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für den 20.08.2019

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27. April 2014 (Domino-Gottesdienst in Widdert)

„Der Teufel steckt im Detail“

Predigt von Superintendentin Dr. Ilka Werner zum Matthäusevangelium 4, 1-11.16 im Domino-Gottesdienst am 27. April 2014 in der Widderter Kirche

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn und Bruder Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

der Teufel, das ist der Widersacher, der Durcheinander-bringer, der Verleumder, der, der gegen Gottes Sache mobil macht. In den Evangelien begegnet er als der, der Jesus von seinem Weg abbringen will, unser Predigttext heute ist der große versucherische Teufelsauftritt in der Wüste – ich lese aus Mt 4:
„Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.

Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht ge-schrieben: Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl ge-ben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.

Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlich-keit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.“

Und der Versucher trat zu ihm. Wie sollen wir uns das vor-stellen? Die Erzählung lässt in der Schwebe, ob der Teufel eine wirkliche Gestalt ist oder eine psychische Realität. Und wo die Geschichte Jesu im Film wiedergegeben wird, bleibt diese Schwebe erhalten, der Teufel fällt aus der Zeit und dem Bild, wird dargestellt als Mann im schwarzen Anzug, als Frau im roten Kleid, wo Jesus in grobgewebtem Leinen geht, oder als schlangenartige, verhüllte Gestalt. Auf die Frage, ob es den Teufel gibt, verweigert die Geschichte die Antwort. Und führt uns als Leser, Hörer oder Zuschauer so zu der um vieles wichtigeren Tatsache: Der Teufel wirkt. Ob es ihn gibt, ist egal, was wichtig ist: Er wirkt. Er versucht. Er macht gegen Gottes Sache mobil.

Und das tut er ziemlich geschickt. Im Grunde suggeriert er Jesus eine andere, einfachere Art, Messias zu sein, der Hei-land zu werden:
Du musst nicht fasten, um innerlich frei zu sein. Nutze deine Macht, mach die Steine zu Brot und du kannst essen, du selbst wirst satt und du kannst auch die Armen satt ma-chen. Sie werden dich dafür verehren.
Du musst dich nicht auf Worte beschränken, um die Men-schen zu begeistern. Nutze deine Macht, provoziere ein großes Wunder und du hast die Aufmerksamkeit der Mas-sen, kannst ihnen von Gottes Reich und Gebot erzählen. Sie werden dir nachlaufen.
Du musst nicht auf geistliche Autorität setzen, um deine Mission zu erfüllen. Bete mich an, und ich lege dir die Welt zu Füssen, die du gestalten kannst – gerecht und so gut, wie die Schöpfung einmal war. Die Menschen werden erleichtert sein. Kurz gesagt: Lass dich auf mich ein, und du wirst Erfolg haben. Das wäre der Heiland auf Teufelart: Einer, der mit großem TamTam überrumpelt und mitreißt, und mal eben die Welt rettet.

Aber Jesus lässt sich nicht auf den Versucher ein. Er jagt ihn zum Teufel, er schickt ihn seiner Wege.
Ein Heiland auf Jesusart agiert eben anders: Sein Maßstab ist die Treue zu Gott, dem Vater, dem Schöpfer, und zu sei-nem Willen, in den Menschen ernstzunehmende Geschöpfe, freie Gestalter der Welt und verantwortliche Bundespart-nerinnen zu sehen. Sie liebenswert zu finden. Und darum weder mit ‚all you can eat’ Angeboten noch mit sensationel-len superlativlastigen Events noch mit der Ergreifung der Weltherrschaft aufzutreten. Sondern auf innere Freiheit, nachhaltige Überzeugung und unabhängige Autoritäten zu setzen. Der Heiland auf Jesusart leistet den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe, so würden wir heute sagen. Er wird Mensch unter Menschen.

Der Teufel hält das für eine dumme Idee, mühsam, schmerzvoll und riskant. Er ist sich sicher: Die Menschen wollen keinen Gott, der Mensch unter Menschen wird. Sie wollen einen Gott, der ihnen ihre Probleme und ihr Leid abnimmt und ihr Leben für sie regelt. Freiheit mögen sie nur, solange alles gut geht; wenn sie die Unsicherheit, die Verletzlichkeit und Gefahr von Missbrauch erleben, die damit einhergeht, tauschen sie Freiheit gern gegen Sicherheit ein. Meint der Teufel. Beziehungsweise: Solches Denken nennt die Bibel teuflisch. Und seine Protagonisten nennt sie Teufel. Also teuflisch ist das, was von Gottes Weg und Sache abhalten will, und Teufel ist jemand, der das tut: von Gottes Weg und Sache abhalten. In der Regel im Namen des Realismus, oder des gesunden Menschenverstands, oder der vernünftigen Überlegung, oder der Sicherheit.

In diesem Sinne gibt es also Teufel. Versucher, die von Got-tes Weg und Sache abbringen wollen. In diesem Sinne kann sogar der Jünger Petrus der Teufel sein. Denn für Jesus ist mit der Absage an den Teufel in der Wüste die Sache mit den Versuchungen noch nicht vorbei. Ein paar Kapitel spä-ter berichtet das Matthäusevangelium von einem Gespräch zwischen Petrus und Jesus: Petrus erkennt und bekennt Jesus als Christus, des lebendigen Gottes Sohn. Daraufhin preist Jesus ihn selig, und verspricht, ihn zum Fundament seiner Kirche zu machen. Wenn in diesem Moment außer Jesus einer mit Gottes Weg und Sache in Einklang ist, dann Petrus. Aber unmittelbar danach spricht Jesus von seinem bevorstehenden Leiden, von Tod und von Auferstehung, und Petrus widerspricht besorgt: Das widerfahre dir nur nicht, Gott bewahre dich. Und Jesus schreit ihn an: Geh weg von mir, Satan! Du meinst nicht, was göttlich ist, sondern was menschlich ist.

