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für den 04.04.2020

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Aktuelle Themen in Gottesdienst in Rupelrath und in Widdert

„Wer Christ ist, kann nicht in der AfD sein!“

Zwei aktuelle gesellschaftliche Themen griffen Gottesdienste am Sonntag (16.2.2020) ausführlich auf: In Widdert ging es um Bluttests zur Früherkennung des Downsyndroms. In Rupelrath stand das Phänomen des Populismus im Fokus von Gottesdienst und Predigt.

Predigte mit viel Herzblut: die Rupelrather Pastorin Petra Schelkes (Foto: Detlef Mergehenn) Predigte mit viel Herzblut: die Rupelrather Pastorin Petra Schelkes (Foto: Detlef Mergehenn)

Szenenapplaus während einer Predigt ist selbst für die lebendigen Gottesdienste in der Rupelrather Christuskirche eher ungewöhnlich. Zu hören war er im Elf-Uhr-Gottesdienst nach dem klaren Statement von Petra Schelkes: „Wer Christ ist, kann nicht in der AfD sein!“ Nur eines der flammenden Plädoyers, mit denen die engagierte Pastorin mit einer Herzblut-Predigt zum Thema „Populismus“ die über 300 Besucherinnen und Besucher packte, provozierte und zum Nachdenken anregte.

Große Aktualität
„Vor gut einem Jahr haben wir im Elf-Uhr-Team die vier Themen für 2020 festgelegt“, hatte Moderator Ralf Puslat bei der Begrüßung erklärt. „Wir hätten allerdings nicht gedacht, dass der Populismus inzwischen so brandaktuell ist.“ Schließlich ist der Schulterschluss von Thüringen gerade mal zwei Wochen her. Den richtigen Instinkt für gesellschaftspolitisch relevante Themen hatte das rund 30-köpfige Elf-Uhr-Team auch schon bei der Klausurtagung im Jahr zuvor gehabt. Damals ging es um den erstarkten Antisemitismus.

Das Thema wurde direkt zu Beginn im bildgewaltigen Intro zum Song „Wo bleiben die Beschwerden“ von Enno Bunger aufgenommen. Ein Anspiel eröffnete augenzwinkernd einen Blick in die „Akademie für Populismus“: Dozentin Habrecht unterrichtete Merksätze wie „Es teilt und liket und intrigiert / nur, wer sich tüchtig echauffiert!“.

In ihrer Predigt zitierte Petra Schelkes aus der jüdischen Tradition. Im Talmud heiße es: „Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte…“ Inzwischen könne es nicht mehr um das viel zitierte „Wehret den Anfängen“ gehen: „Über die Anfänge sind wir längst hinaus“, warnte die Pastorin und appellierte an die Gottesdienst-Gäste, „nicht nur vor dem Fernseher den Kopf zu schütteln, sondern endlich aufzustehen“. Schließlich habe sich Jesus in der Bergpredigt nicht nur an die politisch Verantwortlichen seiner Zeit gewandt, als er sagte: „Ihr seid das Salz der Erde!“

Das Feld nicht den Angtsmachern überlassen
So sei es Aufgabe aller Christinnen und Christen, das Feld nicht den negativen Kräften und Angstmachern zu überlassen: „Wir sind beauftragt, den Geist von Ostern zu verkünden!“ Ein Geist des Dialogs, der Nächstenliebe und der Bereitschaft, über komplexe Fragen konstruktiv zu diskutieren, statt simple Antworten und schwarze Schafe zu finden. Ihr selbst habe auch der Rupelrather Gesprächskreis mit Geflüchteten aus Syrien, China, der Türkei und Eritrea die Augen geöffnet. Pastorin Schelkes: „Wenn ich höre, was sie aus ihren Ländern erzählen, können wir die Demokratie, Meinungs- und Religionsfreiheit in Deutschland nicht hoch genug einschätzen. Aber was tue ich persönlich, um diese Werte zu verteidigen?“

Gefährlicher als die extremen Ränder im politischen Spektrum sei die schweigende Mitte: „Deshalb müssen unsere Gesichter zu sehen sein, wenn in dieser Stadt gegen populistische Strömungen, Rassismus und Antisemitismus demonstriert wird!“ Schelkes erinnerte an das Erkennungszeichen der Christen - den Fisch: „Das kann doch kein Zufall sein, dass in Italien die ,Sardinen‘ und in Finnland die Herings-Bewegung gegen Rechtspopulisten auf die Straße gehen.“ Passend dazu gab es als Erinnerung für jeden Gottesdienst-Besucher eine Karte mit den Talmud-Versen, auf deren Rückseite ein Haifisch prangt. Schelkes: „Wir sind aufgefordert, auch mal die Zähne zu zeigen, wenn Hass statt Nächstenliebe und Lüge statt Wahrheit regieren.“ Und auf den unausgesprochenen Vorwurf, dass der Gottesdienst heute viel zu politisch gewesen sei, konterte die engagierte Pastorin: „Unser Glaube will, ja, er muss unseren Alltag prägen. Und Gottes großes ,Pro‘ für alle Menschen muss raus in die Welt – als Zeichen gegen eine menschenverachtende Politik.“ Auch dafür gab’s wieder Applaus.     

Talkgottesdienst in Widdert
Wenige Kilometer weiter in Widdert hatte Pfarrerin Kristina Ziegenbalg mit ihrem Team einen Talkgottesdienst zu einem auf den ersten Blick ganz anderen aktuellen Thema vorbereiten. Unter der Überschrift „Testfall Leben“ – (K)ein Leben mit Down-Syndrom“ gab es ein kontroverses Podiumsgespräch mit Gegnerinnen und Befürwortern eines von den Krankenkassen bezahlten Bluttests auf das so genannte „Down-Syndrom (Trisomie 21)“. Unter den rund 100 Gottesdienstteilnehmenden in Widdert waren an diesem Morgen auch einige Kinder und junge Erwachsene mit Down-Syndrom. Eine von ihnen, die 22-jährige Marie, war sichtlich bewegt, als sie über den Test sprach, der dazu führt, dass 90 Prozent der positiv getesteten Schwangerschaften abgebrochen werden. Eine Mutter erzählte dagegen, dass ihr der Test geholfen habe, sich auf ihr behindertes Kind einzustellen. „Als uns das positive Testergebnis mitgeteilt wurde, dachte ich, die Welt geht unter. Aber dann habe ich mich gründlich mit dem Thema ,Down-Syndrom‘ beschäftigt. Und als unsere Tochter dann geboren wurde, haben wir erstmal gefeiert.“

In ihrer Predigt betonte Pfarrerin Ziegenbalg, dass jeder, auch ein behinderter Mensch selbstverständlich ein von Gott geliebtes Geschöpf sei. Es gehe trotzdem nicht darum, Eltern zu verurteilen, wenn sie diesen Test wünschten. Es gehe aber darum, dass unsere Gesellschaft verpflichtet sei, alles zu tun, um Eltern zu unterstützen und zu fördern, die sich dafür entschieden haben, ein Kind mit Down-Syndrom aufzuziehen.

Auch in Widdert kam die Gefahr des Rechtspopulismus zur Sprache. Auf die Frage, wovor sie am meisten Angst habe, antwortete eine Mutter: „Dass die Rechten in Deutschland wieder an die Macht kommen. Dann sind wir mit unseren Kindern sofort weg!“ Unter den anwesenden Familien, die sich um ein Kind mit Down-Syndrom kümmern, schien hierüber Einigkeit zu herrschen.

 

19.02.2020



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