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Kanzelabkündigung zum Reformationsfest 2016

Für das Recht verschieden zu sein

Für eine vielfältige Gesellschaft spricht sich Superintendentin Dr. Ilka Werner in ihrer aktuellen Kanzelabkündigung aus. Die Kanzelabkündigung wird zum Reformationsfest in vielen Gottesdienst der evangelischen Kirchengemeinden verlesen.

„In Erinnerung an unsere eigene Geschichte stehen wir Evangelischen heute für das Recht, verschieden zu sein“, betont die oberste Repräsentantin der knapp 47.000 Evangelischen in der Klingenstadt aus Anlass des am 31. Oktober 2016 beginnenden Reformationsjahres.

Weil Menschen aus Not und Krieg nach Deutschland geflohen seien, stellten sich in unserem Land viele die Frage, wie die neue kulturelle Vielfalt integriert und gleichzeitig die eigene kulturelle Identität gewahrt werden können. Auch die evangelischen Gemeinden, die sich von Beginn an stark in der Arbeit mit geflüchteten Menschen engagiert haben, wüssten, „wie schwierig das im Alltag ist“. Pegida und AfD propagierten angesichts dieser Herausforderung eine geschlossene Gesellschaft, die Fremdes und die Fremden ausschließe. Dagegen erinnert die Theologin daran, dass auch die reformatorische Bewegung vor 500 Jahren einen Aufbruch zu größerer Vielfalt mit sich gebracht habe. Das sei ebenfalls keine einfache Geschichte gewesen. Auch am Beginn der evangelischen Kirchen hätten in Deutschland und überall auf der Welt Flüchtlingsgemeinden gestanden mit Menschen, die in ihrer Heimat verfolgt wurden und darum geflohen seien. Am Ende, so Werner, habe diese Entwicklung aber zu größerer Freiheit der Einzelnen geführt: „Alle können heute nach ihrer Façon selig werden.“

Das beginnende Reformationsjubiläum, schreibt Dr. Werner, sei für die Evangelische Kirche darum auch Verpflichtung und Ansporn. Angesichts der aktuellen Herausforderungen setze sie sich dafür ein, dass in unserer Gesellschaft neue Vielfalt und eigene Identität zusammengehalten werden: „um unserer selbst und um der Freiheit und der Anerkennung anderer willen“.

Den vollen Wortlaut der Kanzelabkündigung finden Sie hier:

Kanzelabkündigung zum Reformationsfest 2016 im Evangelischen Kirchenkreis Solingen

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat,
zu Gottes Lob!“ (Römer 15,7)

Liebe Gemeinden in Solingen, liebe Schwestern und Brüder!

Im letzten Jahr hat sich viel verändert. Menschen aus Ländern, in denen Not und Krieg herrschen, haben bei uns Zuflucht gefunden. Auch wir als Kirche haben ihnen intensiv geholfen.

Zugleich ist bei manchen aber Unsicherheit entstanden, sind Ängste gewachsen, die wir bis dahin so nicht kannten. Die direkte Begegnung mit Menschen aus fremden Kulturen lässt viele überlegen, was Leben in Deutschland ausmacht. „Wie können wir unsere kulturelle Identität bewahren?“, fragen sie. Einige, wie Pegida und AfD, propagieren eine geschlossene Gesellschaft, die Fremdes und Fremde ausschließt. Den meisten allerdings sind diese einfachen Antworten verdächtig. Sie suchen nach Wegen, beides in unserer Gesellschaft zu leben: eigene Identität und kulturelle Vielfalt.

Mitten in dieser Situation feiern die evangelischen Kirchen das Jubiläum der Reformation. Der kirchliche Aufbruch vor 500 Jahren hat Menschen ganz ähnlich fragen lassen: „Was gilt denn nun für unser Leben? Wie glauben und leben wir richtig?“ Es entstanden neue Kirchen und religiöse Vielfalt. Das war keine friedliche und einfache Geschichte. Aber sie führte zu größerer Freiheit der Einzelnen: Alle können heute nach ihrer Façon selig werden. Darüber sind wir froh, darum feiern wir im Jubiläumsjahr die Vielfalt.

In diesem Jahr haben wir gesehen, wie wichtig diese Anerkennung von Vielfalt ist. Wir haben Flüchtlinge aufgenommen, weil wir in unserem Land eine offene Gesellschaft haben. Es sind auch Glaubensflüchtlinge gekommen: Jesiden, irakische Christen, Muslime aus Syrien. Sie erinnern uns besonders an unsere eigene Geschichte. Denn viele evangelische Gemeinden sind als Flüchtlingsgemeinden entstanden. Verfolgt um ihres evangelischen Glaubens willen suchten Menschen damals Zuflucht in ganz Europa, später flohen viele Christen in die neue Welt, nach Amerika, um dort ihren Glauben frei zu leben.

Auch in Erinnerung dieser Geschichte stehen wir Evangelischen heute für das Recht, verschieden zu sein. Wir haben Erfahrung darin, Verschiedenes zusammenzuhalten, und können das ganz gut. Und wir wissen auch, wie schwierig das im Alltag ist, wie viel Ärger und Provokation verdaut werden müssen und wie viel Nerven es kostet. Gerade darum wollen wir 500 Jahre Reformation kräftig feiern – denn so ein Fest gibt Kraft und Freude fürs Weitermachen und macht wieder klar, warum wir das tun und wollen: Vielfalt bewahren und zusammenhalten: um unserer selbst, um der Freiheit und der Anerkennung anderer willen.

 

31.10.2016



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