Hier ist es konsequent auf den Punkt gebracht: Teuflisch ist, was menschlich gemeint und gedacht ist, im Gegensatz zu dem, was göttlich gemeint und gedacht ist.
Und das bedeutet: Der Teufel ist nicht, wie wir vielleicht meinen könnten, der Urheber der Passion Jesu, der Böse, der Böses tut, der, der Jesus leiden macht. Nein. Der Teufel ist der, der Jesus vom Leiden abhalten will. Der, der ihm einen einfacheren Ausweg zeigen will, genauso, wie zu Be-ginn seiner Wirksamkeit in der Wüste.

Der Teufel tritt also auf, oder von ihm ist die Rede, oder das Symbol wird benutzt, wenn es eng wird, wenn alles auf dem Spiel steht, wenn Gottes Weg verfehlt zu werden droht. Weil das andere so viel vernünftiger oder einfacher oder naheliegender scheint. Und auf den ersten Blick auch menschlicher. Wo die Bibel vom Teufel spricht, ist Alarm-stufe rot. Da liegt es ganz nahe, Gott falsch zu verstehen, da kommt es auf Kleinigkeiten und Details an.

So wie hier bei Petrus: Er liebt Jesus und möchte nicht, dass ihm wehgetan wird. Soweit, so verständlich. Und gleichzeitig glaubt er, und hat es Minuten vorher gesagt, dass es mit Jesus etwas Besonderes ist. Dass in ihm Gott selbst ist und das Menschenleben lebt. Teilt. Durchsteht. Mit erleidet. Eben: Mit erleidet. Leben gibt es nur selten ohne Leiden, so selten, dass wir zu recht sagen: Leiden gehört dazu. Höhen und Tiefen machen das Leben aus. Darum kann der Gott, der das Leben der Menschen mitleben möchte, vor Leiden nicht kneifen, nicht bewahrt werden. Sonst wäre die Botschaft: Wo Leiden ist, ist Gott nicht; wer leidet, ist allein. Und das widerspricht völlig dem, was wir von Gott erfahren, und dem, was Jesus will; denn ihre Botschaft ist: Wo Leiden ist, ist Gott nah; wer leidet, ist nicht allein, Gott ist bei ihm oder ihr.

Darum ist Petrus liebende Sorge teuflisch. Weil sie dazu führt, Gott und Jesus falsch zu verstehen. Leiden gehört dazu, darum will Jesus ihm nicht ausweichen.

Die Theologie hat daraus oft genug geschlossen, dass Leiden einen Sinn hat, dass das Leiden an sich und als solches erlösend wirkt. Dass Menschen also leiden müssen und sich nicht beschweren dürfen – weil Jesus gelitten hat. Das Leiden ist dann nicht mehr ein Teil des Lebens überhaupt, das – wie eben das Leben überhaupt - nach Deutung von Gott her, nach theologischer Deutung verlangt. Sondern das Leiden bekommt so einen Selbstzweck – als Strafe und Wiedergutmachung und angemessenes Schicksal für Sünder und Sünderinnen. Wo so gedacht wird, bekommt Gott gnadenlose, sadistische Züge. Das halte ich für genauso teuflisch wie Petrus liebende Sorge, für ein genauso falsches Verstehen, das haarscharf, aber ganz und gar an Gottes Sache vorbei führt.

Der Teufel macht mobil gegen die Sache Gottes. Und die können wir, von der Bibel her, kurz zusammenfassen: 1. Freiheit für die Menschen. Sie sind keine Marionetten oder hypnotisierte Mitläufer, sondern entscheidungsfähig und verantwortlich. 2. Solidarität mit den Menschen. Gott hat sich an seine Geschöpfe gebunden, ihnen verbunden, und kneift nicht, wenn es eng wird. 3. Erlösung der Welt von den Folgen der menschlichen Dummheiten. Gott überlässt weder uns noch unsere Kinder endgültig den Konsequenzen unserer Fehlversuche, Egoismen, Brutalität, kurz: unserer Sünde. Der Tod wird überwunden, das Leben bleibt.

Der Teufel hält das für dumm. Oder eher für gefährlich: denn da, wo sich der Glaube an Freiheit, Solidarität und Erlösung durchsetzt, verliert er seinen Einfluss. Da geht es nicht immer darum, die eigene Haut zu retten. Und er hat mit seinen Einflüsterungen keinen Erfolg mehr.
Gottes Sache ist allerdings riskant – wer wüsste das besser als wir, die wir von Karfreitag und Ostern herkommen. Da-rum werden wir den Teufel wohl nicht endgültig loswer-den. Er klingt oft so vernünftig. Und es ist manchmal schwer, zu unterscheiden, ob wir das Göttliche verstehen oder etwas Menschliches daraus machen.
Und darum kann es ab und an sinnvoll sein, zu überlegen, ob da der Teufel versucht, uns gegen Gott zu mobilisieren. Und uns zu fragen, ob es noch Gott ist, dem wir dienen, oder längst ein anderer Herr.

Amen.

 

27.04.2014



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