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WERA-Forum

WERA-Pastor Epp: duldet der selbsternannte Kämpfer für Meinungsfreiheit keinen Widerspruch?

Immer wieder zieht das WERA-Forum des umstrittenen Pastors Epp die Aufmerksamkeit auf sich!

Jetzt hat Pastor Epp sich erneut öffentlich in durchaus problematischer Weise zu Wort gemeldet mit einem Video „Covid 19, Corona besiegen!!! Weg mit der Angst, und der Unterdrückung, sei stark und siege!!“ (https://www.youtube.com/watch?v=U7QmDvsfAu0; Zugriff am 19.02.2021), das von der Öffentlichkeit außerhalb Pastor Epps WERA-Forum sehr kritisch aufgenommen wurde. Diese Kritik spiegelte sich auch in einem WAZ-Artikel vom 16.02.2021 mit dem Titel Pseudo-Tipps gegen Corona wider, in dem ihm unter anderem die Verharmlosung der Corona-Pandemie vorgehalten wird. Auch in den Kommentarspalten zu seinem Youtube-Video wurde Pastor Epp kritisiert, unter anderem auch durch den Verfasser und den unten angehängten Beitrag Bekannte Verhaltensmuster!“.

Es gab in den zurückliegenden Jahren reichlich Aussteiger aus der Gemeinschaft, die Herrn Epp gravierende Leitungsfehler und für einen Seelsorger unentschuldbares Verhalten vorwarfen, was auch öffentlich zu einer intensiven Auseinandersetzung und Distanzierungen anderer Kirchen von dieser Gemeinschaft führte (vgl.  https://www.ekir.de/weltanschauungen/themen/Wera-Forum.php). Im Nachgang dazu kam es sogar zu Nachstellungen und Bedrohungen einiger Aussteiger (vgl. ttps://www.ekir.de/weltanschauungen/wera-sekte-372.php). Zugleich wurden öffentliche Klarstellungen zur Versachlichung der Auseinandersetzung um Herrn Epp von diesem zensiert und gelöscht, wenn sie ihm nicht gefielen (https://www.ekir.de/weltanschauungen/wera-forum-2-355.php).

Peinlicher Selbstwiderspruch und / oder Methode mit System?

Nun wiederholt sich das beim neuen Video Pastor Epps: Nahezu alle kritischen, von seiner Meinung abweichenden Beiträge wurden inzwischen erneut von Pastor Epp gelöscht, so dass fast nur noch Angehörige seiner Familie, seiner religiösen Gemeinschaft und ihr Nahestehende zustimmend zu Wort kommen können. Zugleich beklagt sich Pastor Epp aber darüber, wie schlecht es um die Meinungsfreiheit bei uns stehe! Letztlich ließe sich allerdings wohl eher fragen, ob Pastor Epp durch diese Art der autoritären Zensur nicht genau die Vorwürfe selbst belegt, die sein Verhalten als sektiererisch kritisieren.

Als Beitrag der Meinungsvielfalt in diesem Zusammenhang und im Interesse der Meinungsfreiheit machen wir hier den von Pastor Epp gelöschten Beitrag des Landespfarrers für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche im Rheinland, Andrew Schäfer, noch einmal zugänglich:

Bekannte Verhaltensmuster!

Es gibt mal wieder Streit um Herrn Epp, diesmal um sein neues Video zur Corona-Pandemie. Ist es ernst gemeint, so sagt er es ja selbst zu Beginn des Videos, und empfiehlt dann befremdlich simple bis medizinisch riskante Verhaltensregeln, die nicht geeignet sind, um vor einer Corona-Infektion zu schützen? Oder ist es nur ein „witziges Video“, das spielerisch augenzwinkernd mit der Pandemie und vermeintlich angemessenen Verhaltensregeln darin umgehen will? So schreibt er es jetzt im Angesicht kritischer Berichterstattung dazu in der Öffentlichkeit, um zugleich auch noch die Wissenschaftlichkeit der Empfehlungen auszurufen.

Es fällt auf, dass in dualistischer Aufspaltung die Kommentare, die aus der Familie Epp, der WERA-Gemeinschaft selbst oder ihrem Umfeld kommen, allesamt apologetisch verteidigen, was Herr Epp vorträgt, während alle anderen Kommentatoren von Kritik und Fassungslosigkeit über den Leichtsinn und die Verantwortungslosigkeit Herrn Epps bestimmt sind.

Der Kenner des WERA-Forums bemerkt allerdings auch, dass die anfänglich in den Kommentaren zum Video noch zu lesenden Kritiken unterdessen vom WERA-Forum zensiert und weitgehend gelöscht wurden. Dies Verhalten ist nicht neu und kontrastiert scharf mit der von Herrn Epp selbst in seinem wichtigsten Kommentar als defizitär beklagten „Meinungsfreiheit“. Dass er sich hier in einem eklatanten Selbstwiderspruch auf Kosten tatsächlicher Diskursfähigkeit und Meinungsfreiheit befindet, scheint er nicht zu bemerken, oder, schlimmer noch, sehenden Auges in Kauf zu nehmen.

Als weiteres strategisches Mittel fällt der Versuch ins Auge, das eigentliche Thema – die Frage der Seriosität des Videos und eines verantwortlichen Umgangs Herrn Epps mit der Pandemie – zu umgehen, indem man das Problem personalisiert und nach außen projiziert. Der „Sektenexperte“, der in denunziatorischer Absicht „wieder die WAZ angurtet“, wie Herr Epp tatsächlich behauptet, ist also der Kern des Problems. Einige der Kommentatoren aus seinem Umfeld machen sich diese Strategie zu eigen. Herrn Epp kann man an dieser Stelle die Frage nicht ersparen, ob er denn auch eine Quelle, einen Beweis für diese ja selbst denunziatorische Behauptung gegen den „Sektenexperten“ hat? Zugegeben, dies ist eine rhetorische Frage, denn die Antwort kennt der Verfasser, der ja selbst der genannte „Sektenexperte“ ist. Herr Epp kann eine Quelle, einen Beweis nicht liefern, weil es sie nicht gibt! Was aber behauptet er da über die WAZ? Dass sie sich von fragwürdigen Interessen fremdbestimmen und instrumentalisieren ließe? Warum sollte sie das tun? Was soll dieser Anschein bezwecken? Und welche Macht, welchen Einfluss mutet er dem „Sektenexperten“ zu!

Für den „Sektenexperten“, der auch Seelsorger ist, ergeben sich diese Beobachtungen und Anmerkungen:

Ein Seelsorger sollte niemals mit Ironie – auch nicht wenn man sie „witzig“ nennt – in einer existentiellen Krise, die den Menschen nachvollziehbar Angst macht, arbeiten. Die Schwachen in der Gemeinde können das im Zweifel nicht unterscheiden und könnten sich gefährden. Das wichtigste Kapital des Seelsorgers ist das Vertrauen der Menschen, das auch in der Eindeutigkeit der Sprache gründet, nicht in deren ironischer Ambivalenz. Auch nach bald 66.000 Toten ist die Krise noch nicht unter Kontrolle. Für „witzige“ Späßchen ist im Verantwortungsraum des Seelsorgers deshalb kein Platz!

Das starre Beharren auf der Korrektheit der eigenen Behauptungen angesichts ihrer weitgehenden Fehlerhaftigkeit wie auch die Zensur kritischer Voten erinnern an die Unfähigkeit so genannter Sekten, Zweifel und Kritik zuzulassen und das Bemühen, sich abzuschotten. Dazu passt auch die Tendenz dualistisch zwischen innen und außen zu unterscheiden und alle Verantwortlichkeit für unangenehme Entwicklungen nach außen zu projizieren. Das stärkt zugleich den Zusammenhalt nach innen.

Das Video, der Umgang mit fremder Kritik und die sich anschließenden Kommentare Herrn Epps und seiner Leute entlarven sich selbst.

Andrew Schäfer, Landespfarrer für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche im Rheinland

 

 

Andrew Schäfer / 19.02.2021



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