Losung

für den 20.08.2019

Er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.

Jesaja 9,5

Gottesdienste

Suchen Sie einen Gottesdienst in Ihrer Nähe? Hier finden Sie Termine, Orte und Zeiten.

mehr
Newsletter

Sie möchten regelmäßig mit Informationen und Meinungen aus der Evangelischen Kirche in Solingen versorgt werden? Hier können Sie unseren 14-tägigen Newsletter abonnieren.

mehr
Kontakt

Möchten Sie wissen, zu welcher Gemeinde Sie gehören? Wer als Pfarrerin oder Pfarrer für Sie zuständig ist? Dann schicken Sie uns doch einfach eine Nachricht.

mehr
Diakonie
Diakonie

Konkrete Beratung, praktische Hilfe und menschliche Zuwendung - mit diesem Angebot setzt sich das Diakonische Werk des Kirchenkreises für die Menschen der Stadt Solingen ein.

mehr
Gemeinden
Gemeinden mehr
Service

10. Januar 2014 (Gottesdienst zur Eröffnung des Verwaltungshauses der Evangelischen Kirche in Solingen)

„Gott nahe zu sein ist mein Glück“

Predigt über Psalm 78,28 (Jahreslosung 2014) von Superintendentin Dr. Ilka Werner zu Matthäusevangelium 4, 1-11.16 im Gottesdienst zur Eröffnung des Verwaltungshauses der Evangelischen Kirche in Solingen am 10. Januar 2014 in der Lutherkirche

Liebe Gemeinde,

„Gott nahe zu sein ist mein Glück“ – so die Losung für das neue Jahr, und wie viel wird in diesen Tagen darüber nachgedacht, was Glück eigentlich ist: Wohlergehen, Geborgenheit im Freundes- und Familienkreis, Gesundheit, sinnvolle Aufgaben und Herausforderungen, erfüllende Erlebnisse - all das und noch mehr macht Menschen glücklich.

Für die, die ins Verwaltungshaus drüben eingezogen sind - oder darin mehrfach umgezogen sind, gibt es aber noch viel einfachere Antworten auf die Frage nach dem Glück:
Glück ist, wieder Heizung zu haben; zu wissen, wo der eigene Schreibtisch steht; telefonisch erreichbar zu sein; die Lieblingskaffeetasse im Umzugskarton finden; den Arbeitsplatz behalten zu können; genug Platz für die wichtigsten Akten zu haben; in MACH reinzukommen; im neuen Team gut klarzukommen; dass endlich die Handwerkerarbeiten fertig werden. Sie könnten die Liste sicher ohne Mühe noch ergänzen.

Das ist eine Version von Glück: Der Wunsch, dass eine Umbruchphase zu Ende geht; im Rückblick die Dankbarkeit dafür, dass trotz aller Unannehmlichkeiten alles gut gegangen ist; die Hoffnung, dass nun all die Möglichkeiten des Neuen Wirklichkeit werden.
Wir können ein Lied davon singen.
Und wir wollen ein Lied davon singen.
Darum sind wir heute hier, um innezuhalten und danke zu sagen, um zu singen und zu beten.

