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Andacht von Superintendentin Dr. Ilka Werner

"Die Wölfe sind zurück"

Christenmenschen sollen sich zur Wehr setzen, wenn die Wölfe des rechtsextremistischen Hasses und der Intoleranz zurückkommen. Dazu ruft Superintendentin Dr. Werner auf anlässlich einer Ausstellung auf dem Solinger Neumarkt.

Dr. Ilka Werner mit einem Wolf aus der Ausstellung LupeDr. Ilka Werner mit einem Wolf aus der Ausstellung

(aus Anlass einer Ausstellung auf dem Solinger Neumarkt vom 13.-15. August 2020)

Jesaja 11, 6.7: 6 Dann werden Wolf und Lamm friedlich beieinanderwohnen, der Leopard wird beim Ziegenböckchen liegen. Kälber, Rinder und junge Löwen weiden zusammen, ein kleiner Junge kann sie hüten. 7 Kuh und Bärin teilen die gleiche Weide, und ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Heu wie ein Rind.

Mattäusevangelium 10,16: 16 Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.

In den großen Friedensvisionen im Jesaja-Buch träumt der Prophet von einer Zeit, in der die Wölfe neben den Lämmern lagern und neben den Böcklein. Er träumt von einer Zeit, in der Wölfe nicht Kreide fressen, um als harmlos zu gelten und ihre Opfer zu täuschen und zu überwältigen. Soweit soll der Friede gehen, dass die Wölfe Gras fressen, dass der Wolf das Wölfische, dass die Raubtiere das Räuberische ablegen und keine Gefahr mehr sind.

In der letzten Woche stand ein Rudel Wölfe auf dem Neumarkt. Die Wölfe des Künstlers Rainer Opolka. Diese Wölfe haben hässliche Fratzen und eine aggressive Körpersprache. Diese Wölfe zeigen, dass die Friedensvision noch nicht, noch lange nicht Wirklichkeit ist. Diese Wölfe warnten vor den Wölfen in Menschengestalt, die Kreide fressen, die sich als gutmütige Oma verkleiden oder einen Schafspelz überwerfen. Sie machten deutlich: Die Gefahr ist da, ist unter euch, ist real. Die Wölfe sind zurück.

. Lupe.

Es sind die zurück oder nie richtig weg gewesen, die Lämmer und Böcklein reißen, die Kinder fressen und Angst verbreiten. Die Hass und Hetze schüren, lügen und betrügen, das Recht des Stärkeren beanspruchen und meinen, alles vermeintlich Schwache unterdrücken und vernichten zu können.

Vielleicht ruinieren diese Wölfe in Menschengestalt den echten Wölfen, den Hündischen, den Ruf und tun ihnen Unrecht – das mag sein. Aber sie nutzen das Image des starken Rudeljägers, um ihrer hasserfüllten, mörderischen Jagd den Anstrich des Natürlichen zu geben. Und um den Eindruck zu erwecken, der Triumph des Starken entspreche der Natur. Aber so sehr der Wolf ein Raubtier ist, so wenig wendet er sich gegen seine Artgenossen; er vernichtet sie nicht.

Aber die menschlichen Wölfe, die tun es. Sie wollen nicht menschlich sein, sie verachten, was ihnen anders erscheint. Andersglaubende, Andersartige, Andersaussehende, Andersdenkende werden gefressen. Wenn diese Wölfe zurück sind, ist die Friedensvision des Jesaja vergessen. Dann ist vergessen, dass Verschiedenes nebeneinander leben kann, einträchtig und in Frieden.

Es gibt in unserem Land Menschen und Gruppierungen, die benutzen Hetze, Hass und Lügen, um Unfrieden zu stiften und Menschen gegeneinander aufzubringen. Sie lehren sie, andere abzuwerten. Sie lehren sie Misstrauen und Verdacht. Sie unterwandern demokratische Institutionen. Sie zerstören den Frieden. Sie schüren Ressentiments und verbreiten rassistische Ideologien. Sie sind wie jagende Wölfe.

Vor diesen Wölfen warnte das Rudel auf dem Neumarkt. Und wir, die wir die Wölfe bewachten, erlebten, wie die Kinder auf den Wölfen herumkletterten und wie die Erwachsenen nachdenklich mit uns ins Gespräch kamen über die Gefahren des Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus. Wir bekamen viel Zustimmung. Auch kritische Gespräche. Es gab kaum Provokationen und keine brenzligen Situationen, weder am Tag noch in der Nacht. Es war friedlich und nachdenklich und ein deutliches Zeichen für Menschlichkeit. Und dafür, wie wichtig es ist, das Menschliche und nicht das Wölfische in uns zu stärken.

. Lupe.

Im Matthäusevangelium steht, dass Jesus gesagt hat: „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“

Darauf kommt es an: nicht wegzulaufen vor den Wölfen, sondern dorthin zu gehen, sich dorthin senden zu lassen, wo sie sind. Scheinbar wehrlos, wie Schafe, wie Beutetiere. Aber klug und aufrichtig, mit diesen Mitteln kämpfend. Klugheit und Aufrichtigkeit sind die Waffen der Wolfsjäger. Denn die Wölfe würden immer mehr, würden wir nicht klug und aufrichtig eintreten für die Vision vom Frieden, der auch die Wölfe erfasst.

Darum kommt es auf uns an, uns, die Jesus wie Schafe mitten unter die Wölfe schickt. Es kommt darauf an, dass wir nicht weglaufen, dass wir Christenmenschen in Solingen nicht zu faul sind, zu widersprechen und zu widerstehen, wo andere abgewertet werden. Dass wir den Mund auftun, klug genug, zu wissen, dass man den Anfängen wehren muss. Unser Land hat einmal erfahren, wie es ist, wenn wir den Anfängen nicht wehren und beginnenden rechten Terror tolerieren in der Hoffnung, alles renke sich schon ein. Es hat sich nichts eingerenkt, und irgendwann war es zu spät, zu widerstehen, und die, die es dann noch versuchten, wurden umgebracht. In den letzten Jahren haben wir genug Anfänge erlebt, die NSU-Morde, wachsenden Antisemitismus bis hin zum Attentat auf die Synagoge in Halle, wachsende Bedrohung von politisch Engagierten bis zum Mord an Walter Lübcke, wachsende Anfeindungen von Migranten, von Deutschen mit dunkler Hautfarbe, von Flüchtlingen und Feministinnen bis hin zu Herzjagden wie in Chemnitz vor zwei Jahren und Morden auf offener Straße. Das sind keine Anfänge mehr. Da ist was in vollem Gange. Da sind die Wölfe zurück, die, die nicht menschlich sein wollen, die, die sich dem Frieden verweigern.

Christenmenschen dürfen nicht stumm zusehen, wie Schafe, die auf die Schlachtbank warten. Sie müssen laut dagegenhalten, jetzt, wo sie es wagen können. Sie müssen jetzt wählen. Und sie müssen immer bedenken, dass es wieder einmal zu spät sein könnte. Das ist die Mahnung der Wölfe vom Neumarkt.

Darum: Lasst uns mutig unter die Wölfe laufen, klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben. Dahin hat uns Jesus gesandt. Dass wir für einen Frieden eintreten, wie Jesaja ihn gesehen hat: Wo die Wölfe neben den Lämmern liegen und neben den Böcklein.

Amen.

 

27.08.2020



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