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Lukasklinik-Pfarrerin bei Seelsorge-Tagung in Tansania

„Über den deutschen Tellerrand sehen“

Zu einem Workshop zum Thema „Klinikseelsorge“ ist die Solinger Pfarrerin Astrid Klumb nach Tansania geflogen. Am Montag (23.04.2018) beginnt in der lutherischen Diözese Karagwe eine einwöchige Tagung mit afrikanischen Kolleginnen und Kollegen.

Berichtet bei der internationalen Klinikseelsorge-Konferenz über Seelsorgeausbildung in Deutschland: Lukasklinik-Pfarrerin Astrid Klumb Berichtet bei der internationalen Klinikseelsorge-Konferenz über Seelsorgeausbildung in Deutschland: Lukasklinik-Pfarrerin Astrid Klumb

In der Stadt Nykahanga an der Grenze zu Uganda und Ruanda, westlich vom Viktoriasee, wird sich Klumb mit Kolleginnen und Kollegen aus Namibia, Botswana, Ruanda, dem Kongo und aus Tansania über die jeweiligen Konzepte austauschen, nach denen Menschen für die Krankenhaus-seelsorge ausgebildet werden. Der Workshop findet auf Einladung der Vereinten Evangelischen Mission statt, einem ökumenischen Zusammenschluss von 35 Kirchen aus Afrika, Asien und Deutschland mit der Zentrale in Wuppertal.

„Es gibt etwa zwischen Tansania und Deutschland viel Vergleichbares auf dem Gebiet der klinischen Seelsorge-ausbildung“, weiß Astrid Klumb. Schließlich würden viele Seelsorgende in beiden Ländern bereits seit 40 Jahren  mithilfe spezieller Trainings auf ihre Arbeit gründlich vorbereitet. Klumb: „Aber es gibt natürlich auch länder-typische Eigenheiten: Die werden wir uns gegenseitig vorstellen.“ Neben Fachvorträgen zu Themen wie „Spiritualität“ oder „Trauerarbeit“ stehen gemeinsame Bibelarbeiten sowie Andachten auf dem Programm. Auch Seelsorgebesuche bei Patientinnen und Patienten im Krankenhaus Nykahanga sind geplant.

„Ich bin sehr gespannt darauf, über meinen deutschen Tellerrand zu blicken und zu sehen, wie die afrikanischen Kolleginnen und Kollegen mit ihren ganz anderen Bedingungen, Fragestellungen und Herausforderungen ihre Aufgaben wahrnehmen“, erklärt Klumb. Dabei weiß sie bereits, dass bei der seelsorglichen Arbeit in Tansania die soziale Hilfe eine größere Rolle spielt als etwa in Solingen. Kranke Menschen seien dort einfach viel schlechter abgesichert.

Die Begegnung mit den Realitäten einer lutherischen Kirche in Tansania ist für die 52-jährige Theologin allerdings kein Neuland: Vor genau 30 Jahren studierte sie im Rahmen ihres Theologiestudiums ein Jahr lang am Lutherischen College Makumira/Arusha inTansania. „Diese Erfahrung hat mich nachhaltig geprägt“, berichtet die verheiratete Mutter von zwei Söhnen und freut sich darüber, dass viele Kontakte bis heute gehalten haben. Bei einer Pfarrerin, mit der sie damals das Zimmer geteilt hatte, wird sie auf der Hinreise in der tansanischen Hauptstadt Daressalam übernachten. Für einen ehemaligen Mitstudenten, der heute Bischof einer tansanischen Diözese ist, sammelt sie in Deutschland Spenden für ein Hilfsprojekt. „Mich hat schon als Studentin stark beeindruckt, wie Menschen in Tansania mit ihren Herausforderungen umgehen. Sie zeigen trotz eines oft schwereren Alltags als bei uns eine starke Lebensfreude und dass sie sich in ihrem Glauben getragen fühlen.“ Davon ließe sich auch in Deutschland einiges lernen, glaubt Astrid Klumb.

Eine interkulturelle Seelsorgetagung wie die jetzt bevorstehende, hält die Solinger Klinikpfarrerin und ausgebildete Supervisorin, die seit vielen Jahren die evangelische Seelsorge an der Ohligser St. Lukas-Klinik verantwortet, für sehr bereichernd: „Der afrikanische Rhythmus des Lebens und die dortigen Rituale der Gemeinschaft machen für viele Menschen auch in existentiell schwierigen Lebensphasen, wenn es eng wird, eine christliche und hoffnungsvolle Perspektive auf das eigene Leben möglich. Ich freue mich darauf, das wieder einmal ganz unmittelbar zu erleben, und hoffe, etwas davon mit zurück nach Solingen bringen zu können.“

 

Interview mit Pfarrerin Astrid Klumb, Seelsorgerin an der St. Lukas-Klinik

„Es ist spannend über den deutschen Tellerrand schauen zu dürfen“

Frau Pfarrerin Klumb, Sie fliegen zu einer interkulturellen Seelsorgetagung nach Afrika. Ein nicht alltäglicher Termin, oder?
Ja, das stimmt, und ich empfinde es als eine besondere Herausforderung, dort als deutsche evangelische Klinikseelsorgerin teilnehmen zu können. Der Workshop dauert vom  23. bis zum 28. April und findet in Nykahanga in der lutherischen Diözese Karagwe statt. Das liegt an der Grenze zu Uganda und Ruanda, westlich vom Viktoriasee. Dort werden wir Teilnehmende aus sechs verschiedenen Ländern sein: Namibia, Botswana, Ruanda, Kongo und Tansania selbst. Und eben aus Deutschland. Die Veranstalterin ist die Vereinte Evangelische Mission mit deren Büro in Daressalam.


