Losung

für den 19.11.2019

Wenn sie auch wider dich streiten, werden sie dir dennoch nichts anhaben können; denn ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dich errette.

Jeremia 1,19

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Mahnwache nach dem Anschlag in Halle

"Steht auf gegen den Antisemitismus!"

Bei einer Mahnwache kamen heute (11.10.2019) mehrere Hundert Solinger zusammen, um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Vor dem Rathaus sprachen auch Superintendentin Dr. Ilka Werner und der frühere Diakonie-Geschäftsführer Horst Koss.

Rede von Horst Koss bei der Mahnwache gegen Antisemitismus am 11.Oktober 2019 vor dem Solinger Rathaus

„Wir bleiben dran!“

Lieber Herr Goldberg, liebe Solinger und liebe Solingerinnen!
Der Mittwoch dieser Woche war ein Tag der Schande für unser Land und damit auch für Solingen. Das was nicht geschehen dürfte, Ist geschehen: ein gezielter Angriff auf ein Gotteshaus. Und auf die Menschen jüdischen Glaubens, die sich dort versammelt hatten. Mit dem rechtsterroristischen Angriff auf die Synagoge in Halle sind wir zu Zeugen eines antisemitischen Attentats geworden.

Wer nach NSU, Lübcke und Halle nicht aufwacht, leugnet die Gefahren des Rechtsextremismus.

Solingen ist bunt statt braun! Dafür steht seit 2007 ein Bündnis aus Solinger Organisationen und Einzelpersonen ein. Als langjähriges Mitglied und da mir am letzten Sonntag die Freude bereitet wurde, dass ich für besonderes Engagement zum Wohl der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal geehrt wurde, bin ich gebeten, heute im Namen des Bündnisses zu sprechen.

Am Sonntag habe ich in der Synagoge der Jüdischen Kultusgemeinde versprochen: Wir bleiben dran am Thema des Fremdenhasses und des Antisemitismus‘. Als Beispiel dafür habe ich Dialogformate wie die Planung der Wohlfahrtsverbände im Bergischen Land für die Förderung des Demokratieverständnisses unter jungen Menschen benannt. Hintergrund ist unter anderem, dass im Rahmen einer bundesweiten Studie der Friedrich-Ebert-Stifung der Aussage „Ein Land sollte einen Führer haben, der es zum Wohle seines Volkes mit starker Hand regiert“ 12,4 Pozent der Befragten überwiegend oder voll zustimmen.Zu ähnlichen Ergebnissen hat eine Befragung unter 3543 Solinger Schüler und Schülerinnen geführt.

In ihren Erinnerungen für die Zukunft hat uns Hildegard Hamm-Brücher hinterlassen, dass eine Demokratie stets neu justiert werden muss. Ich bin davon überzeugt, dass wir mehr politische Jugendbildung benötigen um langfristig nationalistischen, fremdenfeindlichen und rassistischen Weltbildern entgegen zu wirken.

Die Entscheidung, die Projektmittel für „Demokratie leben“ zu kürzen, muss dringend revidiert werden. Wir haben hier in Solingen eine Reihe guter Projekte und Veranstaltungen, die aus dem Bundesprogramm finanziert werden konnten.

Allerdings: Neonazis, die Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu anderen Nationalitäten, ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts, ihrer religiösen Überzeugung oder sexuellen Orientierung terrorisieren, erreichen wir nicht mit Bildung. Hier sind alle Sicherheitsorgane gefordert, nicht nachlässig zu sein, wenn es darum geht, diese Personenkreise engmaschig auf dem Schirm zu halten. Und die Justiz ist gefordert, politisch motivierte Gewalttaten nicht zu verharmlosen. Das Künast-Urteil hat bei uns allen für blankes Entsetzen gesorgt.

Ich bin sehr beschämt darüber, dass Einrichtungen wie Synagogen oder Kitas jüdischer Gemeinden unter starken Polizeischutz gestellt werden müssen. Im Zeichen des erstarkten Rechtsextremismus kenne ich keine anderen Möglichkeiten zum Akutschutz. Aber wir könnten das doch nicht als Dauerzustand anstreben!

