Losung

für den 27.09.2021

Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort.

Psalm 119,67

Gottesdienste
Gottesdienste

Jede Woche einen frischen Gottesdienst oder eine Andacht aus dem Evangelischen Kirchenkreis Solingen finden Sie auf unserem YouTube-Kanal "Klingenkirche".

Suchen Sie einen Gottesdienst in Ihrer Nähe?

Hier finden Sie Termine, Orte und Zeiten der Gottesdienste in den Gemeinden.

mehr
Newsletter

Sie möchten regelmäßig mit Informationen und Meinungen aus der Evangelischen Kirche in Solingen versorgt werden? Hier können Sie unseren 14-tägigen Newsletter abonnieren.

mehr
Kontakt

Möchten Sie wissen, zu welcher Gemeinde Sie gehören? Wer als Pfarrerin oder Pfarrer für Sie zuständig ist? Dann schicken Sie uns doch einfach eine Nachricht.

mehr
Diakonie
Diakonie

Konkrete Beratung, praktische Hilfe und menschliche Zuwendung - mit diesem Angebot setzt sich das Diakonische Werk des Kirchenkreises für die Menschen der Stadt Solingen ein.

mehr
Gemeinden
Gemeinden mehr
Service

Gedenktag für verstorbene Kinder

Wenn Kinder vor den Eltern sterben

Am zweiten Dezembersonntag gab es den Gottesdienst zum Gedenktag für verstorbene Kinder. Pfarrerin Renate Tomalik ist evangelische Klinikseelsorgerin. Sie hat schon viel Trauer erlebt und erzählt im ekir.de-Interview, wie sich betroffene Familien fühlen.

Renate Tomalik arbeitet seit 21 Jahren als Klinikseelsorgerin in Solingen. Renate Tomalik arbeitet seit 21 Jahren als Klinikseelsorgerin in Solingen.

„Es ist die denkbar größte Katastrophe für eine Familie, die man sich vorstellen kann“, betont Klinikpfarrerin Renate Tomalik mit Blick auf den Verlust eines Kindes. Denn man verliere einen Menschen, mit dem noch so viel Zukunft verbunden worden sei. Da sei Trauer um so viel ungelebtes Leben, unverwirklichte Träume und Wünsche. „Mit dem Kind stirbt auch immer ein Teil der Eltern.“ Zudem werde die „natürliche Ordnung“ ausgehebelt. „Normalerweise sollten Eltern vor den Kindern sterben.“

Seit 21 Jahren für Trauernde da

Aus den Fugen gerät auch das Leben der Betroffenen, wie Tomalik weiß. Seit 21 Jahren arbeitet sie als Seelsorgerin im Städtischen Klinikum Solingen. Zusammen mit ihren je zwei evangelischen und katholischen Kolleginnen und Kollegen steht sie den Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitenden in schwierigen Situationen beiseite – etwa dann, wenn Eltern ein Kind verlieren.

„Trauer ist ein sehr individueller Prozess“

Deshalb kennt sie deren Trauer nur zu gut. Nicht-wahrhaben-wollen, eine tiefe Traurigkeit, Verzweiflung, Wut, Einsamkeit oder das dringende Bedürfnis, mit jemandem darüber sprechen zu wollen. All das seien Phasen, die Betroffene immer wieder durchleben müssten. „Vieles davon passiert gleichzeitig, einen Fahrplan gibt es nicht. Trauer ist ein sehr individueller Prozess.“ Entscheidend sei die Persönlichkeit, nicht aber das Geschlecht. „Ich habe Männer wie Frauen gleichermaßen weinen oder schweigen sehen.“

Paare müssen sich Unterschiedlichkeit zugestehen

Jeder müsse seinen eigenen Weg finden, ein Richtig oder Falsch gebe es nicht. „Die größte Herausforderung für Paare ist meist, sich eine unterschiedliche Trauer zuzugestehen.“ Denn anders zu trauern heiße nicht, weniger zu trauern. Eines aber sei immer gleich: „Trauer will durchgearbeitet und nicht verdrängt werden.“ Das sei harte Arbeit, Rückschläge immer möglich. „Gerät dieser Prozess dauerhaft ins Stocken, sollte man sich professionelle Hilfe etwa bei einer Trauerberatung holen“, rät Tomalik.

Geschwisterkinder dürfen nicht vergessen werden

Bei all der Trauer der Eltern dürften zudem die Geschwisterkinder nicht aus dem Blick geraten. Das geschehe jedoch immer wieder, beispielsweise weil Eltern zu sehr mit sich selbst beschäftigt seien. Dabei sei es gerade für Kinder wichtig, richtig zu trauern. „Vor allem jüngere können oft nicht verstehen, dass auch Kinder sterben können. Oder sie fühlen sich verantwortlich, weil sie sich mal gestritten haben“, erläutert Tomalik. Manchmal täusche auch eine vermeintliche Fröhlichkeit über ihre Trauer hinweg. Kinder hielten aber einfach das Gefühl der Traurigkeit nicht so lange aus wie Erwachsene. „Das heißt aber nicht, dass sie im Herzen sehr traurig sind.“ Gut sei es deshalb, mit ihnen die Trauer aktiv zu gestalten. Etwa indem man zusammen das Grab pflegt, zum Geburtstag oder Todestag eine Kerze anzündet und über das Geschwisterkind spricht.

Gedenkgottesdienste an verschiedenen Orten

Tomalik selbst organisiert seit mehr als 15 Jahren mit betroffenen Eltern der Kirchengemeinde Rupelrath einen Gottesdienst zum Weltgedenktag verstorbener Kinder. Es gibt Musik, eine Ansprache und Kerzen werden entzündet. „Dieser Moment ist immer sehr intim und emotional.“ Den persönlichen Erfahrungsbericht hielt in diesem Jahr Pfarrerin Tomalik selbst. „Ich erzählte von der Trauer um mein Patenkind, das kürzlich verstorben ist.“

 „Niemand versteht Schmerz besser als andere Betroffene“

Angesprochen auf die Bedeutung solcher Gedenktage denkt Tomalik an die Worte der Mutter ihres Patenkindes: „Sie meinte einmal, dass es ihr am allerwichtigsten ist, das andere Menschen mit ihr an ihr Kind denken und es in Erinnerungen lebendig bleibt.“ Gedenkgottesdienste böten Raum, dem Ausdruck zu verleihen. Zudem sei das Miteinander zwischen Betroffenen wichtig. „Niemand kann den Schmerz besser nachvollziehen als Menschen, die dasselbe erlebt haben.“

Hiobgeschichte als Wegweiser für Hilfe

Obwohl Ratschläge schwer seien, könnten aber auch Außenstehende helfen. An diesem Punkt erinnere sie sich gerne an die Geschichte aus Hiob 2,13. Dort werde erzählt, dass Hiob seine Kinder und alles, was er hat, verliert. Als seine Freunde von dem Unglück hörten, hätten sie sieben Tage und Nächte schweigend bei ihm gesessen, weil sie seinen großen Schmerz erkannten. „Es geht primär nicht darum, was oder ob man etwas sagt. Wichtiger ist, dass man das große Leid anerkennt und das Gefühl vermittelt: ‚Ich bin für dich da und versuche es mit dir auszuhalten‘“.

 

Andreas Attinger für ekir.de / 15.12.2020



© 2021, Evangelische Kirche in Solingen
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung