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für den 24.08.2019

Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR.

Jeremia 29,13-14

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29. März 2013 (Karfreitag)

"Good-bye, Jesus"

Predigt von Superintendentin Dr. Ilka Werner zu Johannesevangelium 16, 22 für den "Gospel Church"-Gottesdienst am Karfreitag (29. März) 2013 in der Evangelischen Kirche Widdert, Solingen

Liebe Gemeinde,

Good-bye, Jesus - so haben wir diesen Karfreitag über¬schrieben – was für ein Motto!
Aufs erste Hören klingt es ein bisschen respektlos, so, als wollten wir verharmlosen, was da damals am ersten Kar¬freitag auf Golgatha passiert ist, als wollten wir das von uns möglichst weit weg halten.
Aber so ist das Motto nicht gemeint.
Und: Aufs zweite Hören klingt es schon ganz anders, viel¬schichtig, je nachdem, wem wir es in den Mund legen und wann es gesagt wird.
Im Vorbereitungskreis fiel uns einiges ein:
Good-bye, Jesus, das könnte der beiläufige Abschiedsgruß einer religionslos gewordenen Welt sein, die von Karfreitag und Ostern und diesem Sterben und Auferstehen nichts mehr erwartet und sowieso nichts mehr glaubt.
Good-bye, Jesus, das könnte auch der spöttische Kommentar der Soldaten unter dem Kreuz sein, die nur Verachtung und Unverständnis haben für einen, der sehenden Auges in den Tod geht und nicht alles versucht, dieses Schicksal zu vermeiden.
Good-bye, Jesus, das könnte auch der erleichterte Seufzer der Jerusalemer Tempelpriester sein, die meinten, es sei besser, einer komme um als das ganze Volk, und nun seien sie den einen endlich los.
So verstanden, heißt Good-bye nichts als Abschied, Endgül¬tigkeit, auf Nimmerwiedersehen, darin klingt mit: der ist tot, der ist für mich gestorben.

Es kann aber noch etwas anderes mitschwingen in diesem Gruß, wenigstens ein Lebewohl, ein Gott befohlen, vielleicht sogar ein Auf Wiedersehen.
Das Mitgefühl und die leise Hoffnung spüren wir, wenn wir die Worte Maria, der Mutter Jesu, und den anderen Frauen am Kreuz zuschreiben. Sie verabschieden sich von ihrem sterbenden Sohn und Meister und haben, ohne ganz zu verstehen, doch eine Ahnung oder Hoffnung davon, dass das nicht das Ende ist. Wir können Good-bye, Jesus den geflohenen Jüngern in den Mund legen, die ihm das ängstlich und ohnmächtig nachrufen und irgendwie hoffen, ihn dadurch wenigstens ein bisschen zu begleiten auf dem Weg, den er geht und den sie nicht verstehen. Good-bye trägt dann eine Ahnung davon, dass über den Gekreuzigten mehr zu sagen sei als ‚der ist tot’, eine Ahnung davon, wie doppelsinnig es ist, zu sagen: ‚der ist für mich gestorben’.

Good-bye, Jesus.
Diese Ahnung, da sei mehr zu sagen als ‚der ist tot’ lässt uns als Gemeinde heute dieses Motto wählen, um uns selbst in die Karfreitags- und Ostergeschichte hineinzuglauben. Good-bye, Jesus ist dann der etwas unsi¬chere Wunsch, er möge wenigstens behütet und beschützt und ohne eigene Zweifel sein, was er auch bezwecke und vorhabe und welchen Weg er auch gehe und wohin der ihn führe.
Wir wünschen ihm das Beste. Voller Sympathie, ganz ohne Zynismus, und ohne ganz zu verstehen, warum es so kom¬men muss, kommen musste.
Aber eben mit der Ahnung für den tieferen Sinn des Satzes: ‚Der ist für mich gestorben’.

Die dogmatische Kurzformel für den Karfreitag kennen wir: Jesus starb für unsere Sünden. So kurz ist das unverständlich und fast falsch.
Zumindest müssen wir sagen: Jesus starb, um unsere Sünde durch das Leben zu überwinden. Denn er starb nicht, weil Gott etwa beleidigt wäre, um den zornigen Gott zu besänftigen, sondern um den Tod und die Einsamkeit des Todes durch die Gottesgemeinschaft zu überwinden.
Und noch weiter können wir ausführen: Jesus starb, um unsere Gottferne, unsere Angst, unser Misstrauen, unseren Hochmut durch das Leben und die Gottesgemeinschaft zu überwinden. Denn er starb nicht, weil wir moralisch nicht so ganz zuverlässig sind, sondern weil unsere Eigenmäch¬tigkeit Gott gegenüber dem Tod in die Hände spielt. Denn das ist mit Sünde gemeint: Unsere Eigenmächtigkeit und Gottferne, die dem Tod in die Hände spielt.
Also können wir noch weiter erklären: Jesus starb, um un¬sere Gottferne, die dazu führt, dass die Folgen unseres Handelns die Schöpfung bedrohen, zu überwinden - durch die Gottesgemeinschaft auch durch den Tod hindurch.
Er ist für uns gestorben: um unsere Gottesferne durch seine Gottesgemeinschaft zu überwinden.
So versuchen wir uns zu erklären, dass es so gekommen ist mit Karfreitag. Und ahnen: wir brauchen keine Angst mehr haben, weil uns nichts von Jesus, von Gott, vom Leben tren¬nen kann.