Für uns als Zivilgesellschaft ist es eine ständige Aufgabe, dafür einzutreten, dass die Erinnerungen an nationalistische und antisemitische Gräueltaten wach gehalten werden. Bunt statt Braun steht an der Seite der Jüdischen Gemeinde im Bergischen Land. Den Mitgliedern der Gemeinde sagen wir, dass wir  froh darüber sind, dass jüdisches Leben im Bergischen Land wieder Fuß gefasst hat.

Heute sind wir in unseren Gedanken bei den Opfern und den Angehörigen des Anschlages in Halle. Bei aller Dramatik der Ereignisse ist es aber auch wichtig, über den Tag hinaus zu denken! Wir werden in unseren Mahnungen vor den Gefahren von Rechts nicht nachlassen. Dazu benötigen wir einen langen Atem. Da wir in Solingen in guten Netzwerkstrukturen arbeiten, können wir uns dabei gegenseitig stärken.

Und so möchte ich auch mit einer Einladung schließen: Am 12. Dezember findet die nächste Demokratiekonferenz im Konzerthaus statt. Ich hoffe auf zahlreiche Teilnahme. Denn es ist versprochen: Wir bleiben dran am Thema des Fremdenhasses und des Antisemitismus‘!

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Rede von Superintendentin Dr. Ilka Werner bei der Mahnwache gegen Antisemitismus am 11. Oktober 2019 vor dem Solinger Rathaus

„Das Geschehen von Halle ist kein Einzelfall“

Liebe Solingerinnen und Solinger, liebe Freundinnen und Freunde,
der Angriff auf die Hallenser Synagoge hat mich tief getroffen! Und Sie alle auch, darum sind Sie gekommen. Danke dafür!

Bei allen Gesprächen und Telefonaten seit vorgestern wird Erschrecken deutlich: Erschrecken darüber, dass das tatsächlich passiert ist. Nicht dass wir so etwas erwartet hätten, Gott bewahre, aber befürchtet haben wir es. Und nun ist passiert.

Wir trauern um die Opfer und mit den Angehörigen. Aber auch darum, dass unsere Gesellschaft die Klarheit verloren hat, mit der sie lange „Nie wieder“ zu Antisemitismus gesagt hat. Unsere Anteilnahme und Solidarität gilt der jüdischen Kultusgemeinde bei uns im Bergischen, die hier nicht wegzudenken ist.

Das Geschehen von Halle ist aber, so meine ich, kein Einzelfall und nicht bloß ein Alarmzeichen. Es zeigt, dass wir alle endlich wahrhaben müssen, da hat sich etwas zusammengebraut: ein Nährboden für Antisemitismus und Rassismus, auf dem viel zu ungestört Gedanken, Worte und Taten wachsen. Das können wir alle nicht hinnehmen! Das nehmen wir nicht hin!

Denke niemand, er könne mit der Kirche gut Freund sein und die jüdischen Menschen hassen: Wer antisemitisch denkt und handelt, lästert Gott! Wer antisemitisch denkt und handelt, denkt und handelt auch christentumsfeindlich!

Denke niemand, er könne unsere Gesellschaft verteidigen, indem er bestimmte Gruppen angreift und loszuwerden trachtet: Wer Juden, Muslime, Zugewanderte, Feministinnen oder sonst wen in unserem Land zu „Anderen“ erklärt, diskriminiert und verfolgt, der zerstört Menschlichkeit und Freiheit für alle und auch für sich selbst und greift die Grundlagen der ganzen Gesellschaft an.

Darum rufe ich Sie auf, Christen und Christinnen und alle Bürger und Bürgerinnen Solingens: Steht auf, werdet laut gegen Hass und Gewalt in Worten und Taten! Übernehmt aktiv Verantwortung für die Freiheit und für die Menschlichkeit unserer Gesellschaft!

Wo Juden und Jüdinnen gefährdet sind, sind wir alle gefordert.

 

11.10.2019



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