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für den 17.08.2019

So spricht der HERR: Wie lange weigerst du dich, dich vor mir zu demütigen?

2.Mose 10,3

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Gedenken: Redebeitrag von Superintendentin Dr. Ilka Werner

„Wir gehören zusammen“

Wegen des unwetterbedingten Abbruchs der Gedenkveranstaltung am Mahnmal konnte der Redebeitrag von Superintendentin Dr. Ilka Werner im Namen der ACK nur schriftlich verteilt werden. Darin ruft sie die Menschen in Solingen zu Gemeinschaft auf.

Mahnmal für die Opfer des Solinger Brandanschlags (Foto: Frank Vincentz - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)) Mahnmal für die Opfer des Solinger Brandanschlags (Foto: Frank Vincentz - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0))

Wie in jedem Jahr wurden alle deutschen und türkischen Redebeiträge zuvor in die jeweils andere Sprache übersetzt und vor Beginn des Gedenkens in Form einer Broschüre an die Zuhörenden verteilt. So konnten die Menschen, die nur die Reden von OB Tim Kurzbach und dem stellvertretenden NRW-Ministerpräsidenten Dr.Joachim Stamp hören konnten, bevor die Veranstaltung wegen des Unwetters durch Stadtsprecher Lutz Peters abgebrochen werden musste, zumindest die Redetexte mit nach Hause nehmen.

In ihrem Beitrag betont die Solinger Superintendentin Dr. Ilka Werner, dass Glaube und Religion nicht dazu benutzt werden dürften, Menschen gegeneinander auszuspielen: „Wir gehören zusammen, die wir verschieden glauben hier in dieser Stadt, so schwierig das Miteinander manchmal auch ist.“ Gott sei der Schöpfer aller Menschen unabhängig davon, wie konkret zu ihm gebetet werde. Abraham verbinde Juden, Christen und Muslime. Der Prophet Abraham spielt in der Bibel wie im Koran eine wichtige Rolle als Urvater des Glaubens.

Gleichzeitig mahnt die Solinger Superintendentin, auch diejenigen Solinger nicht zu vergessen, die dem Gedenken fernblieben, weil sie nicht wollten, sich falsch verstanden oder mit ihrer eigenen Geschichte nicht berücksichtigt fühlten. Es sei wichtig, „zu überlegen, wie wir in Kontakt kommen können zu denen, die sich jetzt nicht willkommen und dazugehörig fühlen. Wie wir deutlich machen können, dass das Gedenken in dieser Stadt Raum und Platz für alle ihre Bürger und Bürgerinnen hat.“

Superintendentin Dr. Werner war für die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Solingen als Rednerin bei der Gdenkstunde vorgesehen..

Das Manuskript des geplanten Redebeitrags von Superintendentin Dr. Werner in vollem Wortlaut

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Menschheitsgeschwister!

In jedem Jahr kommen wir hier am Mahnmal zusammen, um der fünf ermordeten Frauen und Mädchen zu gedenken. Die, die sie kannten, erinnern sich an sie. Die, die die Familie Genc kennen, trauern mit ihr. Die, die damals in Solingen lebten, durchleben noch einmal die widersprüchlichen Gedanken und Gefühle dieser Pfingsttage 1993. Und auch die, die erst später nach Solingen gezogen sind, werden immer wieder mit dem Anschlag vor 25 Jahren konfrontiert und können nicht anders, als die Geschichte Solingens auch ihre Geschichte werden zu lassen.

Die fremdenfeindliche und islamfeindliche Brandstiftung von vor 25 Jahren prägt – ganz verschieden und sicher unvergleichbar – unser aller Leben.

Und uns allen wird klar: Wir gehören irgendwie zusammen, alle, die wir hier leben, alle, die wir hier zuhause sind. Wir gehören zusammen, so schwierig das manchmal auch sein mag.

Wir gehören zusammen, aber ein friedliches Miteinander ergibt sich daraus nicht von selbst, das wissen wir. Dazu sind wir zu verschieden, dazu haben wir zu verschiedene Lebensgeschichten. Vieles tun wir schon dafür, dass wir gut miteinander auskommen, vieles ist gelungen und gelingt immer wieder, viele engagieren sich.

Dafür sind wir einander dankbar.

Manche, die viel dafür tun, können kaum mehr schaffen. Trotzdem: Wir erreichen längst nicht alle in unserer Stadt, können viele nicht einbeziehen. Weil manche nicht wollen. Oder weil sie darunter leiden, immer wieder falsch verstanden zu werden. Oder weil ihre besondere Geschichte zu wenig gehört wird und vorkommt. Sie bleiben am Rand, sie sind heute hier unsichtbar.

Darum geht es für uns, die wir hier stehen, nicht darum, uns noch mehr anzustrengen. Es geht darum, uns sorgfältig umzusehen, und zu merken, wer nicht hier ist, und uns zu fragen, warum nicht. Es geht darum, zu überlegen, wie wir in Kontakt kommen können zu denen, die sich jetzt nicht willkommen und dazugehörig fühlen. Wie wir deutlich machen können, dass das Gedenken in dieser Stadt Raum und Platz für alle ihre Bürger und Bürgerinnen hat.

Als Vertreterin der christlichen Kirchen liegt mir eins besonders am Herzen: Dass Glaube und Religion nicht dazu benutzt werden, uns gegeneinander auszuspielen.

Wo das geschieht, ist es falsch. Denn Gott, wie auch immer wir ihn nennen und wie auch immer wir zu ihm beten, ist der Schöpfer aller Menschen. In Abraham, der Juden, Christen und Muslime verbindet, sind alle Völker gesegnet. Das Neue Testament sagt: Gott lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte und meint, dass es nicht uns zusteht, übereinander zu urteilen.

Und jeder Einzelne und jede Einzelne, der oder die an Gott glaubt, weiß, dass der Glaube die Angst nimmt, in dieser Welt verloren zu sein, und die Hoffnung schenkt, bei Gott ewiges Leben zu haben – wer in diesem Trost lebt, braucht niemanden als Sündenbock oder schwarzen Peter, muss nicht gegen jemanden sein.

Wir gehören zusammen, die wir verschieden glauben hier in dieser Stadt. Wir gehören zusammen, so schwierig das Miteinander manchmal auch ist.

Darum:
Lasst uns „Nein“ sagen, wo Religion für Trennung und Spaltung benutzt wird. Lasst uns „Nein“ sagen, wo der Hass wieder stark wird.

Lasst uns „Ja“ sagen, wo der Glaube die Zugehörigkeit und Zusammengehörigkeit stärken kann.

Lasst uns darauf achten, wo jemand an den Rand gedrängt wird, lasst uns sorgfältig darauf achten, dass wir Raum und Platz für die Solinger und Solingerinnen lassen, die anders denken oder glauben. Weil sie auch dazugehören.

In der Bibel heißt es: Du, Gott, stellst unsere Füße auf weiten Raum.
Möge Gott dazu helfen, dass Solingen so weiten Raum für alle Füße bietet!

 

29.05.2018



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