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für den 23.08.2019

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1.Chronik 29,11

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30. Juni 2013 (Eröffnung neues Gemeindezentrum Ohligs)

"Neues wagen"

Predigt von Superintendentin Dr. Ilka Werner zu Lukasevangelium 14, 28ff im Festgottesdienst zur Eröffnung des neuen Gemeindezentrums Ohligs/Wittenbergstraße am 30. Juni 2013

„Dies ist der Tag, den der Herr macht. Lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein!

Liebe Gemeinde,
der Vers, den Sie auf die Einladung zum Festgottesdienst heute geschrieben haben, zeigt, dass Sie Humor haben: „Denn wer von euch, der einen Turm – oder ein Gemeindezentrum – bauen will, setzt nicht zuvor sich hin und berechnet die Kosten, ob er genug habe, um fertig zu bauen? Sonst könnte es sein, dass er den Grund gelegt hat und nicht imstande ist, fertig zu bauen, und alle, die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten...“
Ein bisschen selbstironisch rückblickend auf die Bauzeit ist das ausgewählt: Manches lief nicht so ganz nach Plan, obwohl Sie sich hingesetzt und Kosten und Zeiten berechnet haben, manches hat vor allem die Verantwortlichen für Bau und Finanzen im Presbyterium umgetrieben, manche Zweifel werden laut geworden sein. Aber es ist gelungen: Bis auf ein paar Abschlussarbeiten ist Ihr neues Gemeindezentrum fertig, und Sie sind nicht zum Gespött geworden, ganz im Gegenteil, Sie haben etwas beispielhaft Schönes geschaffen – herzlichen Glückwunsch dazu, und herzlichen Dank allen für die viele Arbeit in Planung und Ausführung, für die unermüdliche Geduld im Umgang mit Provisorien, für den beträchtlichen Mut in der Veränderung der Gemeindestruktur und –arbeit.
Sie hatten genug, um fertig zu bauen!

Aber Sie haben sich den Vers über die Bauplanung ja nicht einfach so ausgesucht, er ist vorgeschlagen mit den Versen drumherum als Predigttext für den heutigen Sonntag. Ich lese Ihnen den ganzen Abschnitt, Lk 14, 22-33:
„Es ging aber eine große Menge mit Jesus, und er wandte sich um und sprach zu ihnen: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.
Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen? Damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann´s nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten, und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann´s nicht ausführen. Oder welcher König will sich auf einen Krieg einlassen gegen einen anderen König und setzt sich nicht zuvor hin und hält Rat, ob er mit Zehntausend dem begegnen kann, der über ihn kommt mit Zwanzigtausend? Wenn nicht, so schickt er eine Gesandtschaft, solange jener noch fern ist, und bittet um Frieden. So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.“

Die Turmbauverse, so zeigt es der Zusammenhang, sind ein Beispiel, ein absolut einleuchtendes Beispiel, um etwas über die Nachfolge Jesu zu sagen: Ohne Planung, ohne sich ein Bild und eine Vorstellung von den Kosten und den Verbindlichkeiten und den Konsequenzen zu machen, kann man weder ein Haus bauen noch Jesu Jünger sein. Darum geht es im Gesamttext: Was kostet es, Jesu Jünger oder Jüngerin zu sein? Und was da gesagt wird, lässt uns erschrecken: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.

Zwei Gedanken gingen mir sofort durch den Kopf: Das passt ja nun gar nicht für einen Festgottesdienst! Und: Warum ist Jesus hier so furchtbar schroff?

