Losung

für den 29.07.2021

Ihr Berge Israels, siehe, ich will mich wieder zu euch kehren und euch mein Angesicht zuwenden, dass ihr angebaut und besät werdet.

Hesekiel 36,9

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Andacht von Superintendentin Dr. Ilka Werner zu 1. Korintherbrief 12,9

"Meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung"

Manche von uns haben in ihrer Kindheit gelernt, keine eigene Schwäche zuzulassen. Doch wer zu seiner Schwäche steht, kann auch die eigene Verletzlichkeit zulassen. Und erkennen, wo er oder sie andere verletzt hat, meint Superintendentin Dr. Ilka Werner.

Superintendentin Dr. Ilka Werner Superintendentin Dr. Ilka Werner

Ein Vers aus dem 2.Korintherbrief, von Paulus, der darüber nachdenkt, wer er eigentlich ist, worauf er stolz sein und womit er in der Welt Eindruck machen kann: „Der Herr hat zu mir gesagt: Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Denn meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung.“

Gerade wenn ich schwach bin, habe ich Kraft, Gottes Kraft.

Bloß als der Mensch Paulus hat der Apostel nicht viel, mit dem er Eindruck schinden kann, kein gewinnendes Äußeres, keinen kraftvollen Körper, keine charismatische Erscheinung. Stattdessen ein Stachel im Fleisch, wie er sagt, eine Krankheit, irgendwie chronisch, vielleicht Epilepsie, so hat man überlegt in der Auslegungsgeschichte. Jedenfalls ein eher schwacher Mann.

Verletzt, verletzlich. Kein großer Geist, eher einer, dem wir die Mühe, die ihm sein Auftrag macht, körperlich abspüren. Ich finde es spannend, wie deutlich hier in den Bibeltexten auch der Körper eine Rolle spielt. Da sind keine geistig-geistlichen Höhenflüge, keine rein seelische Erbauung, da wird unsere leibliche Existenz mit den körperlichen Bedürfnissen und Grenzen beschrieben.

Für mich ist der schwache Paulus gerade so ein Bild für uns alle, für die ganze Kirche, gerade in der Corona-Zeit. Wir spüren unsere Schwäche körperlich: fehlende Gemeinschaft, fehlende Umarmungen. Durch Bewegungsmangel, durch Isolation oder Depression, durch Frustfuttern, durch Langzeitfolgen einer Infektion und vieles mehr verändern sich unsere Körper, verändern wir uns. Die einen werden dicker, die anderen schlafen schlecht, alle haben verwilderte Frisuren, der Blick in den Spiegel zeigt den meisten ein anderes Bild als von einem Jahr. Wir spüren: Die Corona-Erfahrungen schreiben sich in unsere Körper ein, aus dieser Zeit werden Narben bleiben, körperliche Erinnerungen, Zeichen der Schwäche und Verletzlichkeit.

Wir sind zerbrechlich, als Menschen, als Kirche, als Gemeinschaft. Wir vermissen Berührungen und erkennen, dass es unsere Stärke ist, berührbar zu bleiben. Wir vermissen das Gefühl, alles im Griff zu haben, und hören, dass auch in der Ohnmacht Kraft liegt. Wir leiden an der Pandemie, die unser Leben so sehr verändert, und spüren die Widerstandskraft, die Resilienz, die uns trotz allem hindurch bringt. Wir haben nichts mehr, was uns stolz und unangreifbar macht, und nehmen unsere Zuflucht zu Gottes Gnade, denn Gott hat zu uns gesagt: „Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Denn meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung.“

Was verändert sich für uns durch diese Erkenntnis, dass wir gerade in unserer Schwäche Kraft bekommen? Dass es eine andere Kraft ist als die, die wir sonst kennen?

Wir können zu unserer Unperfektheit vielleicht besser stehen. Wir können das Posen und Stylen lassen, die Welt ist mehr als Instagram oder ein Schönheitswettbewerb. Wir brauchen nicht immer besser zu werden, es gibt ein „gut genug“. Wir dürfen weinen und traurig sein, auch öffentlich, der Satz: „Indianer kennen keinen Schmerz“ hat als Erziehungsmaxime ausgedient. Wir dürfen Fehler machen, und sie eingestehen und zugeben, und versuchen, sie wiedergutzumachen. Und das heißt auch, da Verantwortung zu übernehmen, wo wir andere verletzt haben, persönlich, als Kirche, wo wir ihre Grenzen verletzt haben und übergriffig geworden sind und sie missbraucht haben. Wenn wir es uns erlauben, unsere Verletzungen zu spüren, werden wir sensibler für die Verletzungen, die wir anderen zugefügt haben. Wir sagen nicht mehr so schnell: „Dieses muss der, jenes muss die doch abkönnen“.

Ich meine: Erst wenn wir unsere eigene Verletzlichkeit erkennen, erkennen wir auch, wo wir verletzend sind oder waren. Und können da um Verzeihung bitten und umkehren, durch Gottes Gnade.

Diese Zeit jetzt, die Passionszeit und die Coronazeit, fordern uns auf, unser Leiden und die Spuren der Verletztheit an unseren Körpern zu entdecken. Und wie Paulus festzustellen, dass wir wenig haben, mit dem wir etwa Eindruck schinden könnten. Und dass diese Schwäche uns auf merkwürdige Weise stark macht. Paulus Beispiel hilft. Er ist das, was man einen „wounded healer“ nennt, einen selbst verwundeten Heiler, der gerade aus seiner Verletztheit heraus sich selbst und anderen helfen kann und Versöhnung stiften kann, am allermeisten durch seine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Und durch Gottes Gnade.

Gerade wenn ich schwach bin, habe ich Kraft. Gottes Kraft.

 

04.03.2021



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