Zunächst einmal um Danke zu sagen: einander für die ganze Arbeit und Mehrarbeit, die unermüdliche Anstrengung vieler; Danke für das Aushalten von Unsicherheiten und das Trotzdem-gute-Laune verbreiten; Danke auch für manches Gemecker, das geholfen hat, auf dem Boden der schwierigen Realität zu bleiben; Danke für die kleinen und die riesig großen Beiträge, die es ermöglicht haben, die Zusammenführung von vier Verwaltungseinheiten zu einer bis heute zu wuppen. Danke also Ihnen, den Mitarbeitenden, und auch Ihnen, den Ehrenamtlichen in der Lenkungsgruppe, im Verwaltungsausschuss, im KSV und in den Gemeinden.
Danke auch denen, die jetzt aus dem aktiven Dienst ausscheiden, die die nun „alten“ Ämter umsichtig und kenntnisreich so viele Jahre geleitet haben. Es hat sich in der letzten Zeit manchmal wenig respektvoll angehört, wenn nur noch über Rückstände und völlig verschiedene, manchmal veraltete Abläufe geschimpft wurde. Das ist der kurze Blick der Umbauphase, den wir hatten und wohl haben mussten. Es gibt aber auch den dankbaren langen Blick zurück auf viele gute Entscheidungen für die Arbeit in den Gemeinden und im Kirchenkreis. Wir jetzt müssen vieles anders machen für eine andere Zeit. Aber wir reißen nicht ein, was die vor uns gebaut haben, sondern wir bauen darauf auf.
Und herzlich Danke auch denen, die mit und für uns den Umbau – den baulichen wie den kommunikationstechnischen wie den organisatorischen – und die Sanierungen – die baulichen wie die kommunikationstechnischen wie die organisatorischen – gemanagt haben. Wir klatschen später beim Empfang – aber Ihre wunderbare Mischung aus Engels- und Eselsgeduld hat das Projekt zum Erfolg werden lassen.

Das ist der eine Dank. Und er wird überwölbt, umfangen von dem anderen Dank, dem, in dem das Glück aufscheint. Dem Dank dafür, dass wir die Arbeit des letzten Jahres tun konnten, in sicheren Verhältnissen, ohne lebensbedrohliche Gefährdungen. Wir machen uns bewusst, wie wenig selbstverständlich das ist, wenn wir daran denken, was woanders passiert ist. Überflutung und Zerstörung bei uns, im Süden Deutschlands, und auf den Philippinen; Todesgefahr und Tod für Flüchtlinge vor Lampedusa und Menschen in Kriegsgebieten, etwa in Syrien oder Afghanistan; wir haben eine Ahnung davon bekommen, als zwei Tage vor Weihnachten im Haus der Evangelischen Kirche eingebrochen wurde und die Büros der Diakonie aufgebrochen wurden – Zerstörung, Verwüstung und Ratlosigkeit, ein mulmiges Gefühl, das Zerreissen von Unbeschwertheit. Es ist nicht selbstverständlich, auf- und ausbauen zu können. Es ist auch nicht einfach Glück haben – oder eben nicht.

Wir danken Gott für das nicht-selbstverständliche Glück, und wir erkennen darin seine Fürsorge, Leitung und Bewahrung. Unser Glück in Rückblick und Hoffnung kommt, so sagen wir, von Gott. Es ist eben nicht selbstverständlich oder weil vor uns eine schwarze Katze in der richtigen Richtung über die Straße lief oder weil wir einen Sechser im Lotto hatten oder etwas ähnliches, es kommt von Gott. Und wir sind Gott dankbar dafür.

Und müssen uns vor einem Missverstehen hüten: Wenn wir in unserem Leben und Arbeiten, bei allem Schweren und Anstrengenden, Gottes Fürsorge, Leitung und Bewahrung erkennen, so können wir nicht im Unglück anderer Gottes Gericht, Gleichgültigkeit oder Abwesenheit erkennen. Wir könnten nicht sagen, uns segnet er, und die anderen verflucht er. Denn Sätze über die Verbindung des Lebens und Erlebens mit Gott kann man nur in der ersten Person sagen: Ich glaube, dass Gott mir gut ist, wir glauben, dass er uns alles zum Besten dienen lässt. Es gibt sie nicht objektiv, diese Sätze, wir können nicht sagen: Du musst das, was dir passiert, als Botschaft Gottes an dich verstehen, und auch nicht: Dieses ist ein klares Zeichen von Gottes Segen, und jenes ein deutlicher Hinweis auf sein Gericht. Der Psalm, dessen letzter Vers die Jahreslosung ist, hat diese Frage zum Thema: ob denn das Glück und Los eines Menschen mit seiner Rechtschaffenheit und Gläubigkeit zu tun habe, und kommt zu dem Schluss: Nein. Man kann nicht aus dem Erfolg der Gottlosen schließen, dass es umsonst und vergeblich ist, sich an Gottes Gebote zu halten. So eindeutig ist es nicht.
Und: der Psalmbeter (oder die Beterin) merkt über dem Grübeln über das verschiedene Schicksal der Menschen: Das Glück liegt nicht im Erfolg, auch nicht in Reichtum, Macht und Ansehen. Und das Unglück liegt nicht in Scheitern, in Pech und Erfolglosigkeit.
Für ihn (oder sie) ist es wie eine Erlösung, als die Erkenntnis kommt: Mein Glück – das ist: Gott nahe zu sein.
Gott nahe zu sein ist mein Glück.
Erste Person: Mein Glück. Vielleicht noch: Unser Glück. Nicht: Das Glück.