Den ersten Gedanken spinne ich schnell weiter: Ja, die Schroffheit passt nicht – aber wir predigen ja nicht das, was passt, sondern das, was infrage stellt, insofern passt die Schroffheit sehr wohl und hilft uns, unser Fest richtig zu begreifen: Um Jesu Jünger oder Jüngerin zu sein, muss man sich lossagen können, loslassen können, müssen Menschen Verbindlichkeiten und sogar Herzensbindungen aufgeben können. Genau das mussten Sie auch tun, um dieses Gemeindezentrum zu bauen: Sie haben zwei andere, liebgewordene, erinnerungsvolle Zentren aufgegeben: die Erlenstraße und die Mankhauser Straße. Das wird vielen von Ihnen nicht leicht gefallen sein, und sicher sind manche noch ein bisschen traurig, und manche hätten die Frage, ob es so entschieden werden musste, auch anders beantwortet. Aber Sie haben es gemeinsam entschieden und getan: sich losgesagt von der alten Gemeindestruktur für eine neue – um besser tun zu können, was Auftrag einer Gemeinde ist: in Wort und Tat die Botschaft von Gottes Gnade weiterzusagen. Sie haben gemeinsam entschieden, dass Sie Ihre Kraft und Ihre Liebe und Ihr Geld lösen von den alten Häusern und sie in ein Neues stecken, das besser geeignet ist, um heute zu tun, was eine Gemeinde tun soll: mit Energie und Ressourcen für die Menschen da zu sein, die Gottes Liebe brauchen, - und nicht mit dem Erhalt des Bestandes vollauf beschäftigt zu sein.
Sie haben sich losgesagt und Neues gewagt.
Und Sie hatten genug Energie, um fertig zu bauen.

Und heute, bei der festlichen Eröffnung, spottet niemand und alle bewundern – aus ehrlichem Herzen. Und der Predigttext mahnt, bei aller Freude und Bewunderung nicht das neue Gemeindezentrum ineinszusetzen mit dem neuen Aufbruch in die Nachfolge: So schön es ist, es ist Mittel zum Zweck, und nicht Selbstzweck. Es ist dazu da, denen, die Jesu Jünger und Jüngerinnen sein wollen, Herberge zu sein und Raststätte.
Sie hatten genug, es fertig zu bauen, und alle Gäste wünschen heute der Gemeinde, dass sie auch genug haben möge, das neue Zentrum mit Leben zu füllen, dass es ein Ort der Einkehr und des Aufbrechens sein möge.

Worauf kommt es dazu an? Ich will mit Ihnen noch einen Moment den schroffen ersten Versen des Predigttextes nachdenken: Wer zu Jesus kommt, und seine Nächsten und sich selbst nicht hasst, kann nicht sein Jünger sein, wer nicht sein Kreuz trägt und ihm nachfolgt, kann nicht seine Jüngerin sein. Warum so hart? Wird damit nicht ein Teil des Doppelgebots der Liebe, nach dem wir Gott lieben sollen und unsere Nächsten wie uns selbst, aufgehoben?
Zumindest erfährt es eine Interpretation, die uns aufscheucht: Es gibt offensichtlich Situationen, in denen die Liebe zu Gott und die zum Nächsten und uns selbst in Widerspruch geraten, so sehr, dass kein Kompromiss hilft, sondern nur Entscheidung: für Gott, gegen die Nächsten und sich selbst. Uns und unsere Liebsten sollen wir dann hassen, oder, wie das griechische Wort auch verdeutscht werden kann, vernachlässigen, hintanstellen. Die Priorität muss klar sein: Wer Jesus nachfolgen will, muss alles andere loslassen, und soll sich darüber auch im Klaren sein, soll seine Entschiedenheit vorher geprüft haben.
Weil es, versetzen wir uns in die Situation des historischen Jesus, für seine Jünger und Jüngerinnen genau wie für ihn selbst lebensgefährlich werden kann. Weil es, versetzen wir uns in die Situation von Verfolgung und Diskriminierung, für Christinnen und Christen lebensbedrohlich werden kann. Und weil es, gehen wir von unserer doch ziemlich sicheren Situation aus, wirklich schwer ist zu merken, wann wir nicht mehr Jesus, sondern unseren Ideen von Kirche und Gemeinde nachlaufen, weil es also auch für und bei uns glaubensbedrohlich werden kann.

Darum ist es gut, dass uns heute das Turmbaubeispiel und Ihr neues Gemeindezentrum vor Augen steht: Als Beispiel der sorgfältigen und nachdenklichen Abwägung der eigenen Kraft, als Exempel der Entschiedenheit, die uns, das gebe Gott, auch in anderen Situationen nicht mangeln möge.
Beten wir, dass wir genug haben, unsere Jüngerschaft fertig zu bauen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahrt unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus,
Amen.

 

02.07.2013



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