Losung

für den 29.05.2022

Salomo sprach: 

Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?

1.Könige 8,27

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Superintendentin Dr. Ilka Werner

„Gesetze schaffen Räume der Freiheit“

Für die großen politischen Aufgaben unserer Zeit gehe es nicht ohne staatliche Verbote und Gesetze, meint Superintendentin Ilka Werner. Wo Politik das verweigere, blühten Moralismus und die Spaltung der Gesellschaft.

Superintendentin Dr. Ilka Werner Superintendentin Dr. Ilka Werner

„Die Weisung des Herrn ist vollkommen, sie bringt die Lebenskraft zurück.
Die Vorschrift des Herrn ist zuverlässig: Sie macht den Unerfahrenen klug.
Die Gebote des Herrn sind klar: Sie lassen die Augen leuchten.“ (Psalm 19, 1-11)

 

Wir leben in Wahlkampfzeiten. In sehr merkwürdigen noch dazu. Und unsere Zeit ist eine Zeit des schnellen Sich-Aufregens, der leichten Empörung, des kurzen Geduldfadens und vor allem moralisierender Pedanterie. Die Medien unserer Zeit, die sogenannten sozialen wie die gesendeten und gedruckten, lieben die moralische Attitüde und leben davon: Fürs Klima auf die Straße und in den Urlaub fliegen? Pfui! Den Lebenslauf hochtunen? Geht gar nicht! Zwei Rechtsgutachten aus Kirchensteuern bezahlen? Persönlicher Gehaltsverzicht, bitte! Erst 45 und ein Schreibtischjob, aber schon im Januar geimpft? Drängler! Predigt Wasser und trinkt Wein? Heuchler!

Es ist leicht, da einzustimmen. Und gut, sich dann daran zu erinnern, dass da, wo ein Finger auf jemanden anderen zeigt, vier auf mich selbst zurückweisen.

Die Erkenntnis, dass niemand perfekt ist, ist das eine. Das andere ist: Dieser Moralismus verlangt, dass ich alles, was ich für richtig halte, persönlich mit meinem Leben beglaubigen, bewähren und begründen muss. Ich denke, wir alle erwarten, dass jemand für das, was er oder sie sagt und vertritt, auch persönlich einsteht, dass da Worte und Lebensstil zusammenpassen. Aber man darf auch mehr für richtig halten, als man in der Lage ist einzulösen. Man darf etwas kritisieren, ohne es besser zu können. Und man darf Ziele benennen, die man allein nicht erreichen kann.

Zum Problem wird das Ganze, so meine ich, wo Politik sich weigert, Regeln und Gesetze zu machen. Wo also keine klaren Korridore und Leitplanken zum Erreichen gesetzter Ziele rechtlich geregelt und vorgeschrieben werden. Wo notwendige gesellschaftliche Trendwenden der persönlichen Einsicht der Einzelnen anheimgestellt werden. Da öffnet man dem Moralismus Tür und Tor, befördert Beschämung und Anprangerung und erreicht am Ende – nichts. Außer der Spaltung der Gesellschaft, Rissen zwischen den Milieus und dauernder Überanstrengung und endlicher Desillusionierung der Gutwilligen. Aber nicht eine wirksame Klimapolitik, nicht eine funktionierende Mobilitätswende und auch keine sozial ausbalancierte Wirtschaft.

Ich bin wirklich kein Fan von Verboten, aber für die politischen Großaufgaben unserer Zeit und um der moralischen Großzügigkeit unserer Gesellschaft willen meine ich, wir brauchen gesetzliche Regelungen für ein paar Schlüsselprobleme unserer Zeit als Korridore, Leitplanken und Geländer gesellschaftlichen Handelns. Ich meine, dass hat mit links oder grün oder bürgerlich oder konservativ nichts zu tun. Sondern mit politischer Gestaltung und persönlicher Entlastung.

Und lernen können wir da vom Verständnis der Gebote im Alten Testament, in der Tradition Israels und der Kirche, besonders der reformierten Tradition: Ja, Gebote gebieten, und Verbote verbieten, aber sie schaffen dadurch einen Raum der Freiheit, einen Raum, in dem man unterwegs sein kann, handeln, interagieren und sich persönlich verorten. Ohne dem oder der anderen seine oder ihre Art der Verortung zu neiden oder vorzuwerfen. Da kann Platz sein für die Veganer und die Curry-Wurst-Fans, wenn die Gesetze eine artgerechte und schützende Tierhaltung vorgeben. Da kann Raum sein für den, der mit Fahrrad und Zelt Urlaub macht und für die, die so gern ans Meer fliegt, wenn die Gesetze eine sozial und ökologisch nachhaltige CO2-Bepreisung regeln. Da ist Platz für Einheimische und Fremde, weil die biblischen Gebote die Gleichbehandlung verlangen, und genug zu essen für die Armen, weil die Reichen auf ihren Feldern etwas übrig lassen.

Da schaffen Gebote und Gesetze einen Raum der Freiheit. „Usus in renatis“ nannten die alten Theologen das, den Gebrauch der Gebote für die Wiedergeborenen, die mit Gott Versöhnten, die aus Gnade und ohne moralische Taten gerecht Gemachten. Für die sind die Gebote Handlungsfelder, Korridore, Freiräume, deren Grenzen es leichter machen, Gottes Willen zu tun. Natürlich geht das auch manchmal schief. Aber meistens befreit dieser Raum der Gesetze von Vergleichen, von Neid und Scham und moralischem Perfektionismus.

Ich finde, ein solches Verständnis von Gesetz, Gebot und Verbot sollten wir in die Politik zurückholen. Einen Gebrauch von Gesetzen und Geboten für mündige Bürger:innen, einen Gebrauch in der Zivilgesellschaft. Für das gemeinsame Lösen der wesentlichen Aufgaben unserer Zeit ohne moralische Nickeligkeit.

„Die Weisung des Herrn ist vollkommen, sie bringt die Lebenskraft zurück. Die Vorschrift des Herrn ist zuverlässig: Sie macht den Unerfahrenen klug. Die Gebote des Herrn sind klar: Sie lassen die Augen leuchten“ heißt es in Psalm 19.

Wäre es nicht wunderbar, wenn eine kluge menschliche Gesetzgebung davon in unserem Land etwas einfangen könnte?

Dr. Ilka Werner

 

07.09.2021



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