Worum soll es bei der Tagung gehen?
Es geht darum, einander kennenzulernen: in aller Unterschiedenheit, aber auch in einer großen ökumenischen Verbundenheit. Wir werden zusammen singen, beten und das biblische Wort teilen, jedes Land wird sich mit seiner besonderen Prägung einbringen. Aber auch Fachvorträge, etwa zum Thema Spiritualität oder Trauerarbeit, werden wir uns gegenseitig vorstellen und vor dem sehr unterschiedlichen Hintergrund der jeweiligen Gesellschaft diskutieren. Dazu werden wir während des Workshops auch Krankenbesuche machen. Am Ende stellen wir uns dann die Frage, wie eine gemeinsame Weiterarbeit an diesem wichtigen kirchlichen Arbeitsfeld der Krankenhausseelsorge fortgesetzt werden kann.

Ich bin sehr gespannt darauf, über meinen deutschen Tellerrand zu blicken und zu sehen, wie die afrikanischen Kolleginnen und Kollegen mit ihren ganz anderen Bedingungen, Fragestellungen und Herausforderungen ihre Aufgaben wahrnehmen. Dabei gibt es etwa zwischen Tansania und Deutschland viel Vergleichbares auf dem Gebiet der klinischen Seelsorgeausbildung wie zum Beispiel seit 40 Jahren eine fundierte Krankenhausseelsorge-Ausbildung in Moshi am Fuße des Kilimanjaros. Diese Ausbildung ähnelt sehr unserer in Deutschland, hat jedoch eine viel stärkere sozialethische Komponente, weil Menschen in Tansania nicht so umfassend abgesichert sind. Aber es gibt natürlich auch ländertypische Eigenheiten: Die werden wir uns gegenseitig vorstellen. Für mich persönlich ist die Tagung außerdem eine Wiederbegegnung mit der evangelischen Kirche in Tansania.
 

Inwiefern?
Ich habe in Tansania genau vor 30 Jahren am dortigen Lutherischen College Makumira/Arusha ein Jahr lang Theologie studiert. Diese Zeit hat mich nachhaltig geprägt. Alles wurde gemeinsam gemacht: Essen in der Mensa, Unterricht, Lerngruppen, Gottesdienste, Arbeit auf den Feldern zur Eigenversorgung. Vieles war mir dabei auch sehr fremd: Individuellen Rückzugsräume gab es in diesem Jahr für mich nicht, selbst das  Zimmer habe ich mit einer Mitstudentin geteilt. Aber die Herzlichkeit meiner damaligen Mitstudierenden begleitet mich bis zum heutigen Tag! Pfarrerin Itika mit der ich damals das Zimmer teilte, wird mich nach der Landung in Daressalam in Empfang nehmen. Dann werde  ich auch noch fünf weitere Studienkollegen treffen, aus denen in Tansania längst Pfarrer oder Bischöfe geworden sind.
 

Worauf sind die besonders gespannt?
Mich hat schon als Studentin stark beeindruckt, wie Menschen in Tansania mit ihren Herausforderungen umgehen. Sie zeigen trotz eines oft schwereren Alltags als bei uns eine starke Lebensfreude und dass sie sich in ihrem Glauben getragen fühlen.  Das finde ich faszinierend und ich würde mir wünschen in dieser Hinsicht dazu zu lernen, im Glauben noch sprachfähiger zu werden und neue Ideen mit nach Hause zu bringen.


Wie würden Sie beschreiben, was in Solingen an der Lukasklinik aus Ihrer Sicht Krankenhausseelsorge ausmacht?
Wenn man Seelsorge als Muttersprache der Kirche versteht, dann dolmetschen wir Klinikseelsorgende ein Stück Kirche an einem anderen Ort: in ein Krankenhaus, in die Arbeitswelt. Wir begegnen oft Menschen, die sich von der Kirche distanziert haben, sich gar nicht mehr an eine Kirche gebunden fühlen oder einer ganz anderen Religion angehören. Zusammen mit ehrenamtlich Mitarbeitenden bieten wir Patienten und deren Angehörige an, sie auf ihrem oft schwierigen Weg  zu begleiten. Aber auch  im multiprofessionellen Team arbeiten wir etwa in der palliativen Versorgung mit. Bei ethischen Fragestellungen beziehen wir Position auf der Grundlage  unseres christlichen Menschenbildes. Sehr am Herzen liegt uns in der St. Lukas Klinik auch die ökumenische Zusammenarbeit: Gerade planen wir gemeinsam die Nacht der offenen Kirchen, gestalten ökumenische Gottesdienste zu besonderen Anlässen und bringen gemeinsam unser spirituelles Wissen in die “Palliative care“-Ausbildung ein.


Welche Bedeutung hat es aus Ihrer Sicht, die eigenen Erfahrungen als Pfarrerin mit Kolleginnen und Kollegen zu teilen, die in einer ganz anderen Kultur zu Hause sind?
Menschen aus  verschiedenen Kulturen haben unterschiedliche Möglichkeiten, sich zu organisieren und auszudrücken. Ich finde es überaus spannend, voneinander zu lernen. Wenn ich das Fremde kennengelernt habe, kann ich meine eigenen Wurzeln bewusster spüren, mich besser verorten und auch Neues hinzunehmen. Der afrikanische Rhythmus des Lebens und die dortigen Rituale der Gemeinschaft machen für viele Menschen auch in existentiell schwierigen Lebensphasen, wenn es eng wird, eine christliche und hoffnungsvolle Perspektive auf das eigene Leben möglich. Ich freue mich darauf, das wieder einmal ganz unmittelbar zu erleben, und hoffe, etwas davon mit zurück nach Solingen bringen zu können.“ 

Das Interview führte Thomas Förster.

 

23.04.2018



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