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für den 27.09.2021

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„Die Emotionen liegen offen“

Klinikseelsorge in Zeiten von Corona

Wegen Corona arbeiten die evangelischen Klinikseelsorgerinnen im Ausnahmezustand: Für Mitarbeitende und Patienten in den beiden Krankenhäusern sind sie wichtige Ansprechpartnerinnen in der Krise – um Trauer, Ängsten und Unsicherheiten Worte zu geben.

Kümmern sich um Kranke wie um Mitarbeitende: die evangelischen Klinikpfarrerinnen Renate Tomalik, Antje Blesenkemper und Astrid Klumb (v.l.) LupeKümmern sich um Kranke wie um Mitarbeitende: die evangelischen Klinikpfarrerinnen Renate Tomalik, Antje Blesenkemper und Astrid Klumb (v.l.)

Als die Türen des Städtischen Klinikums für Besucher schlossen, da machte Pfarrerin Renate Tomalik einen Termin beim Geschäftsführer. „Sind wir noch erwünscht?“, fragte die Krankenhausseelsorgerin. In Zeiten, in denen es vor allem darum ging, dem Corona-Virus einen Riegel vorzuschieben, Kontakte zu meiden und Menschen zu schützen, wollte die Pfarrerin wissen, ob sie selbst und ihre Kolleginnen Antje Blesenkemper und Astrid Klumb auf den Stationen und in den Krankenzimmern noch willkommen seien. Die Antwort war eindeutig: „Ja, gerade jetzt“, erklärte die Geschäftsführung. Das gelte nicht nur für die Mitarbeit in den Ethikkommissionen, sondern auch im Alltag. Und für Pfarrerin Renate Tomalik und ihre Kolleginnen war damit die entscheidende Frage geklärt. Zeitgleich fragte sich in der St. Lukas-Klinik auch Kollegin Pfarrerin Astrid Klumb, wie die Corona-Krise den Alltag der Krankenhausseelsorge verändern würde. „Am Anfang hat uns das Virus erst mal alle unter Schock gesetzt“, erzählt die Pfarrerin. Aber auch in der St. Lukas-Klinik stand schnell fest: Im Moment der Not würde das Team der Krankenhausseelsorge bleiben. „Das war für uns selbstverständlich“, sagt Astrid Klumb.

Gesprächsbedarf größer als sonst

Seit dem arbeiten die Teams der Krankenhausseelsorge in beiden Kliniken im Ausnahmezustand. „In der ersten Zeit haben vor allem viele Angehörige zu uns Kontakt aufgenommen“, erzählt Renate Tomalik. Kinder, Eltern und Ehepartner, die ihre Kranken nicht mehr besuchen können, bitten um Vermittlung. Ehrenamtlichen, wie die Grünen Damen, konnten zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in die Krankenhäuser kommen. „Also haben wir Handys aufgeladen, älteren Menschen dabei geholfen, zu skypen oder einfach vermittelt“, berichtet die Krankenhausseelsorgerin. Und gleichzeitig entdeckte sie: Der Gesprächsbedarf der Patienten ist deutlich größer als in anderen Zeiten. Die Menschen leiden unter den Kontaktbeschränkungen, machen sich Sorgen um ihre Familien und um ihre eigene Gesundheit. „Viele Patienten waren in den vergangenen Wochen einfach sehr allein“, sagt Astrid Klumb. Jeder habe mit seinen eigenen Sorgen zu kämpfen. „Ich komme in die Krankenzimmer und die Emotionen liegen offen“, erzählt die Pfarrerin. Deutlich schneller als in anderen Zeiten würden die Gespräche eine ungewöhnliche Tiefe erreichen. Sie habe den Eindruck, dass die Menschen ein großes Bedürfnis haben, ihre Angst und ihren Ärger, Schmerz und Trauer und auch Vorwürfe den Krankenhausseelsorgern gegenüber zu formulieren. „Alles mal sagen dürfen, nicht filtern“, nennt das Pfarrerin Tomalik.

Auch Mitarbeitende hatten Angst

Auch die Mitarbeiter der Kliniken nehmen dieses Angebot an und freuen sich über die Gespräche, die oft zwischen Tür und Angel stattfinden. „Jemand fragt nach, wie es ihnen geht“, sagt Pfarrerin Tomalik, „jemand interessiert sich für ihre Gedanken. Das ist wichtig.“ Und die Pfleger und Ärzte erzählen – von der anfänglichen Angst vor jenem befürchteten Moment, in dem die Intensivstation überlastet würde und die Mitarbeitenden Entscheidungen über Tod und Leben treffen müssten. Von der Sorge um eigene Familienangehörige. Von der Ohnmacht, weil ihnen anfangs Schutzmaterial fehlte. Von den vielen Unsicherheiten, die das Virus im Klinikalltag mit sich bringt. "Wir haben eine Art regelmäßiger Seelsorge-Sprechstunde eingerichtet", berichtet Pfarrerin Antje Blesenkemper. Sie selbst oder einer der katholischen Seelsorgekollegen stand immer werktags zwischen 11 und 12 Uhr zum Gespäch in der Kapelle bereit. "Für Patientinnen genauso wie für Mitarbeitende des Hauses", betont die Theologin.

Worte gegen Sprachlosigkeit

Und die Krankenhausseelsorgerinnen? „Wir sind die Instanz, die dabeibleibt und emotional aushält“, sagt Astrid Klumb. Die Pfarrerinnen lassen sich auf die Geschichte der Menschen ein, fragen nach, erinnern an vergangene, überstandene Krisen und öffnen zuweilen den Blick für die Hoffnung. „Wir suchen mit den Menschen Worte, wo Sprachlosigkeit herrscht“, sagt Renate Tomalik. Dann werden Gefühle zu Worten.  „Wir klagen gemeinsam und manchmal verlieren die Ängste dann ihre Macht und ihren Schrecken“, hat die Pfarrerin beobachtet. Immer mal wieder kommen Patienten, Mitarbeiter und Krankenhausseelsorger auch auf Gott zu sprechen. Gebete und Segensworte werden dann wichtig, miteinander gesprochene Liedtexte.

Neue geistliche Angebote

Ohnehin sei es den Teams in den Krankenhäusern wichtig, auch während der Corona-Krise das geistliche Leben in den Einrichtungen lebendig zu halten. Im St. Lukas Krankenhaus werden die Gottesdienste aus der Kapelle in die Krankenzimmer übertragen, dreimal in der Woche machen sich Musikerin Uta Heidemann und Astrid Klumb abends zwischen 18 und 19 Uhr auf den Weg, um die Menschen auf den Stationen mit Musik und guten Worten zu versorgen. Im Städtischen Klinikum hat die Krankenhausseelsorge einen Ort geschaffen, von dem Patienten, Mitarbeiter und Angehörige Segenskärtchen mitnehmen konnten. Es werden kleine Andachten für das hauseigene Radio produziert. „Wir sind weiterhin da“, betonen die drei Krankenhausseelsorgerinnen, „dabei bleibt es.“

 

Theresa Demski / 04.06.2020



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