Losung

für den 24.10.2019

Du hast Menschen über unser Haupt fahren lassen, wir sind in Feuer und Wasser gekommen. Aber du hast uns herausgeführt und erquickt.

Psalm 66,12

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Präses Rekowski im Festgottesdienst "1000 Jahre Wald"

"Symbol für 1000 Jahre Kirchengeschichte"

Der rheinische Präses Manfred Rekowski würdigte im Festgottesdienst das 1000-jährige Jubiläum der Walder Kirche und des ganzen Stadtteils. Er blickte auch auf die Veränderungen der Gegenwart und machte Mut für den Weg in die Zukunft.

Predigte zum Jubiläum in der Walder Kirche: Präses Manfred Rekowski (Archivbild) Predigte zum Jubiläum in der Walder Kirche: Präses Manfred Rekowski (Archivbild)

Mit einem bunten Festgottesdienst startete die Evangelische Kirchengemeinde Solingen-Wald in den Feiersonntag zum Höhepunkt ihres 1000-jährigen Jubiläums von Walder Kirche und Stadtteil Wald. Mit dabei war in der vollbesetzten Walder Kirche neben Superintendentin Dr. Ilka Werner, Oberbürgermeister Tim Kurzbach und zahlreichen Mitwirkenden aus der Gemeinde auch der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, als Festprediger.

„Dieses Gebäude ist ein Symbol für 500 Jahre katholische Kirche, 500 Jahre evangelische Kirche und somit für 1000 Jahre Kirchengeschichte“, würdigte der Theologe das besondere Jubiläum und die Kirche mitten im Stadtteil. Gegenstand seiner Predigt war aber nicht nur die Vergangenheit des Gebäudes, sondern auch die Gegenwart der evangelischen Kirchengemeinde: „Die Kirche in Solingen-Wald lebt von der Kraft des Heiligen Geistes und hält Kurs zu den Menschen: geistlich, diakonisch, seelsorglich, gesellig, kulturell, im Stadtteil, in der Region und mit weitem Blick auf die Welt.“ Für die Zukunft ermunterte Präses Rekowski die Gemeinde, sich auch künftig immer wieder mutig zu „entscheiden, wie Sie Kirche sein wollen“ und Gott darum zu bitten, den richtigen Weg zu zeigen.

Wir dokumentieren das Predigtmanuskript von Präses Rekowski im vollen Wortlaut:

Predigt von Präses Manfred Rekowski

im Rahmen des Festgottesdienstes zu 1000 Jahre Wald
am Sonntag, 22. September 2019

Es gilt das gesprochene Wort.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

1.    Millennium in Solingen Wald!

Die Walder Kirche: sie ist eine Kirche in der Stadt; sie ist eine Kirche im Stadtteil; sie ist eine Kirche im Dorf: alles drei stimmt! So wird sie auch wahrgenommen, wenn man in den Stadtteil hineinfährt - egal von welcher Richtung man kommt – ob von Ohligs, von Gräfrath über die Hauptstraße, die rund um Solingen führt – immer sieht man irgendwann den Turm der Kirche, markant durch das grüne Kupferdach. Von allen Seiten wird die Kirche gesehen: auch von Menschen, die nicht zur Kirche oder Gemeinde gehören. Kirchengebäude sind immer auch öffentlich sichtbare architektonische Verkündigung. Sie erinnern daran, dass es zwischen Himmel und Erde mehr gibt als das, was man in Euro und Cent zählen kann.(1) Die Jubilarin ist die Kirche auf dem Platz: zwar kein Marktplatz, aber hier finden Feste statt: kleine Stadtfeste; zu Pfingsten wird gefeiert, der Weihnachtsmarkt aufgebaut, der Walder Kultursommer: und die Kirche wird geöffnet! Die Kirche, die Gemeinde ist mitten dabei.

In einem Zeitungsartikel einer überregionalen Zeitung am vergangenen Samstag fragte ein Journalist (2) angesichts der Versteigerungen oder des Verkaufs von Kirchen: „Wenn aber auch noch aus der letzten Kirche ein Teppich-Abholzentrum geworden ist, wird man feststellen, dass die Kirchen die allerletzten Räume eines noch nicht endgültig durchfunktionalisierten Andersseins waren. Auch letzte öffentliche und freie Räume jenseits der privatökonomischen Weltordnung. Es ist nicht so, dass es nicht genug Profanes und Banales gäbe in der Welt.“

Eine Reihe von Kirchen steht inzwischen aus unterschiedlichen Gründen – hohe Personalund/ oder Bauunterhaltungskosten – leer, und sie werden aufgegeben.  Ein Soziologe schreibt in einem Buch über „Kirchen im Wandel“ (3): „Die Säkularisierung der Gesellschaft hat viele Folgen, unter anderem den Leerstand, die Umnutzung und auch den Abriss von Kirchen. Die Umnutzung von Kirchen ist ein Phänomen aller Zeiten und Länder.  Spezifisch für das aktuelle Phänomen der Kirchenumnutzung ist jedoch die Schnelligkeit, mit der sich dieser Prozess vollzieht.“

