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für den 18.08.2019

Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen.

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Pfingsten

„… und ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden“

Das Wunder weltweiter Verständigung ist fester Bestandteil der Pfingstgeschichte. Das schreibt Markus Schaefer, Pfarrer für die Gemeinden anderer Sprache, in seinem Pfingstbeitrag für ekir.de, das Webangebot der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Verständigung in vielen Sprachen: Szene vom Kirchentag im Mai 2013 in Hamburg (Foto: DEKT). Verständigung in vielen Sprachen: Szene vom Kirchentag im Mai 2013 in Hamburg (Foto: DEKT).

Das ist der Traum aller Schüler, die sich mit französischen Vokabeln und englischer Grammatik herumplagen: Plötzlich beherrschen ganz durchschnittlich begabte Menschen akzentfrei gleich mehrere Fremdsprachen.

Begabt mit dem Heiligen Geist, so berichtet Lukas im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte, predigen die Jünger Jesu in Jerusalem von den großen Taten Gottes. Das Wunder weltweiter Verständigung ist ein fester Bestandteil der Pfingstgeschichte - und doch hat es so wenig praktischen Niederschlag in unseren Pfingsttraditionen und -gottesdiensten gefunden.

Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg sitzen 15 Menschen aus drei Erdteilen in einem kleinen Saal zusammen und teilen miteinander einen Bibeltext. Erfahrungen, Gefühle und Einsichten sind verschieden, aber die Grundlage - die Gute Nachricht der Bibel - wird von allen und mit allen geteilt. Es geht im Text um die Vielfalt der Sprachen: „Es gibt so viele Arten von Sprache in der Welt, und nichts ist ohne Sprache“ (1. Kor 14,10). Die Vielzahl der Sprachen schafft Probleme, auch in dieser kleinen Gruppe. Gelegentlich muss ins Englische und Französische übersetzt werden. Auch inhaltlich geht es kontrovers zu: Einige heben die Bedeutung der Zungenrede, der unverständlichen Sprachen der Engel, als direktes Zeugnis des Heiligen Geistes in ihren Gemeinden, als das Pfingstwunder schlechthin, hervor. Damit können die deutschen Teilnehmenden wenig anfangen und teilen eher die Skepsis des Apostels Paulus.

Phasen der Stille und des Hinhörens auf einzelne Worte bieten Gelegenheit, sich auf das Mit-Geteilte einzulassen. So erkennen die Gesprächsteilnehmenden den Reichtum der Erfahrungen und geistlichen Güter der anderen. Zum Schluss beten alle das Vaterunser, nacheinander, jeder in seiner Sprache: Ngemba, Twi, Koreanisch, Französisch, Malayalam, Englisch, Deutsch. Ein bewegender Moment. Ich bin begeistert und mir leuchtet plötzlich ein, was Pfingsten, was das Sprachenwunder von Jerusalem bedeutet: Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und Kultur verstehen einander, verstehen sich als Schwestern und Brüder, überbrücken Differenzen und Meinungsverschiedenheiten und treten als eine Kirche in Wort und Tat auf – und für andere ein.

Die Urgemeinde in Jerusalem wird, nicht nur beim Pfingstwunder, als ideale Gemeinschaft geschildert: Mutige, polyglotte Zeugen, solidarische Gemeindeglieder, wundervolle Lösungen für kulturelle Spannungen. Ob das tatsächlich so war? Wer weiß.

Dass sich Menschen verschiedener Herkunft, Sprache und Kultur verstehen und zu einer verbindlichen Gemeinschaft zusammenfinden, ist heute mehr denn je eine Notwendigkeit. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Im letzten Jahr sind mehr als 800.000 Menschen zu uns gekommen. Geben unsere Gemeinden in dieser Situation ein Beispiel für das Wirken des Heiligen Geistes? Leben wir ein friedvolles Miteinander verschiedener Kulturen, Sprachen und Glaubensbekenntnisse vor? Oder ziehen wir uns nicht auf unsere deutsche Kultur, Sprache und Tradition zurück? Kommen Menschen in unseren Gemeinden vor, die anders aussehen, anders sprechen, anders glauben? Es muss nicht gleich Zungenrede oder ein Sprachenwunder sein: Wie pfingstlich sind unsere Gemeinden, wenn in ihnen nur eine Sprache, eine Kultur, eine Tradition zuhause ist?

Evangelische Kirche könnte in Zeiten wachsender Intoleranz und Gewaltbereitschaft ein Modell sein für das Zusammenleben von Menschen aus aller Welt. Nicht, indem wir alle gleich werden, sondern indem wir die Vielfalt von Traditionen und Sprachen als Reichtum entdecken, der die Kirche lebendig erhält.

Durch den Heiligen Geist können wir ein neues Verständnis einüben: Zum Erzählen ermutigen, wo Menschen mundtot gemacht werden. Reden, wo ihr Schicksal totgeschwiegen wird. Begegnung zwischen Jung und Alt schaffen, wo die Generationen keine gemeinsame Sprache mehr finden. Den Menschen Worte geben, die verlernt haben, ihren Gefühlen und Verletzungen Ausdruck zu verleihen.

Wo die Sprachlosigkeit endet und neues Verständnis wächst, da geschieht tatsächlich ein Wunder, nicht nur an Pfingsten.

 

17.05.2013



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