Losung

für den 17.09.2019

Wo sind denn deine Götter, die du dir gemacht hast? Lass sie aufstehen; lass sehen, ob sie dir helfen können in deiner Not!

Jeremia 2,28

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Service

Superintendentin Dr. I. Werner zum Moschee-Neubau in Solingen

Religionsfreiheit garantiert, den islamischen Glauben zu leben

Die DITIB-Gemeinde von der Kasernenstraße baut in den nächsten Jahren ihre Moschee an der Schlachthofstraße neu. Die Evangelische Kirche begrüßt das. Der Neubau ist möglich, weil im deutschen Grundgesetz Religionsfreiheit verankert ist.

Unter Religionsfreiheit ist die Freiheit des oder der Einzelnen zu verstehen, eine Religion zu haben oder nicht zu haben oder zu wechseln. Und unter Religionsfreiheit ist das Recht jeder Religionsgemeinschaft zu verstehen, ihre Religion ungestört auszuüben. Dabei müssen die Religionsgemeinschaften die geltenden Gesetze beachten und einhalten – und dabei muss die ganze Gesellschaft die Religionen achten und schützen. Aus kirchlicher Sicht ist das Grundrecht der Religionsfreiheit sehr wichtig: Denn einen Glauben sucht man sich nicht im Supermarktregal aus – mit dem Glauben ist es eher umgekehrt: Man wird ausgesucht und überrascht und gewissermaßen gefangen genommen; darum stellt jeder Zwang, einen Glauben abzulegen oder anzunehmen eine Nichtachtung der persönlichen Integrität dar.

Der persönliche Glaube und die Religionszugehörigkeit allein charakterisieren einen Menschen nicht. Dazu kommen Herkunft, Bildung, Vorlieben und Erfahrungen, politische Überzeugungen, emotionale Bindungen und die einzigartige eigene Geschichte. Darum mischen sich in unserer Gesellschaft in der Frage, wie wir alle gut zusammen leben können, Religion und Kultur und Politik und Macht und Milieu und Familiengeschichte und vieles andere. Diese Vielfalt auf einen Aspekt davon zu reduzieren funktioniert nicht: so gibt es ebenso wenig „den Islam“ oder „die Muslime“ wie „den Christen“ oder „die Kirche“ oder „den Atheisten“.

Es geht darum, die Beziehungen zu gestalten und jeden der Aspekte ernst zu nehmen.

Die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) hat in ihrem jüngsten Beschluss zum Verhältnis von Christentum und Islam von 2018 die religiöse Beziehung thematisiert und betont die Wahrnehmung des Glaubens der Muslime als Glauben an den einen Gott, bejaht eine innere und inhaltliche Beziehung der Glaubensgemeinschaften, ermutigt zur Bezeugung des eigenen Glaubens in der persönlichen Begegnung und im interreligiösen Dialog, wendet sich gegen jede Ausgrenzung und Verunglimpfung von Menschen wegen ihrer Religionszugehörigkeit und tritt für Religionsfreiheit als ein universales Menschenrecht ein (s. den Text des Beschlusses im Anschluss).

Die Kirche hat sich in den Beratungen zu diesem Beschluss immer wieder mit dem Vorwurf auseinandersetzen müssen, sie sei naiv und würde den politisch-ideologischen Charakter des Islam verkennen. Das tut sie nicht, und sie versucht auch nicht, politische oder soziale Konflikte durch religiösen Dialog zu lösen. Sie versteht die religiöse Beziehung als einen Teil der vielfältigen Bezüge und der vielschichtigen Dimensionen der Begegnung. Sie beharrt aber darauf, dass es falsch ist und der Religionsfreiheit widerspricht, den religiösen Charakter des Islam zu verkennen. Der religiöse Dialog ist eine ausgestreckte Hand für alle, die sie ergreifen wollen.

Zum praktischen Dialog der Religionen, wie er in Solingen im christlich-muslimischen Gesprächskreis, am runden Tisch der Religionen, beim Abrahamitischen Gastmahl und bei vielen Einzelbegegnungen geschieht, gehört die Entdeckung von Gemeinsamkeiten genauso wie die Anerkennung von Differenzen und manche Auseinandersetzung über strittige Punkte oder Einstellungen genauso wie das Aushalten von Problemen, die jetzt nicht zu lösen sind – und es gehört dazu das gemeinsame Einstehen gegen Diskriminierung, gegen Islamfeindlichkeit, gegen Antisemitismus, gegen jede gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

Beschluss 55 der Landessynode 2018 der Evangelischen Kirche im Rheinland
Für die Begegnung mit Muslimen. Theologische Positionsbestimmung