Auch in Ihrer Gemeinde gab es Verkauf und Abriss eines Gemeindezentrums/einer Kirche.  Und es wird wohl nicht die letzte Kirche oder das letzte Gemeindehaus in Solingen sein, von dem man sich schweren Herzen trennen muss, so wie an anderen Stellen in unserer Kirche. Das war und ist nicht unumstritten. Bei allen notwendigen Veränderungen, die die Gemeinde und Kirche insgesamt geht und gehen muss – als Kirche der Reformation sowieso: ecclesia semper reformanda – schmerzen diese Verluste und notwendigen Umstrukturierungen viele Walder aus den anderen Bezirken sehr. Auch das haben wir heute bei dem Jubiläum im Kopf und im Herzen. Heute blicken wir auf die Walder Kirche und wissen sehr wohl um den Hintergrund in der Gesamtgemeinde. Dennoch feiern Sie heute: sie feiern heute Millennium oder anders ausgedrückt: „Dieses Gebäude ist ein Symbol für 500 Jahre katholische Kirche, 500 Jahre evangelische Kirche und somit für 1000 Jahre Kirchengeschichte“. (4)

2.    Religion ist ins Gerede gekommen

Wie kommt es zu solch einer langen Glaubensgeschichte? Es ist gut, an diesem Ort mit seiner 1000-jährigen Geschichte – immerhin der Hälfte der Zeit des Christentums! – daran zu erinnern, was Kirche ausmacht, neben dem Gebäude. Anlässlich eines Kirchenjubiläums daran zu erinnern, ist in guter Weise Vergegenwärtigung des Evangeliums. Wer oder was erhält eine Kirche 1000 Jahre lang? Beharrungsvermögen? Beständigkeit? Treue zur Tradition? Kluge und vorausschauende Bauunterhaltung? Ist das Jubiläum ein Ergebnis einer Kraftanstrengung der Menschen, die diese Kirche als Gemeindeglieder getragen haben und tragen; so auch der Denkmalstiftung Walder Kirche e. V.? 

Liebe Festgemeinde, uns schlägt heute manchmal der Wind ins Gesicht. Religion ist ins Gerede gekommen, die Austrittszahlen sind zu hoch. Das lässt sich nicht leugnen. Aber wir sind kein Auslaufmodell, das nur noch deswegen da ist, weil man vergessen hat, uns wegzuräumen, um so die Bühne für Neues frei zu machen.
In der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 heißt es in These III „Die christliche Kirche ist die Gemeinde von (Schwestern und) Brüdern, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt.“ Der gegenwärtige –also der gegenwärtig wirkende – Christus hält, trägt und erhält die Kirche.

Wir sind und bleiben Kirche – unter anderen Rahmenbedingungen – und stimmen mit ein in das Lob des Geheilten, wie wir es vorhin in der Lesung hörten: „… und er pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm.“ (5)

3.    Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht: damals (zur Zeit des Jesaja)

Liebe Gemeinde, in der Kirche hört man Worte, die man sich nicht selber sagen kann. Hier wird man bewegt, berührt und verändert. Hier hat das Leben Raum – auch in seinen Tiefen und Abgründen.  Hier wächst das Lebendige und Leben blüht auf. Hier erhalten wir Rat und Trost.

Die Bibel berichtet zur Zeit des Alten Testaments von einer besonderen Art von Ratgebern: den Propheten. Sie waren beauftragt, für Gott zu sprechen. Sie teilten mit, was Gott selbst ihnen gesagt hatte. Das Buch des Propheten Jesaja nimmt uns mit in eine Zeit besonderer Gefährdung: Jesaja hatte im Auftrag Gottes vor Kriegskoalitionen gewarnt und zum Vertrauen auf Gottes Schutz und Nähe aufgefordert: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“ (Jesaja 7,9). 800 Jahre vor Christi Geburt gab er dem König Ahas in Juda diesen markanten Satz mit auf den Weg: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“ Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht: ein sinniges Wortspiel: König Ahas wollte einen Krieg führen, den er nur verlieren konnte. Gott schickt Jesaja zu ihm, um ihn von diesem Vorhaben abzubringen und ihm eine andere Möglichkeit aufzuzeigen: Gott selbst wird sein Volk schützen. Die einzige Bedingung, die Gott stellt, um den Krieg zu verhindern, ist: Das Volk muss IHM glauben, IHM vertrauen.

