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für den 08.12.2019

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Predigt von Präses Manfred Rekowski im Festgottesdienst "100 Jahre Dorper Kirche"

Vertrauen auf Gottes Wirken

Am Sonntag Rogate (25. Mai) 2014 hat der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, im Festgottesdienst aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Dorper Kirche in Solingen eine Predigt über Matthäus 7,7 gehalten.

Präses Manfred Rekowski an der Kanzel der Dorper Kirche (Foto: Dr. Hanjo Bergfeld) Präses Manfred Rekowski an der Kanzel der Dorper Kirche (Foto: Dr. Hanjo Bergfeld)

Es gilt das gesprochene Wort.

"Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wer ist unter euch Menschen, der seinem Sohn, wenn er ihn bittet um Brot, einen Stein biete? Oder, wenn er ihn bittet um einen Fisch, eine Schlange biete? Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!"

Liebe Gemeinde,
ein Kirchenjubiläum kann man sehr unterschiedlich feiern. Meist gehört dazu auch ein Blick zurück auf die Geschichte. Dabei entdecken wir bisweilen interessante und fast vergessene Ereignisse. Aber wir entdecken rückblickend in der Geschichte einer Kirche, einer Gemeinde immer auch Spuren Gottes, Spuren seines Wirkens.
Und zu einem Jubiläum gehört immer auch die Erinnerung daran, aus welchen Quellen wir schöpfen. Gottes Lebensworte, die Bibel sind für uns die Quelle. Wer daraus schöpft, wird gestärkt für sein Leben als Christ/Christin und als Gemeinde. Und so gestärkt, geht der Blick nach vorn. Wir können Neuland betreten.

I. 100 Jahre Dorper Kirche
Ihre Kirche hat eine lebendige und wechselhafte Geschichte hinter sich: Am 19. Mai 1914 wurde sie feierlich eröffnet. Dass Sie jetzt ihren 100. Geburtstag feiern können, ist keineswegs selbstverständlich: Bei den Luftangriffen auf Solingen im November 1944 war die Kirche stark beschädigt worden. Ihre Sanierung einige Jahre nach dem Krieg unter schwierigen Bedingungen und mit den damals begrenzt vorhandenen Mitteln, ist eine Leistung, die man kaum hoch genug einschätzen kann. Ohne diese mutigen Maßnahmen von damals wäre die Geschichte der Dorper Kirche bereits mit dem Krieg zu Ende gewesen.
Nach vielen Jahren, die die Dorper Gemeinde seither mit ihrer Kirche erlebt hatte, kam der große Schock im Jahr 2002: Ihre Kirche war Einsturz gefährdet, und nur durch umfangreiche und kostspielige Sanierungsmaßnahmen konnte sie gerettet werden. Eine beispiellose Welle der Hilfsbereitschaft setzte ein, über 1,5 Millionen Euro kamen an Spenden und Zuschüssen zusammen. Zahlreiche Ehrenamtliche haben auf der Baustelle selbst und mit vielen Benefizveranstaltungen den Erhalt und die Umgestaltung der Kirche möglich gemacht. Da wurde eindrucksvoll sichtbar, wozu Kirchen– und Bürgergemeinde in der Lage sind, wenn Menschen etwas zu ihrer (gemeinsamen) Sache machen.

II. Leitgedanke zum Kirchenjubiläum
Liebe Gemeinde, vor diesem Hintergrund darf man natürlich auch feiern: 25 Stunden lang, von gestern 15 bis heute 16 Uhr, fast nonstop, nur mit einer kleinen Unterbrechung heute Nacht: das ist Ihnen Ihr Jubiläum wert. Sie haben ein buntes und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, und zahlreiche Menschen haben in den letzten Tagen, Wochen und Monaten für das Gelingen gesorgt.
Als Motto und Überschrift für Ihr Fest haben Sie ein Bibelwort aus Matthäus 7,7 ausgesucht:
„Bittet, so wird Euch gegeben; suchet, so werdet Ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan.“

