Losung

für den 29.07.2021

Ihr Berge Israels, siehe, ich will mich wieder zu euch kehren und euch mein Angesicht zuwenden, dass ihr angebaut und besät werdet.

Hesekiel 36,9

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Beerdigungen während der Corona-Pandemie

Von Trost in Zeiten der Distanz

Umarmungen am Grab sind selten geworden, Trauerfeiern dürfen nur noch im kleineren Rahmen stattfinden und auch in Trauergesprächen müssen die Abstandsregeln eingehalten werden: In Zeiten der Corona-Pandemie findet der letzte Abschied auf Distanz statt.

Seit April vergangenen Jahres sind Trauerfeiern zwar immer noch eingeschränkt, aber nicht mehr auf den engsten Familienkreis (Foto: nightflyer /Creative Commons Attribution 4.0 International license) LupeSeit April vergangenen Jahres sind Trauerfeiern zwar immer noch eingeschränkt, aber nicht mehr auf den engsten Familienkreis (Foto: nightflyer /Creative Commons Attribution 4.0 International license)

„Und trotzdem gehören diese Gespräche zu den ganz wichtigen Seelsorgebegegnungen“, sagt Raphaela Demski-Galla, Pfarrerin in Dorp. Deswegen versucht sie wie ihre Kollegen in den Solinger Gemeinden, Lösungen zu finden, um Menschen in ihrer Trauer trotzdem zu begleiten – auch und gerade in Pandemiezeiten. „Schon mit dem ersten Lockdown mussten wir uns fragen, wie wir mit Trauergesprächen umgehen“, sagt die Pfarrerin. In Dorp entschied sich das Team: „Wir bieten den Menschen weiterhin das persönliche Gespräch an.“ Die Angehörigen nehmen diese Einladung an – in fast allen Fällen. Die Treffen finden in der Kirche oder bei den Hinterbliebenen statt. Manch stummes Wort wirke am Küchentisch laut und vernehmlich, das am Telefon untergehe, sagt die Pfarrerin.

Bietet Trauernden weiter das persönliche Gespräch an: die Dorper Pfarrerin Raphaela Demski-Galla. Bietet Trauernden weiter das persönliche Gespräch an: die Dorper Pfarrerin Raphaela Demski-Galla.

Große Trauergemeinschaft fehlt

In den vergangenen Monaten erzählten die Menschen in diesen Momenten dann auch immer öfter von den Hürden des Abschiednehmens in Corona-Zeiten – vom Sterben in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, in denen Besuch nur reglementiert oder gar nicht möglich war. „Dann blieben Dinge unausgesprochen, weil den Menschen die Zeit fehlte“, sagt die Pfarrerin, „das sind Wunden, die nicht so schnell heilen.“ Als Raphaela Demski-Galla eine Frau bestattete, die mit dem Virus infiziert und schließlich damit gestorben war, wurde das Thema noch präsenter: „Dann geht es nicht um Statistiken, um Impf-Diskussionen oder Schnelltests: Dann bekommen die Zahlen ein Gesicht“, erzählt sie. Dann begegnen ihr Angehörige, die die schlimmste Seite der Pandemie gerade erleben.

Auch an anderer Stelle macht es die Pandemie Hinterbliebenen schwer: In der Vergangenheit habe sie oft erlebt, dass große Trauergesellschaften der Familie einen Rückhalt gegeben hätten. Eine volle Kirche, viele Freunde und Wegbegleiter halfen in der Trauer. „Wenn diese Familien nun im kleinen Kreis Abschied nehmen müssen, dann fehlt ihnen die Begleitung“, sagt die Pfarrerin. Umso wichtiger sei es dann, den Hinterbliebenen zu vermitteln: „Unsere Hoffnung ist immer noch die gleiche.“

Bietet Nähe trotz Abstand: die Walder Pfarrerin Kerstin Heider (Archivfoto: Daniela Tobias) Bietet Nähe trotz Abstand: die Walder Pfarrerin Kerstin Heider (Archivfoto: Daniela Tobias)

Umstände verändern auch die Predigt

Auch Kerstin Heider hat erlebt, dass in diesen Momenten der persönliche Kontakt guttut: „Wir durchbrechen dann für einen kurzen Moment das Muster von Distanz, das die Menschen in diesen Zeiten überall erleben“, sagt die Pfarrerin aus Wald. Die Gemeinde nutzt dafür eine Sitzecke in der Kirche. „Dort können wir in einem großen Raum und trotzdem im gemütlichen Rahmen ins Gespräch kommen“, erzählt die Pfarrerin. Sicherheit und ein gewisses Maß an Nähe seien dann möglich. Und sie habe bereits die Rückmeldung bekommen, dass Hinterbliebene den Kirchraum ganz neu erleben. „Ich weiß, dass ich mich dann in gewisser Weise in Gefahr bringe“, sagt die Pfarrerin, „ich brauchte für diese Entscheidung ein sicheres Setting.“ Das fand sie in der Kirche: Weil sie hier zwei Meter Abstand einhalten könne, dürfen Angehörige auch ihre Masken abziehen, wenn sie es wollen. „Es ist dann auch leichter, zu weinen“, sagt die Pfarrerin. Dann kommen sie miteinander ins Gespräch – über das Leben und den Abschied.

Hat sie vor der Pandemie die Biografie der Verstorbenen häufig in das Zentrum der Trauerfeier gestellt, predigt Pfarrerin Kerstin Heider inzwischen anders. „Es ist ein intimerer Raum geworden, weil häufig nur die engste Familie zur Trauerfeier kommt“, erzählt die Pfarrerin. Heute nimmt sie sich mehr Zeit für die Umstände des Abschiednehmens, sie spricht mehr über das Loslassen und den Trost. „Ich kann mehr auf die Menschen eingehen, die vor mir sitzen“, sagt sie, „und vielleicht kann ich das auch in eine Zeit nach Corona retten.“

Auch Pfarrer Dirk Stark in Merscheid beobachtet, dass sich Beerdigungen in Corona-Zeiten verändern: Viele Angehörigen würden die Möglichkeit der Begegnung am Grab oder der Urne vermissen. „Ich merke, dass ich mir mehr Zeit für seelsorgerlich verbindende Worte bei der Begrüßung nehme“ erzählt er, „und ich versuche, Hilfen zu geben, wie man Zuwendung ohne Nähe zeigen kann.“

Zwischen 700 und 800 verstorbene Menschen werden von den Pfarrerinnen und Pfarrern im Evangelischen Kirchenkreis Solingen jedes Jahr im Rahmen einer evangelischen Trauerfeier bestattet. Die genauen Zahlen für das Jahr 2020 liegen noch nicht vor.

Text: Theresa Demski
Foto: nightflyer /Creative Commons Attribution 4.0 International license

 

02.03.2021



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