Losung

für den 27.09.2021

Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort.

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Superintendentin Dr. Werner: Wie Corona hilft, Karfreitag und Ostern zu verstehen

Nicht nur durch Corona, auch sonst ist unsere Welt stark gefährdet. Aber Karfreitag und Ostern erinnern uns daran, dass Gott mit uns den Kampf um Mitmenschlichkeit und um diese Welt führt, schreibt Superintendentin Dr. Ilka Werner.

Superintendentin Dr. Ilka Werner Superintendentin Dr. Ilka Werner

„Wie geht es dir in diesen merkwürdigen Zeiten?“ so frage ich dieser Tage viele am Telefon, per mail oder sms. Und die meisten antworten: „Ach, eigentlich geht es mir gut.“ Und sie zählen auf, was jetzt positiv ist, der Zusammenhalt, die Kreativität, die Entschleunigung des Alltags, wie sich Beziehungen bewähren.

Und erst wenn wir weiterreden, kommt das Andere zur Sprache: eine unterschwellige Sorge, ein kaum greifbares Gespür für den unwägbaren Ernst der pandemischen Gefahr. Wir sprechen dann von dem mulmigen Gefühl, das die massive Einschränkung der Freiheitsrechte macht. Wir sprechen von dem Erschrecken angesichts der Bilder von den vielen Toten. Wir reden von der Sorge, was in den Wohnungen passiert, in denen die Menschen jetzt so viele Stunden hocken, was vielleicht jetzt vor allem Kindern passiert. Und wir reden über die Frage, wie wir besonders Gefährdete schützen können, ohne sie zu diskriminieren. Durch dieses Andere wird deutlich, was auf dem Spiel steht: alles, was unsere mitmenschliche Welt ausmacht.

In normalen Zeiten haben wir dieses Gespür nicht oder wir gehen seinen kaum merkbaren Zeichen nicht nach. Wir haben dann auch diese unterschwellige Sorge um das Ganze unserer Weltgemeinschaft nicht. Wir haben sie nicht, obwohl sie doch da ist, die grundsätzliche Gefährdung. Nur hat sie in normalen Zeiten keinen Namen, erst recht keinen, den man sich leicht merken kann. Die Gefährdung ist normalerweise auch nicht erkennbar für die ganze Welt dieselbe. Sie ist keine, der alle ausgeliefert sind, und keine, die wir etwa der schlampigen Moral anderer zurechnen können, so dass wir hierzulande uns sicher fühlen. Aber die grundsätzliche Gefährdung, die ist auch sonst da. Sie trifft allerdings sonst nur die Armuts- und Krisenherde der Welt, die Verlierer der Globalisierung und die, die zu wenig Geld für Schutz- und Kompensationsmaßnahmen haben. Wir hier bei uns spüren sie nicht oder nur so schwach, dass die, die darauf hinweisen, von den meisten verlacht werden als Sensibelchen. Das hat Corona verändert. Jetzt spüren wir sie, die Gefährdung der Welt.

"Karfreitag geht es darum, ob das unmenschliche Gesicht der Welt sich durchsetzt"

Und wir lassen zu, dass sie uns beschäftigt, jetzt, in der Karwoche, in der wir – oder zumindest die religiös Neugierigen - fragen, warum das damals alles so gekommen ist mit der Kreuzigung Jesu. Warum Jesus sterben musste und warum Gott das nicht verhindert hat, wenn er doch allmächtig ist. Das ist sowieso Thema in der Karwoche und vielleicht klarer erkennbar in diesem Jahr, in dem Corona uns hilft, die unterschwellige Sorge und den unwägbaren Ernst auszusprechen.

Denn Karfreitag, da geht es darum, ob das unmenschliche, gefährliche Gesicht der Welt sich durchsetzt oder ob die gottgewollte Mitmenschlichkeit triumphiert. Es geht darum, ob Gewalt, Hass und Leid begrenzt werden oder grenzenloses Unheil stiften. Es geht darum, ob Gott die Übermacht behält; und letztlich geht es darum, ob mit Jesus Gott selbst stirbt oder ob Gott Macht hat über den Tod. Und es geht darum, ob für uns Menschen das Leben und die Mitmenschlichkeit gerettet werden.

In vielen Jahren kommt uns das reichlich dramatisch vor und wir sagen: „So schlimm ist es doch nicht mit Gewalt, Hass und Unmenschlichkeit, und für mich muss keiner sterben.“ Und als Theologin antworte ich: „Ja, wenn ich von meiner Kenntnis der Weltlage her rede, dann sehe ich das auch so: So schlimm ist es nicht. Aber wenn mein Denken da anfängt, dass Karfreitag passiert ist und dass Jesus, der Sohn Gottes, ermordet worden ist, dann sehe ich, dass es so schlimm ist. Ich nehme wahr, dass Gottes Sohn sich aufs Spiel setzt, und ich sehe die Welt mit neuem Blick und erkenne erschrocken: Ja, es ist so schlimm, für viele auf der Welt, für die ist keine Hoffnung da.“ In diesem Jahr der Corona-Pandemie verstehen wir die Dramatik vielleicht besser, weil wir sensibel sind für die große Gefahr für die Menschlichkeit und Menschheit, die von Corona ausgeht, und wir spüren: Es ist so schlimm.

"Gott hat diesen Kampf für uns gewonnen!"

Nun könnten wir noch sagen, dass so etwas wie diese Pandemie eben ab und zu, alle hundert Jahre vielleicht mal, passiert, das sei eben so. Ja, das können wir sagen. Aber als Christenmenschen sind wir gewohnt, das, was eben so ist, im Licht des Handelns Gottes zu sehen. Und da sehen wir, dass Gott an Karfreitag dem Schlimmen, das eben so ist, den Kampf angesagt hat. Und wir erfahren, dass er diesen Kampf am Ostermorgen gewonnen hat.

Gott hat diesen Kampf für uns geführt, weil er uns liebt als seine Geschöpfe und weil er versprochen hat, dass er das Werk seiner Hände niemals preisgeben wird, nicht dem Hass, nicht der Gewalt, nicht dem Corona-Virus. Es mag manchmal so aussehen, als seien wir preisgegeben, wir alle und vor allem die Armen, die Kranken, die Verfolgten und Heimatlosen, die Ausgebeuteten, alle die, denen Menschlichkeit vorenthalten wird. Es mag so aussehen. Und es fühlt sich oft so an. Aber Jesus ist am Ostermorgen auferstanden, und das heißt: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Und solange er noch schreit und droht, solange er uns noch ängstigt und wehtut, so lange sind wir doch nicht allein; Jesus ist bei uns.

Die Sorge vor der pandemischen Gefahr für die ganze Menschheit und um die Menschlichkeit bleiben. Aber der Glaube an Gottes Sieg über Tod, Gewalt und Unmenschlichkeit bildet eine unterschwellige Gewissheit, die die Angst vor dem Virus und alle Angst umfasst. Er bildet eine nie versiegende Quelle der Hoffnung und Kraft, eine starke Motivation, auf das Positive zu setzen, auf das, was Mut macht und Hoffnung für alle: den Zusammenhalt, den Einsatz für Gerechtigkeit, die Kreativität der Liebe und die Widerstandskraft der ganz normalen Nachbarschaften und Gemeinden.

 

08.04.2020



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