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für den 27.09.2021

Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort.

Psalm 119,67

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„Gott, schicke uns dahin, wo wir gebraucht werden!“

Superintendentin Dr. Werner über kirchliche Präsenz in der Corona-Krise

Hat die Kirche in der Corona-Krise bislang genug getan oder zu wenig? Manche Kritiker meinen: Zu wenig! Aber worauf gründen die ihr Urteil? Superintendentin Dr. Werner wirbt für genaues Hinschauen. Und für das Evangelium als Maßstab.

Die leisen Töne der Kirchen hätten oft nicht die Erwartungen der Kritiker bedient, meint Superintendentin Dr. Ilka Werner. Die leisen Töne der Kirchen hätten oft nicht die Erwartungen der Kritiker bedient, meint Superintendentin Dr. Ilka Werner.

„Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.“ (Jesaja 58, 7-10)

Jesus spricht: „Was ihr einem der Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan“. (Matthäusevangelium 25, 40b)

So langsam bekrabbeln wir uns. Corona ist nicht vorbei, aber hierzulande einigermaßen unter Kontrolle. Wir schütteln uns, strecken uns und versuchen uns wieder am Alltagsleben. Und denken nach über das, was uns geschehen ist.

Und nicht nur wir – als Kirchenleute – denken selbst nach über das, was geschehen ist, und das, was wir getan haben. Auch andere denken über uns, über die Kirche nach, und was sie getan oder nicht getan hat. „Die Kirchen waren viel zu leise“, kann man da lesen, oder: „Sie hätten sich viel mehr wehren müssen gegen die Schließungen“, oder: „Die Kirche war nicht da, als Menschen in Not waren“ und: „Warum haben Sie nicht sofort wieder Präsenzgottesdienste gefeiert?“. Und so denke ich nach über das, was andere über uns denken.

Worauf gründen die, die jetzt den Kirchen Vorwürfe machen, ihr Urteil? Meist gilt die Kritik den Bischöfen und Kirchenleitungen, zu leise, zu konform, zu weit weg. Was hätten die Kritiker und Kritikerinnen denn gerne gehört oder gesehen, frage ich mich? Lauten Protest des Präses gegen Veranstaltungsverbote, eine Bischöfin, die Krankenbesuche macht, Demos von TalarträgerInnen vor den Landtagen, unvorsichtig vollbesetzte Kirchen zu Ostern? Und alles begleitet von Kameras und Mikrofonen? Das kann niemand ernsthaft wünschen.

Haben die, die jetzt Vorwürfe erheben, denn zugehört, wo leise und intensiv vom Schutz der Schwachen die Rede war, wo sich unermüdlich gekümmert wurde um die, die zu Hause oder in Wohnheimen allein blieben, wo Seelsorgende Kranke besuchten, deren Angehörige nicht kommen durften, wo Geistliche öffentlich das Dilemma von Schutz und Zuwendung zum Thema machten, noch bevor Wolfgang Schäuble die Menschenwürde ins Spiel brachte, wo weiterhin für die Menschen in Not ganz ohne Corona gebetet und gesammelt wurde?

Das alles geschah, meist ohne Kameras und Mikrofone, aber vielleicht, sicher, war auch mal ein Bischof oder eine Präses dabei. Aber es war nicht laut. Man musste es nicht hören. Es war vor Ort in den Städten und Dörfern und so gut, wie es vor Ort eben ging. Man konnte es leicht überhören. Und daraus folgern, die Kirchen seien nicht systemrelevant. Die leisen Töne der Kirchen bedienten nicht die Erwartungen der jetzigen KritikerInnen. Sie waren zu evangelisch: vielstimmig, dezentral, dienstbar, und zu beschäftigt, um laut zu werden.

Kann also sein, die KritikerInnen haben nur nicht das gehört, was sie hören wollten, und nicht von denen, von denen sie es hören wollten. Und meinen darum, Kirche habe sich mal wieder blamiert. Kann sein, es ist nur, dass Kirche nicht den Erwartungen der KritikerInnen entsprach, Punktum. Kann sein, wir brauchen darum nicht weiter darüber nachzudenken.

Aber das, scheint mir, wäre dann auch zu wenig. Dass Kirche nicht den Erwartungen entspricht, kann ein großes Lob oder ein berechtigter Vorwurf sein. Wir Kirchenleute sollten wissen wollen, was gerade zutrifft. Entscheidend ist dabei aber nicht die Meinung der Medien oder der Politik.

Entscheidend ist der Maßstab des Evangeliums. Und dann kommt es auf diese Frage an: Haben wir den Mund aufgetan für die Stummen, und für die Sache der Verzweifelten? Haben wir einem der Geringsten Gutes getan? Haben wir den Menschen getan, wie wir wollen, dass sie uns tun?

Eine kurze Antwort ist leicht gegeben: Ja, aber sicher nicht oft genug.

Ein Versuch, ausführlich zu antworten, führt zum Dilemma unserer Kirche: Auf der einen Seite schwerfällig, mit viel Verantwortung und der Neigung zu juristischen Spitzfindigkeiten, die Institution, Kirche als Arbeitgeber, mit organisierter Nächstenliebe und Diakonie, verlässlich, stabil, ausgewogen, aber unbeweglich. Auf der anderen Seite manche kleine Gruppe irgendwo in der Kirche, leidenschaftlich engagiert, voller Empathie und risikobereit, dazu großzügig mit Zeit und Geld und sehr nah bei Jesus und dem, was er so getan hat. Beides ist Kirche, und es ist billig, beide Seiten gegeneinander auszuspielen, denn die Reichweite der ersten schwindet, wenn die zweite fehlt, und umgekehrt.

Es wäre schön, wären beide Seiten zusammen parteilicher für die Armen, meine ich, verstehe aber irgendwie auch, warum es dazu nicht kommt. Darum sagt auch jede ausführliche Antwort: Ja, wir haben das getan, was in der Nachfolge Jesu zu tun ist, aber sicher nicht genug, und sicher auch weniger, als wir könnten.

Und worauf es ankommt, vom Evangelium her, ist nicht, irgendwann einmal sagen zu können, wir haben genug getan, oder auch nur, wir haben wirklich getan, was wir konnten, sondern zu sagen: Wir vermögen es nicht, da sieh du zu, Gott, dass du tust, was nötig ist. Und schick uns dann dahin, wo wir gebraucht werden.

Das allerdings müsste uns öffentlich abzuspüren sein, dieses Gottvertrauen, das Ringen darum, das Sich-wehren gegen die Zweifel und das Sich-bergen im Glauben. Zu spüren müsste es sein. Laut allerdings wird das nicht.

 

19.06.2020



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