III. Gedanken zum Bibelwort
Bittet, suchet, klopfet an! Man könnte diese Worte losgelöst vom Zusammenhang verstehen wie Aufforderungen, die uns – die feiernde Gemeinde? – auf Trapp bringen wollen. Etwa nach dem Motto: mit weiteren Kraftanstrengungen in die Zukunft. Aber auf jede einzelne Aufforderung folgt eine Zusage: es wird euch gegeben, ihr werdet finden, es wird euch aufgetan! Insofern höre ich: Euer Bitten, Suchen und Anklopfen, euer Tun, ist verheißungsvoll. Denn das Vorzeichen ist klar: Wir haben viel von Gott zu erwarten: Wir werden empfangen, wir werden finden, uns wird aufgetan.
Das Bitten geschieht durch Reden. Das Suchen geschieht mit den Augen oder Füßen. Das Klopfen wird mit der Hand ausgeführt. Wir sind also mit Wort und Tat, mit allen Sinnen gefragt. Und unsere so ausgerichteten Worte und Taten sind verheißungsvoll. Jesus ermutigt uns, klar und einfach. Er tut dies mit ganz schlichten Sätzen. Diesen Sätzen möchte ich mit Ihnen nachdenken:

  1. Bittet, so wird Euch gegeben. Bitten ist in der Bedeutung des griechischen Wortes nicht nur eine Höflichkeitsform, sondern eine Forderung mit einem Anspruch. Wer bittet, legt sein Anliegen in die Hand eines anderen. In einer an Gott gerichteten Bitte, in einem Gebet, drückt sich unser Glaubensbekenntnis aus. Es geht um eine Haltung und Einstellung die weiß, dass sie ohne ihn nichts tun kann. Wer bittet, hat großes Vertrauen. Das gilt nicht nur für Gott, es gilt auch für die Menschen. Die Kirche ist kein Ort für Solisten. Deshalb bitten wir immer wieder andere Menschen um ihre Fürbitte, um ihre Mitarbeit, um ihr Geld. Noch etwas: Wer andere Menschen um etwas bittet, muss sich und sein Anliegen verständlich machen können. Eine außerhalb der Kirche im Fundraising tätige Theologin sagte mir einmal: „Die Kirche hat die Aufgabe, über Inhalte zu reden. Sie spricht aber viel zu häufig über Geld. Beim Fundraising erwarten viele vor allen Dingen das Reden über Geld. Ich rede aber in erster Linie über Inhalte.“
  2. Suchet, so werdet ihr finden. Suchen richtet sich auf etwas, das man kennt oder auch verloren hat. Deshalb wird dieses Wort oft dafür verwendet, wie Gott den Menschen, das verlorene Schaf, sucht. Wir sind Gesuchte, lange bevor wir auch nur an das Suchen denken können. Und wir sind Gefundene. Wir suchen. Wir suchen den lebendigen Christus und finden ihn in Begegnungen mit Menschen, die im Leben zu kurz kommen oder nicht zu ihrem Recht kommen. Wir suchen Gott, den Vater Jesu Christi. Wir finden ihn in seinem Wort, einem Lebenswort, das den Glauben in uns weckt. Wir suchen die Zukunft der Kirche. Und wir finden sie im Vertrauen auf Gott mitten in unseren tastenden Schritten und unseren Suchbewegungen. Für unsere menschlichen Suchbewegungen gilt: Wer sucht, hat großes Vertrauen. Wer sucht, zeigt, dass er noch keine fertigen Lösungen hat. Wer sucht, zeigt, dass er sich noch nicht abschließend eingerichtet hat. Wer sucht, zeigt, dass er noch etwas erwartet. Wer sucht, weiß um die Vorläufigkeit dessen, was ist. Das „gelobte Land“ ist noch nicht erreicht. Wir sind unterwegs. Viel Neuland liegt vor uns.
  3. Klopfet an, so wird Euch aufgetan. Das Anklopfen setzt eine Tür voraus, und das schließt ein, dass man sich bemerkbar macht und von dem gehört wird der hinter der Tür ist und von dem man weiß, dass er da ist. Unsere Gebete sind eine Form des Anklopfens. Wer anklopft, hat großes Vertrauen. Anklopfen ist aber auch in menschlichen Bezügen gefragt. Da gilt: Wer anklopft, setzt sich anderen Menschen aus. Wer anklopft, traut anderen Menschen etwas zu. Vielleicht ist es ein Punkt, den wir gemeinsam lernen müssen. Eine Kirche, die im Gemeinwesen wirken will, muss immer wieder ohne Berührungsängste auch Kooperationspartner suchen, muss auch bei anderen anklopfen: in der Bürgergemeinde (wie bei den Bemühungen um den Erhalt der Dorper Kirche vor einigen Jahren), in anderen Organisationen, Institutionen und Bewegungen, aber auch im „Netzwerk Gemeinde“, an den Haustüren der Menschen (oder auch im Netz).
    „Bittet, so wird Euch gegeben; suchet, so werdet Ihr finden; klopfet an, so wird Euch aufgetan“, liebe Dorper Gemeinde, das ist Ihr Motto.
    Wir hören das und haben dabei die Frage im Kopf: Wie werden wir Kirche unter völlig veränderten Bedingungen leben und gestalten? Das gehörte Bibelwort, der Predigttext zeigt Richtungen auf, bietet „Suchhilfen“ an, aber er liefert keine fertigen Antworten, Strategien oder Handlungsanweisungen. Es fällt auf, dass nicht unsere „Macher-Qualitäten“ gefragt sind. Es geht um Haltungen und Einstellungen, die uns unterwegs, in unsicherem Gelände, bestimmen.

