Losung

für den 29.07.2021

Ihr Berge Israels, siehe, ich will mich wieder zu euch kehren und euch mein Angesicht zuwenden, dass ihr angebaut und besät werdet.

Hesekiel 36,9

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Gedanken von Dr. Ilka Werner aus Anlass der jüngsten Ereignisse im Heiligen und in unserem Land

„Und sie konnten nicht beieinander wohnen“

Die jüngsten Ereignisse in Nahost führen auch bei uns zu heftigen Reaktionen. Manche sind eindeutig antisemitisch. Superintendentin Dr. Werner warnt vor schnellen Urteilen und erinnert an eine alte biblische Geschichte, die manches vorwegzunehmen scheint.

„Weiter für Frieden beten“: Superintendentin Dr. Ilka Werner. „Weiter für Frieden beten“: Superintendentin Dr. Ilka Werner.

Wir alle haben vor ein paar Tagen durch die Nachrichten mitbekommen, wie der Konflikt zwischen den Israelis und den Palästinensern, zwischen den Hardlinern und Hitzköpfen bei den einen und anderen wieder heftig aufgebrochen ist und gewaltsam ausgetragen wurde, mit Todesopfern und Ausgebombten auf beiden, ach, auf allen Seiten.
Und wir haben mitbekommen, wie dieser Konflikt auf unsere Städte in Deutschland übergriff, und wie immer wieder, verborgen oder unverhohlen, antisemitische Parolen gebrüllt wurden. Dagegen sind wir auch selbst auf die Straße gegangen.

Jetzt herrscht ein vorsichtiger Waffenstillstand. Aber da sind die einen, die Freiheit und einen eigenen Staat für die Palästinenser fordern, und die in ihnen die Unterdrückten und Hilfebedürftigen sehen, die aber nicht sehen, wie sehr der Staat Israel vom Tag seiner Gründung an existentiell bedroht ist von Kriegserklärungen aller seiner Nachbarn und der Doktrin der Hamas, die Juden ins Meer zu jagen. Und da sind die anderen, die solidarisch zu Israel stehen und sein Existenzrecht verteidigen, dabei aber oft in den Palästinensern nur Terroristen wahrnehmen und auch eine repressive Politik Israels nicht sehen oder sogar gutheißen.

Und dann, irgendwo in der Mitte, sind viele, die zwischen beiden Seiten Grautöne erkennen und versuchen, die vielfältigen Wahrheiten zu sehen und zu verstehen. Und dann sind da die, die sich gegen Antisemitismus stellen und zutiefst besorgt hören, wie schnell in den Parolen ein Hass auf alles Jüdische durchbricht, ein alter, tiefsitzender Hass, den wir eigentlich überwunden glaubten, und der seit einigen Jahren wieder frech und bedrohlich laut wird und Gehör findet, bei Deutschstämmigen und auch bei manchen Migranten und in mancher muslimischen Tradition.

Wie gefährlich das alles ist, für Juden und Jüdinnen hierzulande, für die Chance auf Verständigung im Land Israel!

Wir bekommen das mit, ohne dass wir dort, in Israel, etwas zu tun oder zu raten haben, außer die völker- und religionsübergreifenden Projekte zu unterstützen, wie wir es schon lange tun. Aber wir können und müssen hier etwas tun, wir dürfen nicht müde werden etwas zu tun gegen den Antisemitismus in unserer Gesellschaft und gegen jede Verharmlosung davon, wir müssen tun, was wir können und widersprechen, wo sich Antisemitismus breit macht in unserem Bekanntenkreis, wir müssen das tun. Warum? Weil das Judentum unsere Wurzel ist, und die Jüdinnen und Juden heute unsere Geschwister im Glauben.

Ich möchte mit Ihnen ein kurzes Stück aus dem 1. Buch Mose lesen, das „spielt“ in der Zeit, in der Abraham lebte. Er war eingewandert nach Kanaan, wie das Land damals hieß, und floh dann während einer Hungersnot nach Ägypten und kam danach zurück und wurde reich an Vieh, Silber und Gold. Und auch Lot, sein Neffe, der mit aus der alten Heimat gekommen war, war reich geworden:

„Und das Land konnte es nicht ertragen, dass sie beieinander wohnten; denn ihre Habe war groß, und sie konnten nicht beieinander wohnen. Und es war immer Zank zwischen den Hirten von Abrams Vieh und den Hirten von Lots Vieh. Es wohnten auch zu der Zeit die Kanaaniter und Perisiter im Lande.
Da sprach Abram zu Lot: Laß doch nicht Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder.
Steht dir nicht alles Land offen? Trenne dich doch von mir! Willst du zur Linken, so will ich zur Rechten, oder willst du zur Rechten, so will ich zur Linken. Da hob Lot seine Augen auf und besah die ganze Gegend am Jordan. Denn ehe der Herr Sodom und Gomorra vernichtete, war sie wasserreich, bis man nach Zoar kommt, wie der Garten des Herrn, gleichwie Ägyptenland. Da erwählte sich Lot die ganze Gegend am Jordan und zog nach Osten. Also trennte sich ein Bruder von dem anderen, so dass Abram wohnte im Lande Kanaan und Lot in den Städten am unteren Jordan.“ (1. Mose 13, 6-12)

So vieles der heutigen Konflikte klingt schon an: ansässige Völker, einwandernde Gruppen, ein instabiles Land. Gerangel um Platz und Wasser; Wüste und Hungersnot; Trennung als Versuch, Frieden zu stiften. Ein Land, das nicht ertragen kann, dass sie beieinander wohnen. Nichts ist neu in dem, was wir gerade erleben: ansässige Araber, einwandernde Juden aus Arabien, aus Europa, von überall her. Ein Machtvakuum nach dem Ende des osmanischen Reiches im ganzen nahen Osten und künstlich gezogene Landesgrenzen. Gerangel um Platz und Wasser, dass von Jordanien her kommt und ohne dass die Existenz nicht stabil bleibt. Eine Zwei Staatenlösung als Versuch, Frieden zu stiften.

Der Vergleich mit dem alten Text aus dem Anfang mit Abraham erklärt nichts und lässt doch viel verstehen von den Geschicken dieses Landstrichs zwischen Mittelmeer und arabischer Wüste. Grund genug, nie zu glauben, diese Geschichte sei schnell erzählt und habe eine schwarze und eine weiße Seite, eine gute und eine böse.

Kein Grund allerdings, die Hoffnung aufzugeben auf Frieden dort, und genug Grund, weiter dafür zu beten.

Amen.

 

26.05.2021



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