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für den 19.08.2019

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Kanzelabkündigung von Superintendentin Dr. Ilka Werner

„Auch an die Armen denken“

Die mittlerweile wieder aufgehobenen Entscheidung der Essener Tafel hat die Rolle der Tafeln für arme Menschen auf die Tagesordnung gesetzt. Superintendentin Dr. Ilka Werner würdigt deren Bedeutung in ihrer aktuellen Kanzelabkündigung für den 15.04.2018.

Superintendentin Dr. Ilka Werner Superintendentin Dr. Ilka Werner

In der aktuellen Diskussion um Armut und Reichtum in Deutschland würdigt die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen, Dr. Ilka Werner, die Arbeit der Solinger Tafel. „Die Tafeln helfen mit, dass Menschen satt werden und bekommen, was sie brauchen“, schreibt Werner in einer Kanzelabkündigung, die am kommenden Sonntag in den Gottesdiensten des Evangelischen Kirchenkreises verlesen werden soll. Außerdem würde das, was die Tafeln von den Supermärkten und Bäckereien abholten, um es an ihre Kunden weiterzugeben, andernfalls vernichtet. Damit würde ein alter biblischer Gedanke aufgegriffen, betont die Theologin und erinnert an eine einschlägige Weisung aus dem 3. Buch Mose: „Wenn du dein Land aberntest, sollst du nicht Nachlese halten, sondern dem Armen und Fremdling sollst du es lassen“ (aus 3. Buch Mose 19, 9 und10). Schon in der Bibel gehe es darum, nicht das Letzte aus seinen Geschäften herauszupressen, sondern auch etwas übrig zu lassen für die, die es zum Leben brauchen.

Ilka Werner hatte sich nach der bundesweiten Diskussion um eine Entscheidung der Essener Tafel selbst einen Eindruck von der Situation in Solingen machen wollen und nach einem Gespräch mit der Solinger Tafelvorsitzenden Brigitte Funk dann an einem Nachmittag vor Ostern die Ehrenamtlichen bei der Verteilung von Lebensmitteln unterstützt. Schwierigkeiten wie die zum Jahresbeginn aus Essen vermeldeten konnte sie dabei nicht feststellen: „Das Solinger System funktioniert gut“, stellte die Theologin fest: Das Tafelteam agiere freundlich, aber bestimmt. Kundinnen und Kunden verhielten sich ähnlich wie in jedem anderen Laden.

Auch vor der gelegentlich geäußerten Kritik, dass Tafeln nur an die Symptome einer ungerechten Gesellschaft linderten, nahm die Superintendentin die Hilfsinitiative in Schutz. Zwar stimme es, dass Tafeln nicht die Verhältnisse änderten, aber die Arbeit für mehr Gerechtigkeit müsse an anderer Stelle erfolgen. Dafür, so Werner, erinnerten die Tafeln daran, dass es nötig sei, nicht ausschließlich an den eigenen Gewinn, sondern auch an Barmherzigkeit gegenüber anderen zu denken: „Weil wir alle für unsere ganze Gesellschaft mitverantwortlich sind.“

Die Kanzelabkündigung für den 15. April 2018 in vollem Wortlaut:

„,Wenn du dein Land aberntest, sollst du nicht Nachlese halten, sondern dem Armen und Fremdling sollst du es lassen.‘ (aus 3. Mose 19, 9 und10)

Liebe Gemeinden in Solingen, liebe Schwestern und Brüder!

In der Woche vor Ostern habe ich einen Nachmittag bei der Solinger Tafel mitgeholfen. Ich wollte wissen, wie es da zugeht. Die Diskussion um die Essener Tafel und ihre frühere Entscheidung, befristet keine neuen Migranten in ihre Kartei aufzunehmen, hat mir keine Ruhe gelassen.

Also war ich im Laden und habe an die Kunden und Kundinnen mit Kindern Ostersüßigkeiten verteilt. Das Solinger System funktioniert gut: Alle Kunden haben einen nummerierten Ausweis und eine Karteikarte. Auf der Karte ist vermerkt, wie groß der Haushalt ist, ob Kinder da sind, ob es Lebensmittel gibt, die nicht gegessen werden können. Die Ausweisnummern regeln den Zugang zum Laden: für jede Nummerngruppe gibt es ein bestimmtes Zeitfenster; wer noch nicht dran ist, wartet draußen. Ist die Kundin drin, wird sie von einer Ehrenamtlichen bedient. Wühltische gibt es nicht. Das Tafelteam agiert freundlich, aber bestimmt. Kunden und Kundinnen sind wie in jedem Laden: manche sind zurückhaltend, manche können nicht genug kriegen, manche sich nicht entscheiden, manche sind dankbar. Sie alle brauchen die Tafel.

Ich bin beeindruckt. Und mir wird noch einmal klar: Was die Tafeln an die, die es brauchen, verteilen, ist das, was in unseren Läden liegen bleibt. Es würde vernichtet, wenn die Tafel-teams es nicht abholten. Es ist ein alter, biblischer Gedanke, der darin wieder auftaucht:
Das, was bei vernünftiger Bewirtschaftung übrig bleibt, soll man denen geben, die arm sind, die es brauchen. In der Bibel geht es um Äcker oder Weinberge, heute geht es um Supermärkte oder Bäckereien. Der Gedanke ist derselbe: Ich presse für mich selbst nicht das Letzte heraus, ich gönne, was übrig bleibt, anderen.

Oft wird gesagt, dass die Tafeln die Verhältnisse nicht ändern. Das ist richtig. Für Gerechtigkeit muss woanders gearbeitet werden. Die Tafeln helfen mit, dass Menschen satt werden und
bekommen, was sie brauchen. Und sie erinnern uns alle daran, dass wir bei unseren Geschäften nicht nur an den Gewinn, sondern auch an Barmherzigkeit denken sollen. Weil wir alle für unsere ganze Gesellschaft mitverantwortlich sind.

Mit herzlichen Grüßen, Ihre
Pfarrerin Dr. Ilka Werner, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen

 

13.04.2018



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