Und darum lesen wir unser Motto: Good-bye, Jesus noch einmal anders: Als sei er es, der das sagt. Also: Good-bye. Unterschrift: Jesus.
Als verabschiede er sich mit diesem Gruß, diesem Wunsch von uns, am Karfreitag, für eine Weile.
Im Vorbereitungskreis haben wir einen Vers aus dem 16. Kapitel des Johannesevangeliums ausgesucht, als Dreh- und Angelpunkt dieser Predigt:
„Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll nie¬mand von euch nehmen.“
Das steht in den sogenannten Abschiedsreden, und bringt genau die Spannung, in die uns Karfreitag und Ostern brin¬gen, zum Ausdruck.

Jesus sagt: Ihr habt nun Traurigkeit. Er geht, muss gehen, verabschiedet sich, sagt Good-bye. Wir bleiben zurück. Traurig. Weil wir ihn gehen lassen müssen und Angst ha¬ben, ihn nicht wieder zu sehen. Weil wir erschrecken über das, was unsere Welt ihm antut. Und weil wir etwas erken¬nen von der Gottesfeindlichkeit, die unsere Welt prägt.
Traurig. Wir wollen das gern überspringen, uns nicht lange damit aufhalten, nach vorne schauen. Verständlich, in Ord¬nung. Aber nicht zu schnell zur Tagesordnung.
Wir haben eine Welt, an der Gott stirbt. Und allzu gerne tun wir, als ginge uns das nichts an. Und suchen Ausflüchte der Art, dass wir doch nicht so arg böse sind. Nein, das sind wir auch nicht. Aber wir sind Teil einer Lebenseinstellung, die Armut und Tod von vielen in Kauf nimmt, und die die Zer¬störung der Umwelt in Kauf nimmt, einer Lebenseinstel¬lung, die also so tut, als wäre Gott nicht oder weit weg oder als wüssten wir nicht, worauf es ihm ankommt. Wir sind in die Sachzwänge unserer Welt verstrickt. Und diese Sach¬zwänge achten das Leben nicht und spielen so dem Tod in die Hände.
Wir können uns nicht allein aus dieser Verstrickung befrei¬en. Wir bleiben sozusagen immer mit einem Bein darin ste¬cken.
Diese Erkenntnis macht traurig. Und wir sollten das aushal¬ten. Nicht für immer und nicht immerzu. Aber ein paar Tage lang.

 

Aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.
So, wie Jesus Good-bye sagt, steckt die Gewissheit des Wie¬dersehens mit darin. Und die Erwartung der Freude, über dieses Wiedersehen, darüber, dass er lebt, dass er nicht im Tode bleibt. So, wie er Good-bye sagt, stehen wir mit ihm schon mit einem Bein im ewigen Leben.
Denn er geht uns voran, wir brauchen ihm nur noch nach¬zufolgen – nur noch, das sagt sich so leicht, und es ist alles andere als leicht, das wissen wir oder ahnen es zumindest. Aber es macht den entscheidenden Unterschied: Wo auch immer wir lang müssen, wir folgen ihm nach, er war da auch, wir sind nicht allein. Davor brauchen wir keine Angst zu haben: wir sind nicht einsam, nicht ohne ihn, nicht ohne Gott.
Und: wenn wir ihm nachfolgen, sind wir mit dem Leben im Bunde. Wenn wir bei ihm sind, verlieren die Sachzwänge, die das Leben nicht achten, an Macht. Unsere Verstrickung in diese Sachzwänge löst sich. Er ist stärker.

Und das ist die Freude des Wiedersehens, die niemand mehr nehmen kann: Er ist stärker.
Karfreitag trauern wir darum, dass wir eine Welt haben, an der Gott stirbt.
Aber uns bleibt die Hoffnung des Wiedersehens. Und darum die Hoffnung auf den Gott, der stärker ist als der Tod.
Wenn wir Jesu Abschiedsworte hören, ist klar: über ihn ist mehr zu sagen, als dass er gestorben ist. Auch schon am Karfreitag. Die Hoffnung steckt schon in der Trauer, weil er sagt, dass die Trauer nicht das Letzte ist.

Wir brauchen keine Angst zu haben. Nicht vor den Folgen unseres Tuns, nicht vor der Einsamkeit, nicht vor dem Tod und auch nicht vor Gottes Gericht. Traurigkeit, ja. Erschre¬cken, ja. Nachdenklichkeit über die Art, wie wir leben, ja. Aber nicht die Angst, ins Bodenlose zu fallen.
Darum sagt Jesus: Good-bye, Auf Wiedersehen, Gott befoh¬len.

Amen.

 

26.04.2013



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