Mein Glück erkenne ich in Gottes Fürsorge, Leitung und Bewahrung, nicht, weil etwas Bestimmtes passiert oder nicht passiert ist, sondern weil ich in allem, was passiert, Gottes Nähe erkenne – und dafür dankbar bin, für die Nähe und das Erkennen.

Ich bin dankbar, dass Gott mir nah ist – Gott nah zu sein, ist mein Glück.

Was aber tue ich, um glücklich zu sein, um Gott nah zu sein? Wieder gibt es für die, die im Verwaltungshaus arbeiten, eine besondere Antwort: sie sind beruflich bei Kirchens. Ich bin nicht sicher, dass wir da – selbst nicht in der Suptur ganz oben unterm Dach – Gott näher sind als anderswo. Ich bin sogar ziemlich sicher, dass es nicht so ist.
Aber die Entscheidung für einen Beruf oder Arbeitsplatz bei der Kirche hat sicher etwas damit zu tun, das wir darin -jeweils für uns – eine Möglichkeit gesehen haben, Gott nah zu sein, unser Leben in Gottes Nähe zu leben.
Und: auf jeweils unsere Weise dazu beizutragen, dass Gottes Nähe zur Erde und Welt Gestalt gewinnt in der Kirche, den Gemeinden und ihrer Verwaltung. Wir fragen uns manchmal, wie eine verkündigungsgemäße, also gott-nahe oder zumindest Gottes Nähe widerspiegelnde Verwaltung aussieht, und wir versuchen, eine solche Verwaltung zu sein. Wir versuchen, unseren Beruf und Arbeitsplatz so zu gestalten, dass er uns Gott nahe sein lässt und nicht von Gott weg treibt.

Und jenseits der Arbeit im Verwaltungsamt? Wie versuchen wir, Gott nahe zu sein, Gott näher zu kommen? Der Psalmbeter, die Psalmbeterin geht ins Heiligtum und entdeckt dort die Nähe zu Gott, die alles andere relativiert.
Und wir?
Uns fällt es nicht leicht, zu sagen, wo oder wie wir Gott nahe sind. Manche gehen in die Kirche, zum Gottesdienst, oder in eine leere, offene Kirche; manche versuchen, nicht einen Ort, aber eine Zeit für Gott freizuhalten, etwa den Sonntag, oder eine Viertelstunde jeden Tag; manche machen Kirchenarbeit zu ihrem Beruf; manche haben die Suche nach der Gottesnähe fast schon aufgegeben. Allen gemeinsam ist, was auch der Psalmbeter wusste: Ganz von selbst erfährt man Gottes Nähe, die alles andere relativiert, nicht. Und man erfährt sie auch nicht, indem man an bestimmten religiösen Ritualen festhält. Aber man erfährt sie auch nicht, wenn man sich gar nicht darum kümmert. Man – nein, wir - müssen sie schon suchen, ausprobieren, wo oder wie wir offen werden für Gott, Gott nah sind.
Dazu schickt uns die Jahreslosung auf den Weg, auf unsere Wege im neuen Jahr: zu suchen, wie wir Gott näher kommen können, offener werden können für Gott – wie auch immer. Und auf diesen Wegen wird sich herausstellen, ob sie auch unser persönlicher Satz ist, diese Losung; ob sie auch unser persönlicher Satz ist, den wir nachsprechen in der ersten Person: Gott nahe zu sein ist mein Glück.
Amen.

 

10.01.2014



© 2019, Evangelische Kirche in Solingen
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung