Losung

für den 29.07.2021

Ihr Berge Israels, siehe, ich will mich wieder zu euch kehren und euch mein Angesicht zuwenden, dass ihr angebaut und besät werdet.

Hesekiel 36,9

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Andacht von Superintendentin Dr. Ilka Werner zur Jahreslosung 2021

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“

Barmherzigkeit hat es schwer, wo man Sorge hat, dass andere zuviel bekommen. Die Jahreslosung erinnert daran, dass wir schon nicht zu kurz kommen. Weil Gott sich zu uns barmherzig verhält. Darum können wir selber auch gegenüber anderen barmherzig sein.

Superintendentin Dr. Ilka Werner Superintendentin Dr. Ilka Werner

Jetzt sind wir schon knapp drei Wochen drin, im neuen Jahr, in 2021. Die Tage, an denen ich mich mit der Jahreszahl immer wieder verschreibe, sind schon vorbei.
Viele haben in den ersten Tagen gesagt, es kann nur besser werden, nach dem Corona-Jahr 2020. In den letzten Tagen hatte ich aber manchmal das Gefühl, als könne alles auch noch viel schlechter werden. So spitzt sich die Corona-Lage doch noch immer mehr zu.

Darum: Ich hoffe auch, dass es besser wird: Dass wir Corona in den Griff bekommen mit den Impfungen und vorsichtigem Verhalten. Dass wir etwas von den Erfahrungen dieser Zeit behalten und beherzigen, etwa von der Erkenntnis, was wirklich wichtig ist, weil es uns jetzt gefehlt hat. Dass wir andere große Probleme, wie den Klimawandel oder die Armut großer Teile der Weltbevölkerung ernster nehmen und nicht so halbherzig angehen. Eigentlich also hoffe ich, dass wir es besser machen. Der Unterschied ist wichtig. Wie es wird im neuen Jahr, hängt zum großen Teil von uns ab, von dem, was wir tun und glauben, von dem, was uns in Tun und Glauben leitet.

Darüber Klarheit zu gewinnen kann uns die neue Jahreslosung helfen. Sie kommt aus dem Lukasevangelium, dem sechsten Kapitel: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“
Kurz und knapp. Und im Zusammenhang geht es weiter: „Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.“

Seid barmherzig.
Barmherzig sein heißt: Ein Herz für die Armen haben, für die Unglücklichen, die in Not. Sich durch Not anrühren zu lassen. Und zu helfen. Barmherzigkeit ist tätige Nächstenliebe.
Ein diakonisches Wort: Es beschreibt, dass wir uns von den Bedürfnissen der anderen in Dienst nehmen lassen. Und nicht nur unsere eigenen Bedürfnisse befriedigen.
Und ein kirchliches Wort: Es beschreibt, dass wir eine Gemeinschaft sind, in der uns das Schicksal der anderen angeht und anrührt. Dass wir nicht im Wettbewerb oder in Konkurrenz zueinander stehen und es nicht darum geht, übereinander zu triumphieren.

Das Wort „Barmherzigkeit“ ist ein bisschen in Misskredit geraten in unserer Zeit, weil wir eher auf die Rechte der Armen blicken und sie nicht zu Almosenempfängern machen wollen. Barmherzigkeit klingt da so, als würde es die Verhältnisse von arm und reich zementieren. Ich meine, wir müssen unterscheiden zwischen berechtigten Ansprüchen an staatliche Unterstützung und der zwischenmenschlichen Haltung der Barmherzigkeit. Die Haltung steckt im diakonischen und kirchlichen Sinn des Wortes. Und um diese Haltung geht es in der Jahreslosung: Sich das Schicksal anderer zu Herzen gehen lassen.

Oft passiert das: Etwa als die hebräischen Hebammen Schifra und Pua es nicht übers Herz brachten, den kleinen Mose zu töten. Als die Kanaanäerin Rahab den israelitischen Kundschaftern die Flucht ermöglichte und damit das Leben rettete. Als Janusz Korczak seine Waisenkinder in die Deportation begleitete. Als in Deutschland angesichts des Fotos eines toten kleinen Jungen am Strand vor Bodrum die Willkommenskultur für Geflüchtete entstand. Wenn die Solingerinnen und Solinger Geld spenden für den einzigen überlebenden Jungen der Familientragödie im letzten Oktober. Und noch viel öfter.

Wo es nicht passiert, oder wo es mit der Barmherzigkeit rasch ein Ende hat, liegt es oft daran, dass wir fürchten, die Dummen zu sein und am Ende selbst zu kurz zu kommen. Dann verlässt das Mitgefühl unser Herz und steigt uns zu Kopf. Und der rechnet: „Wenn jetzt alle kommen…“; „Sind die nicht selbst schuld?“; „Mir schenkt auch keiner was…" Der Bibeltext und die Jahreslosung setzen diese menschentypischen Gedanken voraus. Darum geht der Losungssatz weiter: „…wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Und auch der Zusammenhang verbindet den Anspruch mit dem Zuspruch: „Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben.“ Ihr werdet nicht zu kurz kommen. Ihr seid nicht die Dummen. Ihr sollt selbst Barmherzigkeit erfahren!

Das zu glauben und zu verinnerlichen fällt so schwer. Und darum ist es für uns in diesem neuen Jahr vielleicht die eigentliche Aufgabe: Uns zu Herzen zu nehmen, dass wir Barmherzigkeit erfahren, dass uns Fülle und Überfluss verheißen ist. Dieses Versprechen muss vom Kopf in unsere Herzen wandern. Und dort dann bleiben und Wurzeln schlagen: Euer Gott ist barmherzig. Und darum: Seid barmherzig!

Und das heißt dann: Macht es besser als bisher. Denn ihr braucht keine Angst mehr zu haben, die Dummen zu sein oder zu kurz zu kommen. Also schielt nicht auf die anderen. Nicht auf die, die schon gegen Corona geimpft sind. Nicht auf die, die gern mal die Regeln austricksen. Und nicht darauf, ob jemand früher als wir selbst wieder ausgehen darf. Macht es, so gut wie ihr könnt, das Barmherzig-Sein, gegenüber anderen Menschen, den Tieren, der Schöpfung, und auch euch selbst gegenüber. Lasst euch die Not der Welt zu Herzen gehen. Und nehmt euch ihrer an, so herzlich ihr könnt.

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Amen.

 

19.01.2021



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