Losung

für den 29.07.2021

Ihr Berge Israels, siehe, ich will mich wieder zu euch kehren und euch mein Angesicht zuwenden, dass ihr angebaut und besät werdet.

Hesekiel 36,9

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Interview mit Superintendentin Dr. Werner über das Impulspapier „Lobbyistin der GOTToffenheit“

„Verändern wird sich die Kirche sowieso“

Ein Diskussionspapier der Landessynode schlägt einen grundlegend anderen Blick auf die Evangelische Kirche vor und wirbt für einen Paradigmenwechsel. Mitautorin Dr. Ilka Werner erläutert, welches neue Bild von Kirche der Text zur Diskussion stellt.

Kirche soll mit anderen AkteurInnen zusammenarbeiten: Superintendentin Dr. Ilka Werner bei einer Kunstaktion gegen rechts des Bündnisses „Bunt statt Braun“ im August 2020. Kirche soll mit anderen AkteurInnen zusammenarbeiten: Superintendentin Dr. Ilka Werner bei einer Kunstaktion gegen rechts des Bündnisses „Bunt statt Braun“ im August 2020.

Die am 15. Januar 2021 zu Ende gegangene Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland hat ein Diskussionspapier zum Selbstverständnis der Kirche und zu ihrer Rolle in der Öffentlichkeit verabschiedet. Die Initiative dazu kam aus dem Theologischen Ausschuss der Landeskirche. Maßgeblich mitverfasst wurde der Text von Superintendentin Dr. Ilka Werner, die bis Mitte Januar Vorsitzende des Ausschusses war.

Frau Dr. Werner, der Diskussionstext der Landessynode hat einiges Aufsehen erregt – auch weil das Bild, mit dem das Papier den Vorschlag für ein zukünftiges Selbstverständnis der Kirche zusammenfasst, auf manche etwas sperrig wirkt: „Lobbyistin der GOTToffenheit“. Bitte erklären Sie uns, warum und für wen die Kirche künftig Lobbyarbeit machen soll!
 

Superintendentin Dr. Ilka Werner: Kirche soll in der Welt von Gottes Gnade und Barmherzigkeit erzählen, für Nächstenliebe und das Vertrauen auf Gottes Verheißungen eintreten. Wenn wir sie „Lobbyistin“ nennen, dann ist sie das nicht in eigener Sache, sondern für Gottes Sache. Sie bringt in der Welt Gottes Leidenschaftlichkeit und Offenheit für uns Menschen und die Schöpfung zur Sprache, und wirbt dafür, dass die Menschen auch in säkularen Zeiten offen bleiben für die Frage nach Gott. Hier in Solingen gehört noch gut die Hälfte der EinwohnerInnen zu einer christlichen Kirche. Da kommt die Stimme des christlichen Glaubens und der christlichen Werte im Konzert der Meinungen nicht unbedingt von selbst vor – weil sie aber wichtig ist, braucht sie parteiliche VertreterInnen.

Die Lobby ist ja der Vorraum des Parlaments, in dem die Vertreter*innen verschiedener Interessen versuchen, für ihre Sicht der Dinge zu werben. Um im Bild zu bleiben: Sollte der Platz der Kirche nicht besser im Zentrum der Macht sein, also da, wo wirklich die Entscheidungen fallen, als bloß davor?
 

Nun ja: Jahrhundertelang waren die Kirchen im Zentrum oder nah bei der Macht. Und man braucht nicht tief in die Kirchengeschichte einzutauchen, um zu wissen, dass sie mit ihrer Macht nicht immer gerecht und gut umgegangen sind. Dass sie für ihre Botschaft werben müssen und sie nicht einfach durchsetzen können, hilft ihnen, menschenfreundlicher zu werden.