IV. Vertrauen
Wenn ich nach einer Klammer für den Predigttext suche, fällt mir auf: im Ganzen geht es um Vertrauen. Wer bittet, wer sucht, wer anklopft, hat großes Vertrauen. Auf dem Weg in eine unbekannte Zukunft, nach Neuland ausschauend, vertrauen wir auf Gottes Wirken.
Ich möchte das Stichwort „Vertrauen“ veranschaulichen an den Bildern des Segensliedes „… und ein neuer Morgen“ , das wir am Ende des Gottesdienstes singen:
Wir vertrauen dem, der die Hoffnung ist, wo Leben verdorrt, und auf steinigem Grund etwas in mir wachsen lässt (1. Strophe).
Wir vertrauen dem, der die Güte ist, wo Liebe zerbricht, und in kalter Zeit in mir atmet (2. Strophe).
Wir vertrauen dem, der die Freude ist, wo Lachen erstickt, und in dunkler Welt in mir lebt (3. Strophe).
Wir vertrauen darauf, dass Gott auch wirkt auf steinigem Grund (1.), in kalter Zeit (2.) und in dunkler Welt (3.). Nicht erst dann, wenn die Bedingungen günstiger, der Trend besser, und die religiöse Marktlage optimaler ist, wird Neues entstehen. Nein, schon jetzt wird Neues wachsen auf steinigem Grund, in kalter Zeit, in dunkler Welt. Christen weigern sich, das, was ist, als endgültig anzusehen.
Wir vertrauen trotz allem darauf, dass hier und jetzt etwas wächst (1.), dass etwas atmet (2.) und dass etwas lebt (3.). Und so tun wir zuversichtlich, was uns aufgetragen ist: Bitten, Suchen und Anklopfen.
Diese Beschreibungen des Liedes sind zugleich auch Platzanweisungen für unsere Kirche: Wir sind da, wo Leben verdorrt (1.), wo Liebe zerbricht (2.) und wo Lachen erstickt (3.). Hier könnten wir Geschichten erzählen von der sozial-diakonischen und seelsorglichen Arbeit unserer Kirche, von der Lebensbegleitung, von Taufen, Trauungen und Beerdigungen und vielem anderen mehr. Wir sollten diese Geschichten erzählen.
Wenn wir am Ende des Gottesdienstes das Segenslied singen, dann ist es eben wirklich ein neues Lied und kein Klagelied über schwierige Verhältnisse und unsichere Zukunft. „Und ein neuer Morgen…“ ist ein schöner Ausblick.

Liebe Gemeinde, das sind gute Voraussetzungen für Ihre Arbeit. Wenn Menschen an diesem Ort, den Zuspruch und den Anspruch des Evangeliums hören, geschieht viel mehr, als wir vor Augen haben.

Amen.

 

05.06.2014



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