt. Und die Herrlichkeit Gottes auch. Durch beschlagene Brillengläser über meiner FFP2-Maske.

Das liegt an Corona. Aber nicht nur. Die Mose-Episode mit der Maske bringt mich darauf, dass Corona nur verstärkt, was in gewisser Weise immer gilt: Wir sehen das Leuchten und Glänzen Gottes und der Welt nur gedimmt, verschwommen, verzerrt. Weil da etwas dazwischen kommt: Zweifel, Unglauben, unbeantwortete Warum-Fragen, Leiden und Trauer über das Leiden und Verzweiflung über Tod und Gewalt. Hinter all dem soll ein leuchtender, strahlender Gott sein? Hinter all dem soll überhaupt ein Gott sein? Glaub ich nicht.

Paulus nimmt – viele Seiten später in der Bibel – das Bild von der Maske des Mose wieder auf (2.Korintherbrief 3, 12-18). Er sagt: Die braucht es nicht mehr. Wir können Gott direkt sehen. Ohne Angst. Ohne geblendet zu werden. Wir können Gott sehen in Menschengestalt, in Jesus Christus. Und was wir da sehen, ist ohne Glanz. Wir sehen in und an Gott in Menschengestalt das, was wir selbst erleben: Zweifel, unbeantwortete Warum-Fragen, Leiden und Trauer über das Leiden und Verzweiflung über Tod und Gewalt. Kein Leuchten, kein Strahlen. Wir sehen Gott, wie er unser Leben, unser durch Sorgen gedimmtes Leben teilt. Wir sehen ihn, wie er unseren brüllenden Schmerz durchlebt, und unser stummes Leiden. Und indem wir das sehen, verschwindet das gedimmte Licht, und es wird grell ausgeleuchtet, was uns quält: Krankheit, Tod und Trauer. Hass, Gewalt und Verfolgung. Schmerz, Einsamkeit und Verzweiflung. Tätersein, Opferwerden, Missbrauch. Wir sehen Jesus Christus, Gott in Menschengestalt, an Karfreitag, am Kreuz, und wir sehen uns selbst und was wir erleiden, was wir einander antun, was uns passiert. Ohne Weichzeichner, ohne Dimmung, so, wie es ist.

Wir sehen Gott, der unser Leid teilt und trägt. Er ist nicht dahinter irgendwo. Er ist darin, mitten drin, mit und bei uns. Und für den Moment ist da kein Leuchten und keine Herrlichkeit und kein Glanz.

Aber eine Ahnung bleibt da von der Herrlichkeit, die Mose an Gott gesehen hat damals am Sinai, und von dem Glanz, der manchmal am ganz frühen Morgen über der Welt und vor uns liegt, von dem Glanz, der so wunderbar ist, dass eine Maske uns davor schützt, geblendet zu sein. Und aus dieser Ahnung entsteht eine Hoffnung auf eine Zeit ganz ohne Masken in Lust und Leichtigkeit, mit Leuchten und Glanz, und ohne Leid.

Bleiben Sie behütet!

Ihre Ilka Werner

Zur Person
Dr. Ilka Werner, Pastorin und Superintendentin im Kirchenkreis Solingen seit 2013, mag die frühen Morgenstunden und den ersten Kaffee ganz früh. Sie hofft auf Zeiten ohne Masken und ungedimmtes Licht.

 

31.03.2021



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