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für den 29.05.2022

Salomo sprach: 

Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?

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Gedanken zum Totensonntag von Ilka Werner

Ein Fest für die Toten

Eine Zeitschrift berichtet vom Dia de los muertes: ein Fest in Mexiko, das von dem Glauben lebt, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Interessant!, denkt Superintendentin Dr. Ilka Werner, und macht sich kurz vor dem Totensonntag dazu so ihre Gedanken. 

Denkt am Totensonntag schon an Ostern: Superintendentin Dr. Ilka Werner. Denkt am Totensonntag schon an Ostern: Superintendentin Dr. Ilka Werner.

Ich lese die Zeitschrift „Brigitte“. In einem Heft war letztens ein schöner Artikel. Über ein Fest der Toten, dass am 2. November gefeiert wird. In Mexiko. Und in diesem Artikel stand sinngemäß folgender Satz: ‚In Mexiko denken die Menschen, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Dass der Tod nicht das Ende ist, dass da ein Leben weitergeht.‘

Ich stutzte, als ich das las. Und dachte: Nee, Mexiko, schon klar. Hallo? Die nächste Kirche hier in Solingen ist höchstens 500 Meter weg. Da kann man das hören, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, dass der Tod nicht das Ende ist, dass ein Leben irgendwie weitergeht. Da kann man das hören, jeden Sonntag. Aber: Mexiko! Da glauben das die Leute. Geht’s noch?

Christliche Wurzeln
 

Und dann stutzte ich noch mal und überlegte: Warum schreibt die Autorin da nichts von Christentum, nichts von Auferstehung, nichts davon, dass das mit dem ewigen Leben die Pointe ist von der christlichen Botschaft von Gottes Liebe? Warum schreibt die das nicht? Na ja, weil sie eben dieses mexikanische Fest beschreiben will – das übrigens auch christliche Wurzeln hat. O.K., denke ich, Christentum ist nicht ihr Thema. Gut.

Aber ein Hinweis, ein Wort, ein Halbsatz hätte doch…? Wollte sie offensichtlich nicht. Vielleicht, weil der Glaube über den Tod hinaus im Zusammenhang mit dem mexikanischen Fest der Toten schön, neu und spannend klingt: Ein Fest für die Toten, wo die Lebenden jeden Friedhof in eine freundliche und in Erinnerungen schwelgende Party-Zone verwandeln, hey, wie cool ist das denn?

Während der christliche Glaube über den Tod hinaus nicht so neu, schön und spannend klingt, sondern angestaubt und höllenverschmiert. Und weil unsere Feste nicht gerade für Partystimmung bekannt sind.Vielleicht ist das das eine. Dass unsere Formen ein bisschen langweilig geworden sind. Nun, das kann man ändern.

Keine Plausibilität, kein Glaube
 

Ich fürchte allerdings eher, dass unser Glauben ein bisschen langweilig geworden ist und die spannende Botschaft von dem Leben nach dem Tod nur noch leise weitergesagt wird. Als müssten wir uns ihrer schämen. Weil sie so gar nicht beweisbar ist. Und weil in unserer wissenschaftlich geprägten Zeit alles beweisbar sein muss. So schräge Dinge wie ‚Gott‘ und ‚ewiges Leben‘ erst recht. Kein Beweis, keine Plausibilität, kein Glaube – voll alt, total aus der Zeit gefallen, von gestern und irgendwie unaufgeklärt. Vielleicht sogar ein bisschen dumm. Und dumm wollen wir nicht so gerne rüberkommen, wir Christenmenschen. Also wird unser Reden von der Auferstehung leise. Und Friedhof-Partys feiern wir erst recht nicht mehr.

„Mexiko“ klingt dann so wie: kein Beweis nötig. „Solingen“ oder „Deutschland“ dagegen: Vernunft ist Bedingung, Beweise her! Und wir Kirchenleute lassen uns davon ins Bockshorn jagen. Warum eigentlich? Ja, warum eigentlich? Und während ich auf die Autorin dieser Brigitte-Geschichte mit dem Finger zeige, weisen die anderen Finger zurück auf mich: Kann ich nicht lauter reden dem Glauben an die Auferstehung, lauter von der Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist, mutiger von der Sehnsucht danach, dass Gott irgendwie das Unrecht, auch das, was schon lange zurückliegt, zurechtbringen kann und heilen und dass Gott denen, deren Leben hier auf der Erde zu kurz oder eine Hölle war, ein ewiges Leben geben kann, das glücklich sein wird?

Eine Party auf den Friedhöfen
 

Können wir nicht lauter reden von unserer Hoffnung, unserem Glauben und auch davon, dass das alles eben nicht bewiesen ist, aber eine so spannende und aufregende Möglichkeit, dass sie eine Party allemal wert ist. Vielleicht nicht im November, da ist es kalt auf den Friedhöfen. Besser im Frühling, Ostern, wenn wir feiern, dass da einer schon aufgestanden ist, Jesus, der Heiland, der Erste, der nicht tot blieb.

Eine Party auf den Friedhöfen zu Ostern. Laut, mit Musik und den Geschichten, die an die Toten erinnern und den Geschichten aus der Bibel, die Hoffnung machen auf ewiges Leben. Und wenn wir demnächst, am Totensonntag, leise auf die Friedhöfe gehen und Blumen oder Kerzen auf die Gräber stellen, dann lasst uns den Toten schon mal von dem Auferstehungsfest erzählen und üben, ein bisschen lauter daran zu glauben. Damit wir im Frühling schon wieder etwas Übung haben, im Glauben, im Hoffen und im Feiern.

Dr. Ilka Werner

 

12.11.2021



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