In unserer Zeit ist nicht mehr praktisch das ganze Volk Mitglied der einen oder andere Kirche. Darum müssen wir unsere Überzeugung, dass Gottes Liebe allen Menschen gilt und guttut, von der Freiheit der Einzelnen, da anderer Meinung zu sein, unterscheiden. Dann ist es gut, nicht einfach etwas durchzusetzen, sondern zu argumentieren und zu überzeugen. Und gern auch mit anderen AkteurInnen, die im einen oder anderen Bereich ähnliche Ziele haben, zusammenzuarbeiten. Das können andere Religionen, politische Gruppen oder Vereine sein, je nachdem. In Solingen z.B. unterstützen wir mit „Bunt statt Braun“ und „Solingen hilft“ die „Seebrücke“ und die Flüchtlingshilfe, und mit dem „Max-Leven-Zentrum e.V.“ setzen wir uns für eine Erinnerungskultur ein, die die Demokratie stark macht gegen Antisemitismus.

Soll die Kirche als Lobbyistin nur reden oder auch selber handeln?
 

Nun, welche Überzeugungskraft haben die schönsten Worte, wenn die, die sie sagen, nicht auch danach handeln? Ja, die Kirche soll auch selbst handeln, und ernsthaft versuchen, das, wofür sie eintritt, in den eigenen Gemeinden auch umzusetzen. Dabei geht es nicht darum, perfekt zu sein. Aber darum, glaubwürdig zu bleiben. Wenn Kirche also im Team mit den anderen Religionen in der Stadt für Gottoffenheit wirbt, muss sie auch bereit sein, ihre überkommenen Rechte zu teilen, also etwa für einen muslimischen Feiertag eintreten oder für eine veränderte Finanzierung offen sein. Wenn sie für eine Transformation der Gesellschaft hin zu Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit eintritt, kann sie nur überzeugen, wenn sie selbst wandlungsfähig ist und etwa über den eigenen Beamtenapparat nachdenkt. Wenn sie offen sein will für alle Milieus der Gesellschaft, muss sie sich konsequent den Bedürfnissen der Menschen öffnen und in ihrer Sprache und in ihren Ritualen ‚barrierefreier‘ werden.

Das klingt nach einem ziemlich anstrengenden Programm. Sehen Sie nicht die Gefahr, dass Menschen, die in der Kirche arbeiten und Verantwortung tragen, sich dadurch leicht überfordert fühlen könnten?
 

Es geht nicht um ein Programm. Im Grunde geht es um eine Haltung. Und zwar um eine Haltung, die einen Trend akzeptiert, den Trend nämlich, dass viele Menschen nicht Kirchenmitglieder sein möchten. Überfordernd war es, seit mindestens 15 Jahren gegen den Trend unterwegs zu sein – und ihn doch nicht umkehren zu können. Das hat mürbe gemacht. Darum sagen wir AutorInnen des Impulspapiers: Die Zeit der Volkskirche ist zu Ende. Wir befinden uns in einer Übergangssituation. Wir sind traurig, dass manches nicht mehr geht, und lassen die Trauer zu. Wir ergreifen gern die Möglichkeiten, die sich uns bieten, auch, wenn es nur für ein paar Jahre ist. Wir haben als Kirche keine Angst um uns selbst. Ob wir erfolgreich sind, drückt sich nicht in Mitgliederzahlen oder Taufquoten aus. Es drückt sich darin aus, ob man uns anmerkt, dass wir Teil von Gottes Mission für Liebe und Hoffnung gegen die Angst sind.

Für wie realistisch halten Sie es, dass die Evangelische Kirche sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zur „Lobbyistin der GOTToffenheit“ wandeln kann?
 

Verändern wird sich die Kirche sowieso. Die Frage ist eher, ob sie sich an ihre alte Form so lange wie möglich klammert oder ob sie loslässt und sich verändern lässt – von der Zeit, aber noch viel mehr durch den Heiligen Geist: Christenmenschen glauben, dass durch alle kirchenleitenden Anstrengungen, Fehler und Trends hindurch im Grunde Gott die Kirche erhält, nicht wir Menschen. Wie realistisch eine Veränderung der Kirche im Sinne des Impulspapiers „Lobbyistin der GOTToffenheit“ ist, hängt davon ab, wie sehr wir Kirchenleute uns auf Gott verlassen und ihm in der Bewahrung seiner Kirche vertrauen.

 

03.02.2021



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