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für den 27.09.2021

Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort.

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Mein Corona - Fragen an Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit

"Warum braucht es eine existentielle Bedrohung, damit wir erkennen, was wirklich wichtig ist?"

Wie verändert Corona unseren Alltag? Was bewegt uns in diesen Zeiten besonders? Und wie bringen wir vielleicht Gott ins Spiel? Das sind die Themen unserer neuen Rubrik "Mein Corona". Den Anfang macht die Gesundheitsamts-Leiterin Dr. Annette Heibges.

Sucht Infektionsketten und Lösungen in schwierigen Corona-Zeiten: die Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, Dr. Annette Heibges (Foto: Dr. Axel Heibges) LupeSucht Infektionsketten und Lösungen in schwierigen Corona-Zeiten: die Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, Dr. Annette Heibges (Foto: Dr. Axel Heibges)

Frau Dr. Heibges, wie hat sich Ihr Alltag durch Corona verändert?

Eine Kollegin hat es letztens ganz gut zusammengefasst: "Wir stehen mit Corona auf und gehen mit Corona wieder schlafen." Mittlerweile hat sich die Situation ja ein bisschen entspannt und es gibt zwischendurch auch wieder normale, Nicht-Corona-Momente mit meiner Familie oder dem Hund. Diese Zeiten nehme ich als etwas ganz Besonderes und nicht mehr Selbstverständliches wahr.

Worüber haben Sie sich vor kurzem besonders gefreut und was hat Sie besonders betrübt?

Am Wochenende nach dem Schließen der Schulen wurde klar, dass wir im Gesundheitsamt erstmals Infektionsketten nicht mehr zurückverfolgen konnten, sondern davon ausgehen mussten, dass sich das Virus in Solingen ausgebreitet hatte und sich exponentiell vermehrte. Große Teile der Stadtverwaltung, natürlich auch das Gesundheitsamt und der Krisenstab, haben an diesem Wochenende permanent und, wie ich finde, hoch professionell  gearbeitet. Abends sahen wir im Stab Bilder von völlig verzweifeltem Intensivpersonal in Bergamo. Wir alle wussten, dass wir auf eine vergleichbare Situation zuliefen. Das war für mich der belastendste Moment in dieser Zeit.

Umso beeindruckender waren dann die nächsten Wochen. Die Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern, den niedergelassenen Ärzten, dem Rettungsdienst, dem Katastrophenschutz und natürlich mit den Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitsamt und der Verwaltung war auf allen Seiten geprägt von dem Wissen um den Ernst der Situation und getragen von dem Wunsch, jetzt alles zu tun, um die Folgen für Solingen abzumildern. Dabei spielten Einzelinteressen oder Konkurrenz keine Rolle mehr. Gleichzeitig meldeten sich so viele freiwillige Helfer, dass wir anfangen konnten, Menschen zu schulen und jetzt sogar Personal in Reserve haben.

Und zusammen ist es uns tatsächlich gelungen, Solingen so gut wie möglich vorzubereiten. Das Netz im medizinischen Bereich, das wir in dieser Zeit gespannt haben, lässt mich jetzt viel hoffnungsvoller auf die nächsten Wochen und Monate blicken.

Zurzeit gibt es viele Erwartungen, Fragen oder Vorhaltungen, die sich an Menschen aus Wissenschaft und Politik richten. Gibt es etwas zum Thema „Corona“, das Sie gerne mal Gott sagen würden?

Am Beginn der Krise entwickelten sich spontan Ideen, wie man sich gegenseitig unterstützen und zusammenhalten kann. Die Menschen gingen achtsamer und wertschätzender miteinander um als sonst. Jetzt sinken die Fallzahlen und die Stimmung fängt an umzuschlagen. Einzelinteressen und persönliche Vorteile stehen wieder im Vordergrund, es werden Schuldige gesucht.

Warum braucht es eine existentielle Bedrohung, damit wir erkennen, was wirklich wichtig ist? Warum vergessen manche alles nach nur wenigen Wochen? Es ist doch ganz offensichtlich, dass wir im eigentlichen Sinn des Wortes menschlich zusammenleben können, wenn wir das wirklich wollen. Warum machen wir das dann nicht?

Sind das Fragen an Gott oder eher an uns selbst? Ich weiß es nicht.

Was wünschen Sie sich in diesen Zeiten von der Kirche?

„Die Kirche“ - das sind ja immer die Menschen, die sie gestalten. Ich bin völlig fasziniert, wie viele außergewöhnliche, liebevoll kreative Ideen es gibt, um trotz aller Beschränkungen Kontakt zu anderen Menschen zu erhalten oder aufzubauen, und wie viele Menschen sich hierzu Gedanken und Mühe machen. Ich persönlich darf das als Mitglied der Dorper Kantorei mit ihrem großartigen Zusammenhalt gerade jetzt erfahren. Ein hoffnungsvolles und ermutigendes Zeichen - auch wenn ich mich sehr auf einen "normalen" Kontakt freue.

 

07.05.2020



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