Losung

für den 27.09.2021

Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort.

Psalm 119,67

Gottesdienste
Gottesdienste

Jede Woche einen frischen Gottesdienst oder eine Andacht aus dem Evangelischen Kirchenkreis Solingen finden Sie auf unserem YouTube-Kanal "Klingenkirche".

Suchen Sie einen Gottesdienst in Ihrer Nähe?

Hier finden Sie Termine, Orte und Zeiten der Gottesdienste in den Gemeinden.

mehr
Newsletter

Sie möchten regelmäßig mit Informationen und Meinungen aus der Evangelischen Kirche in Solingen versorgt werden? Hier können Sie unseren 14-tägigen Newsletter abonnieren.

mehr
Kontakt

Möchten Sie wissen, zu welcher Gemeinde Sie gehören? Wer als Pfarrerin oder Pfarrer für Sie zuständig ist? Dann schicken Sie uns doch einfach eine Nachricht.

mehr
Diakonie
Diakonie

Konkrete Beratung, praktische Hilfe und menschliche Zuwendung - mit diesem Angebot setzt sich das Diakonische Werk des Kirchenkreises für die Menschen der Stadt Solingen ein.

mehr
Gemeinden
Gemeinden mehr
Service

Superintendentin Dr. Ilka Werner zur Wiederermöglichung von Gottesdienstfeiern in Kirchenräumen

„Kirche ist mehr als Gemeinschaft untereinander“

Seit Wochen ist es nicht mehr möglich, in Kirchen öffentliche Gottesdienste zu feiern. Nun soll das in NRW ab dem 1. Mai wieder möglich sein. Superintendentin Dr. Werner erinnert daran, dass Kirche nicht nur eine leibliche Gemeinschaft ist.

„Die Gemeinschaft mit Jesus Christus und untereinander bleibt, auch wenn sich in der Kirche alles ändert“: Superintendentin Dr. Ilka Werner. „Die Gemeinschaft mit Jesus Christus und untereinander bleibt, auch wenn sich in der Kirche alles ändert“: Superintendentin Dr. Ilka Werner.

Herr, wie lange noch?
 

Wie lange müssen wir noch warten, bis wir wieder gemeinsam Gottesdienst feiern können? In dieser Woche zwischen vorsichtigen Lockerungen und eindringlichen Warnungen vor Leichtsinn taucht diese Frage immer wieder auf: Wann können wir die Kirchen wieder für gemeinsame Feiern öffnen?

Diese Frage steht auch für die Gespräche der Bundesregierung am 30. April auf der Tagesordnung. Einzelne Bundesländer haben jetzt schon Möglichkeiten geschaffen, mit 15 oder 20 Personen unter strengen Auflagen Präsenzgottesdienste (so nennt man das jetzt, wenn Menschen in Kirchen Gottesdienst halten!) zu feiern. Sicher ist, dass die Einhaltung von weitreichenden Hygieneregeln nötig sein wird. Das halte ich für selbstverständlich.

Aus evangelischer Sicht ist es mir aber noch wichtiger, zu schauen, ob und wie mit den Bedingungen, die gestellt werden, geistliche Gemeinschaft unter denen, die in die Kirche kommen, spürbar möglich ist. Unter Umständen spüren wir noch schmerzlicher, was fehlt, wenn wir sehr eingeschränkt in einer Kirche mit sehr wenigen zusammenkommen, als wenn wir am Küchentisch oder vor einem Monitor allein gemeinsam feiern. Ich denke, wir müssen und werden das abwägen, im Kirchenkreis und in den Gemeinden. Was wir uns zurückwünschen, ist doch die versammelte Gemeinde und dass die Gemeinschaft miteinander und die mit Gott eins wird. Präsenzgottesdienste aus Prinzip, das kann es nicht sein.

Eine Bemerkung eines Superintendenten-Kollegen in einer Video-Konferenz hat mich auf eine Spur gesetzt, die mir da weiterhilft. Er sagte etwa: „Die Jünger haben nach Ostern auch Jesu körperliche Anwesenheit gesucht – und nicht oder nur für den Moment gefunden“.

Und wir, wir suchen die leibliche Gemeinschaft im Kirchenraum – und finden sie jetzt nicht oder nur für den Moment, wenn kleine Teams Gottesdienste aufnehmen oder wir im Innenhof des Verwaltungsamtes Andacht feiern.

Man kann das sicher nicht ganz vergleichen. Aber die Erzählungen von den Begegnungen der Jünger mit dem Auferstandenen können uns weiterdenken lassen: Da ist das Picknick am See Genezareth, als Jesus für Petrus und andere Jünger Fische und Brot grillt und sie ihn beim Mahl erkennen. Da ist dieser Abend in Emmaus, wo zwei Jünger einem Fremden von den Geschehnissen um Ostern erzählen und beim Brotbrechen in ihm Jesus erkennen. Da ist der zweifelnde Jünger Thomas, der Jesu Wunden anfassen will und darf und über der Berührung vom Wissen-Wollen zum Glauben findet. Und da ist Jesu Versprechen an Himmelfahrt, das den Jüngern und Jüngerinnen die Kraft des Heiligen Geistes verspricht, die Geistkraft, die die Gemeinschaft mit ihm auch ohne seine leibliche Gegenwart real macht.

Für die Jünger und Jüngerinnen ändert sich alles, aber nichts geht verloren von dem, was sie trägt, von der Gemeinschaft mit Jesus. Und für uns in der Kirche ändert sich alles, wahrscheinlich auf lange Zeit und vielleicht unumkehrbar, aber uns muss nichts verloren gehen von dem, was uns trägt, von der Gemeinschaft mit Jesus und untereinander. Im Glaubensbekenntnis sagen wir, dass wir die Kirche glauben. Das heißt doch: Sie ist als unsere Gemeinschaft mit Jesus Christus mehr und anderes als die Erfahrungen, die wir in der Gemeinde machen. Vielleicht wird uns das in dieser Zeit deutlicher bewusst. Vielleicht wird die geglaubte Kirche sichtbarer als sonst in den neuen Formen, die wir entwickelt haben. Diese neuen Formen, so bin ich überzeugt, sind nicht nur Notbehelfe, die verschwinden, wenn das Eigentliche wieder möglich ist. Ich denke, etwas von ihnen wird bleiben, ergänzend, vertiefend, und immerzu daran erinnern, dass Kirche und Gemeinschaft mit Jesus nicht einfach ist, sondern geglaubt wird. Auch, wenn wir sie wieder direkt erleben können an den Sonntagmorgen: dass sie mehr ist als unsere Gemeinschaft untereinander, das liegt auch dann am Glauben und an der Gegenwart des Heiligen Geistes.

 

23.04.2020



© 2021, Evangelische Kirche in Solingen
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung