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für den 20.01.2022

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Adventandacht von Superintendentin Dr. Ilka Werner

Wenn Gott käme, um in Solingen zu wohnen

Seit alters her gilt Jerusalem als der Ort auf Erden, an dem Gott wohnen will. Aber wie könnte es aussehen, wenn er auf einmal nach Solingen käme? Um in der Klingenstadt zu wohnen? Superintendentin Dr. Werner kann sich das vorstellen.

Photo by Max Beck on unsplash.com Photo by Max Beck on unsplash.com

„Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr“ (Sacharja 2,14)

 

Tochter Zion ist ein Beiname Jerusalems. So wie „Klingenstadt“ ein Beiname Solingens ist. Und Gott sagt: „Ich komme und will bei dir wohnen. Freue dich.“

Wenn er heute sagte: „Freue dich, du Klingenstadt, ich komme und will bei dir wohnen“ – was wäre die Reaktion in Solingen?

Gott kommt und geht durch die Straßen. Am Adventskranz am Rathaus vorbei. Zum Weihnachtsmarkt am Mühlenplatz. Überall Lichter, manchmal Musik, ja, das sieht nach Freude aus. Er geht durch die Clemens-Galerien, aufs Impfzentrum zu. Eine lange Schlange, ohne Termin; und eine kurze, mit Termin.

Er erkundigt sich, worum es geht, und jemand erklärt es ihm: „Das ist ein Virus, du musst dich impfen lassen, sonst kommst du nirgendwo rein.“ „Ich möchte aber hier einziehen und in Solingen wohnen.“ sagt Gott. Da sagt eine junge Frau. „Dann stell dich hier an“ und zeigt auf die Schlage ohne Termin. Zwei Stunden später ist Gott geimpft. Er geht ein Stück über die Hauptstraße, dann über den Fronhof. Die Stadtkirche ist dunkel und verschlossen. Er geht einmal drumherum. Alle Türen zu. „Aber ein schönes Gebäude“, denkt er. „Da möchte ich gern drin wohnen“. Zuerst einmal setzt er sich auf die Treppe zum Fronhof. Es ist längst dunkel, aber nicht so kalt.

Gott weiß, dass sie hier nicht gerade auf ihn warten

Zum ersten Mal, seit er den Himmel verlassen hat, kommt er zum Nachdenken. „Wie hat er sich das eigentlich genau vorgestellt, bei den Menschen wohnen? In ihren Städten? In Solingen?“ Er ist Realist genug, um zu wissen, dass sie hier nicht gerade auf ihn warten. Er rechnet damit, dass die Stadt weder Zeit noch Platz für ihn hat. Auch, wenn es diese schöne Kirche gibt. Wenn er hierbleiben will, muss er sich was einfallen lassen.

„Ich muss den Leuten zeigen, was sie davon haben, wenn ich da bin“, murmelt er vor sich hin. „Ich muss ihnen zeigen, dass es gut tut, Gott in der Stadt zu haben“.

„Sagen Sie, ist alles in Ordnung mit Ihnen?“ hört er eine Stimme, eine Frau mit Schürze, sie kommt von der Pizzeria an der Ecke aus auf ihn zu. „Hier können Sie nicht sitzen, so holen Sie sich den Tod.“ Gott schaut auf und merkt, dass er Hunger hat: „Kann ich hereinkommen und was essen? Geld habe ich!“ Die Frau sagt: „Das geht nur, wenn Sie geimpft sind, 2G, wissen Sie?“ „Ach ja“, sagt Gott, „Ich war eben beim Impfen. Aber ich habe erst die erste Dosis. Ich bin neu hier.“ Die Frau guckt ihn an: „Neu? Neu auf diesem Planeten?“ „Ja“, sagt Gott. Die Frau schüttelt den Kopf und sagt: „Ich kann Ihnen eine Pizza herausbringen. Reinlassen kann ich Sie nicht.“ Gott sagt: „Ja, bitte“ und kurz danach sitzt er wieder auf der Kirchentreppe und kaut. Die Pizza ist lecker.

Aber mit seinem Projekt ist er noch nicht weiter. In Solingen wohnen. Den Leuten zeigen, was sie davon haben, dass er da ist. „Hast du mal ´nen Euro?“ fragt eine Stimme, die einem hibbeligen Kerl gehört. „Ja“ sagt Gott und kramt in seinen Taschen. „Wie heißt du?“ fragt er. „Achmed!“ sagt der Hibbelige und geht weiter.

Gott bleibt sitzen. Ein paar Leute gehen eilig quer über den Platz. Wenn sie ihn bemerken, so zeigen sie es nicht.

Über die Krippe muss er lachen

Gott bleibt lange sitzen. Wie lange, weiß er nicht so genau, weil er Gott ist, friert er nicht und kann die Zeit vorspulen. Irgendwann geht er wieder zum Impfzentrum und holt sich die zweite Impfung. Jetzt ist er auch 2G. Und dann sitzt er wieder auf der Treppe an der Kirche.

Plötzlich geht hinter ihm die Tür auf. Licht flutet auf den Platz. Wärme. Und Musik. „War doch richtig, hier zu warten!“ denkt Gott, steht auf und geht zur Tür. „Zeigen Sie mir bitte Ihren Impfnachweis?“ fragt der Mann an der Tür. Gott hat sogar ein Handy mit dem QR-Code drauf und zeigt es vor. „Herzlich willkommen“ sagt der Mann, und: „Frohe Weihnachten!“ „Frohe Weihnachten!“ erwidert Gott und geht in die Kirche. Da ist eine Krippe vorne beim Altar. Er muss lachen. „So sah das damals nun wirklich nicht aus!“ murmelt er, „Aber immerhin: Die Leute haben es nicht vergessen.“

Es kommen immer mehr Leute in die Kirche. Aber voll wird sie nicht. Alle halten Abstand und haben Masken an. Aber sie sehen trotzdem glücklich aus. Gott lächelt sie an, jeden und jede einzelne. Da sehen sie noch ein bisschen glücklicher aus. Er sitzt auf der Bank am Rand und lächelt. Die Leute sehen ihn nicht. Ja, das kann er machen, unsichtbar sein, weil er ja Gott ist. Aber er ist da. Den Leuten wird es warm ums Herz. Sie denken: „Dieses Jahr ist es wirklich Weihnachten. Irgendwie besonders. Damit habe ich gar nicht gerechnet.“ Und Gott denkt: „Dieses Jahr soll für euch wirklich Weihnachten sein. Ich bin hergekommen, und etwas von mir wird hierbleiben.“

Wie ist das wohl, wenn Gott in Solingen wohnt?

Und wirklich: Als die Orgel „O du fröhliche“ gespielt hat und die Leute aufstehen und rausgehen, da geht Gott mit, aber er lässt etwas von sich zurück auf der Bank an der Seite der Kirche. Und die Leute denken beim Rausgehen: „Wie ist das wohl, wenn das stimmt, was die Pfarrerin gesagt hat, dass Gott auf der Erde wohnt. Wie ist das wohl, wenn er in Solingen wohnt?“ Und sie lächeln, und ihr Gesicht leuchtet, und die Mutigen von ihnen denken: „Es muss genau so sein, so wohlig, so gesegnet.“

In den Tagen danach verändert sich etwas in der Stadt. Es wird weniger geschimpft. Es wird weniger gebrüllt. Es ist weniger Angst und weniger Sorge wegen Corona. Es gibt einen Schimmer von Hoffnung, den kann man fast sehen in den Straßen. Und es gibt eine Ahnung davon, wie es sein müsste, wenn es gerecht zuginge, wenn die Armen genug hätten und die Fremden dazugehörten und die Natur aufatmete. Nur eine Ahnung davon. Aber die ist hartnäckig und nicht wieder wegzukriegen und sie steckt immer mehr Leute an mit Hoffnung, mit wirklich verrückter Hoffnung auf eine Welt im Gleichgewicht. Die Frommen denken: „Das kommt, weil Gott uns in Balance hält.“

Die Hoffnung wird größer. Vor allem bei denen, die mal in diese Kirche am Fronhof gehen. Aber wer von Gott angesteckt ist, bleibt es. Und die Gesichter leuchten.

Und Gott zieht weiter zum Bahnhof und denkt bei sich: „Geht doch!“ und fährt über die Müngstener Brücke nach Remscheid rüber.

Amen.

 

10.12.2021



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