Seit mehr als vierzig Jahren engagiert sich die Evangelische Kirche im Rheinland im Dialog mit Muslimen und Musliminnen. Zu zahlreichen Aspekten des Zusammenlebens, des Dialogs und der Theologie hat sie schon Stellung bezogen. In Fortführung dieses Weges formulieren wir heute folgende wichtige Einsichten und Impulse für die Weiterarbeit:

1. Im Hören auf die Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments und in der Antwort ihres Glaubens weiß sich die Evangelische Kirche im Rheinland gebunden an das Bekenntnis zu Jesus Christus, dem gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes, der in der Bundesgeschichte Gottes mit seinem Volk steht. Diese Bindung verdankt sie dem heilvollen Wirken der Gnade Gottes. Sie nimmt den Glauben muslimischer Menschen als Bindung an den einen Gott wahr.

2. Die Evangelische Kirche im Rheinland sieht im jeweils eigenen Bezug von Christentum und Islam auf die biblischen Traditionen, in der Wertschätzung der Muslime und Musliminnen für Jesus als besonderen Propheten und im Leben vor Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit eine Beziehung zwischen beiden Religionen begründet. Hieraus ergeben sich Ansatzpunkte für das theologische Gespräch, in dem sowohl Gemeinsamkeiten als auch grundlegende Differenzen offen zur Sprache kommen. Die Evangelische Kirche im Rheinland betont, dass die Beziehung zwischen Christentum und Islam anders ist als die wesentliche, bleibende Bezogenheit des Christentums auf das Judentum.

3. Jesus Christus selbst wendet sich unterschiedlichsten Menschen in Liebe zu und ist Christen und Christinnen darin ein Vorbild auch in der Begegnung mit Muslimen und Musliminnen. Die Landessynode ermutigt die Mitglieder der Evangelischen Kirche im Rheinland dazu, ihren eigenen Glauben im Dialog zu erklären und freimütig zur Sprache zu bringen. Der Dialog zielt auf das gegenseitige Kennenlernen, das gemeinsame Handeln, das Aushalten von Differenzen sowie eine vertiefte Wahrnehmung der je eigenen Traditionen, nicht aber auf eine Konversion zur jeweils anderen Religion.

4. Die Landessynode beabsichtigt, den christlich-muslimischen Dialog in der Evangelischen Kirche im Rheinland zu vertiefen und auch in schwierigen Situationen daran festzuhalten. Die Evangelische Kirche im Rheinland hält diesen Dialog für einen kirchlichen Auftrag und ermutigt alle, die sich in Gemeinden, Kirchenkreisen und Einrichtungen in der Dialogarbeit engagieren, diese bereichernden Gespräche, Kooperationen und Modelle gemeinsamen Lebens und Arbeitens weiter zu entwickeln. Die Evangelische Kirche im Rheinland wendet sich gegen Ausgrenzung und Verunglimpfung von Menschen aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit. In unserer säkularen und demokratischen Gesellschaft stehen Christen und Christinnen und Muslime und Musliminnen in der Verantwortung für eine positive Gestaltung des Gemeinwesens. Hierzu gehört der Einsatz gegen alle Formen von Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, religiösem Extremismus und Fundamentalismus.

5. Die Evangelische Kirche im Rheinland bekräftigt: Als Christen und Christinnen treten wir ein für Religionsfreiheit als ein universales Menschenrecht. Die Religionsfreiheit beinhaltet zu glauben, nicht zu glauben und seinen Glauben zu wechseln sowie ihn öffentlich zu leben und zu bekennen. Die Evangelische Kirche im Rheinland begrüßt das Bestreben muslimischer Organisationen in Deutschland, ihr Verhältnis zum Staat rechtlich weiter auszugestalten. Sie befürwortet den Islamischen Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach und die Lehre Islamischer Theologie an den Universitäten. Die Evangelische Kirche im Rheinland ermutigt zu Kooperationen von Christen und Christinnen mit Muslimen und Musliminnen z.B. in der Seelsorge in Krankenhäusern, Justizvollzugsanstalten und in der Notfallseelsorge, in der diakonischen Praxis und im Bildungsbereich. Sie verstetigt die Möglichkeiten zur interkulturellen Öffnung im eigenen Arbeitsrecht.

6. Die Landessynode bittet die Kirchenleitung, die vielfältigen Vorschläge aus den Rückmeldungen der Kirchengemeinden, Kirchenkreise und Einrichtungen im Diskussionsprozess zur Weiterarbeit auszuwerten und auf der Grundlage dieses Beschlusses Vorschläge zu unterbreiten und umzusetzen, wie die Begegnung mit Muslimen und Musliminnen auf allen Ebenen der Kirche weiter gestärkt werden kann.

 

21.08.2019



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