Losung

für den 29.07.2021

Ihr Berge Israels, siehe, ich will mich wieder zu euch kehren und euch mein Angesicht zuwenden, dass ihr angebaut und besät werdet.

Hesekiel 36,9

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Seelsorge in Corona-Zeiten

Damit Abendstunden nicht zu dunkel werden

Ein Gruß per Post oder Kurznachrichtendienst oder ein ausgiebiges Telefonat: Die Pfarrerinnen und Pfarrer in Solingen gestalten Seelsorge auch in Corona-Zeiten. Der Bedarf sei deutlich größer als vor der Pandemie.

Nimmt wahr, dass der Bedarf nach Seelsorge gewachsen ist: Pfarrer Christian Lerch von der Luther-Kirchengemeinde. Nimmt wahr, dass der Bedarf nach Seelsorge gewachsen ist: Pfarrer Christian Lerch von der Luther-Kirchengemeinde.

In einer Krisenzeit wie dieser können kirchliche Seelsorgeangebote für Menschen eine wichtige Rolle spielen.  „Ich nehme wahr, dass der Bedarf an Seelsorge in den vergangenen Monaten gewachsen ist“, sagt Christian Lerch, Pfarrer der Luther-Kirchengemeinde. Häufiger als gewöhnlich melden sich Menschen am Telefon oder per Mail und formulieren eindeutig: „Ich habe Gesprächsbedarf.“ Das sei vor der Krise deutlich seltener vorgekommen. Lerch ermutigt die Menschen, diesen Schritt zu gehen. Schließlich gehört Seelsorge seit jeher zu den grundlegenden Funktionen der Kirche.

Seelsorge am Rande findet gerade nicht statt

Im Corona-Lockdown ist es nötiger als sonst, dass Menschen mit Gesprächsbedarf sich melden. Viele Gelegenheiten, bei denen Pfarrerinnen und Pfarrer sonst ganz niedrigschwellig mit ihren Menschen ins Gespräch kommen können, finden zurzeit nicht statt. Für Christian Lerch spiegeln die Anfragen genau das wider: „Seelsorge am Gartenzaun kann im Moment eben nicht stattfinden“, sagt er und denkt auch an die vielen kleinen Gelegenheiten, die sonst am Rande von Veranstaltungen, Team-Treffen oder Gottesdiensten entstehen. Auf dem Flur oder bei der Verabschiedung kommt dann manchmal zur Sprache, was Menschen gerade auf dem Herzen liegt. „Diese Augenblicke gibt es ja bei Zoom-Konferenzen nicht“, sagt er.

Seelsorge aktiv anbieten

Aktuell müssten solche Gesprächssituationen darum aktiver geschaffen werden. Darauf versucht Pfarrer Lerch zu achten – bei Begegnungen auf der Straße, wenn er spontan mit Gemeindegliedern ins Gespräch kommt oder Andachten mit einem kurzen Gruß per Post verschickt: „Nicht überall, wo Seelsorge drin ist, steht auch Seelsorge drauf“, sagt er. Und wenn er Menschen fragt, wie es ihnen gerade geht, dann hat er oft den Eindruck, dass die Menschen diese Frage gerade ernster nehmen. Oft entstehe dann daraus ein echtes Gespräch, so Lerch.

Schickt kurze Impulse per Smartphone: die Widderter Pfarrerin Kristina Ziegenbalg. Schickt kurze Impulse per Smartphone: die Widderter Pfarrerin Kristina Ziegenbalg.

Kurznachrichten per Smartphone

Auch die Widderter Pfarrerin Kristina Ziegenbalg sucht in der Corona-Krise aktiv den Kontakt zu Menschen aus ihrer Gemeinde. Sie schickt regelmäßig WhatsApp-Nachrichten in deren Alltag. Denn der ist in diesen Zeiten für viele schwierigen als sonst. Wenn der Unterricht mit den Kindern am Küchentisch längst abgeschlossen ist oder Senioren einen weiteren Tag ohne persönliche Begegnungen beschließen, wenn es leise wird in den Wohnzimmern, bei Familien und alten Menschen, bei Singles und Paaren, dann machen sich zuweilen die Sorgen breit – über die Zukunft, das Leben und die Krankheit, über Konflikte und die Einsamkeit. „Wenn die Menschen dann per Smartphone eine kleine Nachricht erreicht, dann kommt sie manchmal genau im richtigen Moment“, weiß die Pfarrerin.

Kristina Ziegenbalg wartet deswegen nicht selten mit ihren WhatsApp-Nachrichten, bis es draußen dunkel geworden ist. Drei- oder viermal in der Woche schickt sie einen kurzen Gruß an die Menschen, die sich für die Smartphone-Botschaft in Coronazeiten angemeldet haben: 80 Gemeindeglieder stehen inzwischen auf der Liste. Und immer öfter bekommt die Pfarrerin eine Antwort auf die kurzen Textimpulse, kleinen Videos oder Gebete, die sie auf den Weg schickt. „Die Menschen signalisieren mir dann: ‚Das tut mir heute gut‘“, erzählt sie. Und manchmal beginnt dadurch ein Gespräch – erst per WhatsApp und schließlich am Telefon. Schon ist die Pfarrerin mittendrin im Thema Seelsorge in Krisenzeiten.

Seelsorgebedarf gewachsen

„Am Anfang der Pandemie hatten wir vor allem die älteren Menschen im Fokus“, erinnert sich Kristina Ziegenbalg. Briefe und Telefonate, um die sich Ehrenamtliche der Gemeinde bemühten, sollten im Kampf gegen die aufkommende Einsamkeit im Lockdown helfen. „Inzwischen ist die Zielgruppe für Seelsorgeangebote gewachsen“, sagt die Pfarrerin und denkt an Familien, Singles aller Altersstufen und auch an Paare, die die Situation belastet. Die Gemeinde in Widdert will auf die Menschen zugehen, Seelsorge anbieten – mit Post, Anrufen und den regelmäßigen WhatsApp-Nachrichten. Die Resonanz zeige, dass es den Bedarf gebe, glaubt auch Ziegenbalg.

In den anderen Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises laden Pfarrerinnen und Pfarrer die Menschen in ihren Gemeinden ebenfalls ein, sich bei Bedarf zu melden. Seelsorge findet auch im Lockdown statt. Telefonieren ist schließlich risikofrei möglich. Alle Kontaktdaten gibt es unter dem Menüpunkt "Gemeinden".

 

resa / 18.02.2021



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