„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“
Jesaja sagt eindringlich: Wenn ihr euch nicht festmacht in Gott, dann werdet ihr nicht fest bleiben, so könnte man dieses Wortspiel übersetzen. Die Mächtigen damals und heute suchen starke Koalitionspartner und militärische Sicherheit. Ein Blick in die Zeitung und Nachrichten aus der Tagesschau genügt: so tickt unsere Welt. Der Prophet setzt dagegen allein auf Gottvertrauen: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“ Auch und gerade in Zeiten der Veränderungen und der Umbrüche gilt: Macht euch fest in Gott – er ist mit euch. Das gilt für Gottes Volk – das gilt auch für mein Leben. Das mag naiv oder weltfremd klingen, doch: wer sein Vertrauen auf Gott setzt, ist weder dieser Welt entrückt noch dem Alltag enthoben.  Garantien gibt es keine, sondern allein das Versprechen: Gott wird euch nicht verlassen. Er bleibt bei euch und wird ausführen, was er versprochen hat. Vertraut auf ihn. Lasst euch nicht einbinden in Machtkonstellationen und Bündnisse der vermeintlichen Stärke. Nehmt eure Verteidigung nicht selbst in die Hand. Bleibt ruhig im Vertrauen auf den Gott, der mit euch ist. Hört die Zusage Gottes, mit seinem Volk zu sein: im Wandel der Zeiten, in Zeiten der Kriegsgefahr und in Zeiten der Versuchung. Jesaja wirbt für Gottes Treue, für Gottes Festhalten an uns in wechselnden Zeiten. Und Gott wirbt darum, dass wir ihm vertrauen und unser Leben an ihm festmachen: in allen Bezügen des kirchlichen und weltlichen Lebens.

4.    Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht: … und heute

Wie stellt sich das in Solingen Wald dar? Wie drücken Sie ihren Glauben in diesem Jahrzehnt mit Ihrer ein-Jahrtausend-alten Geschichte aus? „Geld haben wir keines, aber viele tolle und engagierte Menschen“, so charakterisierte einer Ihrer Gemeindepfarrer die tragenden Säulen Ihrer Gemeinde. (6) Ihr Glauben hat auch die Willkommenskultur nach den Flüchtlingszuzügen in den vergangenen Jahren ermöglicht: „Plötzlich stehen viele Neubürger da. Wir haben Turnhallen und Gemeindehäuser geräumt, haben eine Willkommenskultur geschaffen, Patenschaften übernommen und Sprachunterricht organisiert. Ein starkes Stück Solingen.“ (7)
Die Kirche in Solingen-Wald nimmt die Menschen in den Blick und sie ist deshalb vielfältig: sie lebt von der „Kraft des Heiligen Geistes und hält Kurs zu den Menschen“ (8): geistlich; diakonisch; seelsorglich; gesellig; kulturell; sportlich; feierlich; im Stadtteil, in der Region und mit weitem Blick auf die Welt. Sie, die Sie hier zu Hause sind oder die Gemeinde besser kennen als ich, könnten jetzt viele Beispiele aus Ihrem Gemeindeleben beschreiben. Sie hier vor Ort fragen immer wieder neu, wie Sie Kirche sein sollen und entscheiden, wie Sie Kirche sein wollen.

5.    Gottes Wort ist nicht nur ein Wort, sondern es wirkt, was es sagt.

Liebe Festgemeinde, glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht. Was die Zukunft bringen wird, wie sich die Gemeinde und ihr Umfeld entwickeln werden, weiß niemand. Weil wir ins Unbekannte gehen, ermutigt uns Gottes Versprechen, allezeit mit uns zu sein wie:
•    beim Auszug des Volkes Gottes aus Ägypten
•    zu Pfingsten in Jerusalem
•    während der Reformation
•    bei der Barmer Theologischen Erklärung
•    im vergangenen 20. Jahrhundert und
•    in den bewegten (9) zwei ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts.

Wir glauben daran: Er bleibt für uns der „Gott mit uns“. Machen wir uns fest an dem Gott, der durch die Jahrhunderte mit uns gegangen ist und weiterhin gehen wird. Kirche steht und fällt nicht mit ihrer Bautätigkeit oder ihren Einrichtungen. Nein, Gott kommt auf uns zu in den Worten des Evangeliums – in Zuspruch und Anspruch. Und so wir bitten Gott als Festgemeinde des heutigen Tages: Zeige uns den Weg, der zum Ziel uns bringt; wenn wir ratlos sind; wenn uns nichts gelingt; zeige uns den Weg in die Ewigkeit; zeige uns den Weg, der zum Ziel uns bringt. (10)

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren. Amen.

(1) Grußwort Präses Manfred Rekowski: Festschrift zum 1000-jährigen Jubiläum des Walder Kirchturms. Seite 5
(2) Süddeutsche Zeitung, 14./15.9.2019; Georg Matzig: Versteigerung der Kirche St. Anna plus Pfarrhaus in Altena – Mindestgebot 99.000,- €
(3) Nico Nelissen in: „Kirchen im Wandel“, hrsg. Oliver Meys und Birgit Gropp
(4) Schirmherr und Oberbürgermeister der Jahre 1999-2009 Franz Haug
(5) Lukas 17,15.16
(6) Reinzhagen Zöppkesmahlzeit Traditionsveranstaltung in Solingen Wald im Clemenssaal 14.9.2019
(7) aaO.
(8) In Anlehnung an das Thema der Bundesmitarbeitertagung 2019 des CVJM Westbund „Fernweh: mit weitem Horizont, mit der Kraft des Heiligen Geistes, mit Kurs zu den Menschen.“
(9) Rassismus; Antisemitismus; Gewalt; Hass; Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes
(10) Lied nach der Predigt: Wortlaute Nr. 111 „Zeige uns den Weg“ (Musik und Text: Musik: R. Strauß-König)

 

23.09.2019



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